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Geschichten von klappernden Fuhrwerken und einem Lauensteiner Original

Die Sponstelle und der alte „Ramunks“

LAUENSTEIN. Wenn alte Häuser reden könnten, was hätten sie wohl zu erzählen. So manche Chronik müsste vermutlich revidiert werden. Um historische Gebäude im Ort wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken, hatte Erika Bornett, die Leiterin des Salzhemmendorfer Chores Young Voices and Gospel, deshalb vor einigen Jahren die Veranstaltungsreihe „Hauskonzert in historischen Gebäuden – Dorfgeschichte musikalisch erleben“ ins Leben gerufen. Das siebte Hauskonzert fand nun an der Ithstraße 10 statt, in einem Haus in der Nähe der ehemaligen Sponstelle.

veröffentlicht am 26.08.2018 um 17:12 Uhr

Eine Gedenktafel erinnert heute an die alte Sponstelle – eine Halte- und Ausspannstelle für Fuhrwerke. Foto: sto
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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Auf der Ithstraße waren früher viele Fuhrwerke unterwegs, um an der Sponstelle, gemeint sind der Halteplatz und die Ausspannstelle für die Fuhrwerke, die in Naturalien zu leistenden Aufgaben, den Zehnten, zur Zehntscheune des Amtes Lauenstein zu bringen. Die 1854 abgerissene Zehntscheune, ein 72 Meter langes Gebäude, stand auf der anderen Seite zwischen dem Amtsgericht und der Schule, wie in dem vom Heimat- und Verkehrsverein Lauenstein 2013 herausgegebenen Buch „Lauenstein am Ith – historisches Lauenstein“ zu lesen ist. Wegen des lauten Klapperns der Fuhrwerke, die durch die Ithstraße polterten, war die Straße früher scherzhaft „Kläperstraße“ genannt worden. Das Geräusch wurde hervorgerufen durch die zusätzlichen Bremsstöcke, die von den Fuhrleuten auf der Seilstrecke der früheren „Poststraße“ bei Nässe und Glätte in die Radspeichen gesteckt worden waren. Ganz in der Nähe der ehemaligen Sponstelle, an die heute eine Gedenktafel erinnert, fand nun die Veranstaltung „Altes und Neues an der Sponstelle“ statt. In dem etwas zurückliegenden Gebäude, genannt das „Thotesche Haus“ oder auch das „Mündersche Haus“, wurde den vielen Besuchern ein abwechslungsreiches Programm geboten: Musik von Angelika Campos de Melo aus Göttingen, Anekdoten und Märchen, erzählt von Siegfried Gießmann aus Salzhemmendorf und Edeltraud Blötz aus Brünnighausen sowie eine Ausstellung mit Fraktalen von Heike Scholz und Handarbeiten von Edith Bornett sowie Anneliese Lemke. Marina Thobae, Bewohnerin des unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhauses, hatte Informationen zu dem Gebäude mitgebracht.

Das genaue Baujahr ist nicht bekannt. Vermutlich wurde es um 1750 herum errichtet. Von 1833 bis 1891 war in der unteren Etage eine zweite Schulstube, nämlich die Mädchenschule, untergebracht. Auch gab es eine Organisten-Wohnung. Die obere Etage diente als Pfarrwitwenhaus für die Witwe des Pfarrers Friedrich Thote, so die damalige Schreibweise des Nachnamens „Thobae“. In dem parkähnlichen Garten des Hauses habe es eine Quelle gegeben, die den in Steinen gefassten Bach an der Sponstelle entlang bildete. Die Quelle sei später verdeckt und für die Wasserleitung benutzt worden.

Während des Hauskonzerts wurde nicht nur an die ehemalige Nutzung des Hauses erinnert, sondern auch an Lauen-steiner Originale. Beispielsweise an den alten „Ramunks“ vom Rennenberg.

Der gute Mann hatte als Kellner vor vielen Jahren ab und zu im „Lauensteiner Hof“ ausgeholfen. Als ein Gast Ragout fin bestellte, wusste er nicht, was damit gemeint war. Er ging in die Küche und fragte: „Da will sau`n Gast Ramunks hebben. Wat is dat eigentlich?“

Die in der Küche deuteten das Ramunks tatsächlich als Ragout fin. Der Spitzname „Ramunks“ war dem Aushilfskellner sicher.



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