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Salzsiedehaus immer noch der Traum von Udo Baranowski / Kritischer Blick beim Ortsspaziergang

Die „Pleiten“ von Salzhemmendorf

Salzhemmendorf (gök). „Nein, ganz aufgegeben habe ich noch nicht. Ich habe immer noch ein bisschen Hoffnung“, so Udo Baranowski aus Salzhemmendorf. Der gebürtige Berliner – seit fast 50 Jahren in der Region wohnhaft – hat als junger Berufssoldat seine Frau kennengelernt und ist dann in Salzhemmendorf „hängengeblieben“. 1998 wurde er das erste Mal als Salzsieder anlässlich der zehnjährigen Partnerschaft mit der holländischen Gemeinde Arcen/Velden/Lomm aktiv.

veröffentlicht am 18.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:41 Uhr

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Nachdem er in den vergangen Jahren sehr oft als historischer Salzsieder sozusagen als lebendes Kulturgut für den Tourismus im Flecken Salzhemmendorf unterwegs war, keimte in ihm die Idee eines Salzsiedehauses in Salzhemmendorf. Die Architektin Silvia Leiffholdt bestärkte Baranowski in seiner Idee und erstellte ehrenamtlich Berechnungen und Zeichnungen für die Umsetzung eines Salzsiedehauses in Salzhemmendorf nach historischem Vorbild. Nach Absprachen mit Heiko Wiebusch von der Lokalen Aktionsgruppe der Leader-Region Westliches Weserbergland und Clemens Pommerening machte sich Baranowski auf die Suche nach Sponsoren. Mit den örtlichen Kreditinstituten waren auch ziemlich schnell zwei größere Sponsoren bereit, das Projekt zu unterstützen. Nachdem der damalige Geschäftsführer der Ith-Sole-Therme, Stefan Schlichte, Unterstützung bei einem Standort an der Therme zugesichert hatte, verzögerte sich das Projekt durch eine Operation bei Baranowski. Als er wieder genesen war, kam ihm der Wechsel in der Geschäftsführung der Ith-Sole-Therme dazwischen. Die neue Geschäftsführung unterstützt sein Projekt des Salzsiedehauses an der Therme nicht mehr, so dass Baranowski schon an Aufgabe dachte.

Doch mittlerweile hat er wieder etwas Hoffnung für die Umsetzung erlangt, denn eventuell wäre ein neuer Standort an der neuen Saline in Salzhemmendorf möglich, um dort an einem neuen Salzsiedehaus Schauvorführungen durchzuführen. Die kommenden Gespräche werden zeigen, ob das Projekt noch Hoffnung hat oder eine Renaissance des Salzsieder-Handwerkes in Salzhemmendorf in weite Ferne rückt. Baranowski hofft zudem, dass sich neben seiner Tochter Sarah Baranowski später noch mehr Salzhemmendorfer für die eigene Geschichte interessieren, damit diese nicht in Vergessenheit gerät.

Das Stichwort „Pleiten“ nahm der Ortsrat um den stellvertretenden Ortsbürgermeister Karsten Appold (Grüne) jetzt auch beim historischen Ortsspaziergang auf. Denn die Geschichte von Salzhemmendorf hat wirtschaftlich nicht nur Erfolge, sondern auch einige Pleiten aufzuzählen. Über 50 Bürger nahmen an dem Ortsspaziergang teil, bei dem nicht nur Appold, sondern auch einige Bürger mit Anekdoten zu dem gelungenen Spaziergang beitragen konnten. Neben der Kurpleite in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts und der noch fehlenden Umsetzung des Salzsiedehauses gab es schon 1855 negative Erfahrungen mit der Sole. Denn eine 1850 begonnene Bohrung musste mangels Geld 1855 eingestellt werden. Grund für die Bohrung war die Suche nach einer höher konzentrierten Sole-Quelle, da die Salzproduktion von der Salzhemmendorfer Sole mit einem Salzgehalt von 4,5 bis 8,9 Prozent bis dahin sehr energieaufwendig war und hohe Kosten verursachte. Durch die besseren Transportmöglichkeiten und ein fehlendes Gradierwerk geriet die heimische Salinengewerkschaft schließlich ins Hintertreffen und stellte ihren Betrieb im 19. Jahrhundert ein.

In dem Ortsspaziergang ging Appold schließlich noch auf die weitere Geschichte des Ortes ein. Nach einem Weg über den Knübel kam die Gruppe schließlich an der Solequelle in der Alleestraße vorbei, ehe der Gang zum jetzigen Badehaus Hessing führte. Bis 1961 wurden hier jährlich bis zu 14 000 Bäder durchgeführt, so dass die Sole des Ortes nach der Salzgewinnung ihren weiteren Nutzen in der Kur fand. Mangels Modernisierung der Badeeinrichtungen verlor das Heilbad aber schnell an Attraktivität. Erst mit der Nutzung der jetzigen Betreiber kam wieder Leben ins das Haus.

Nachdem die Bürger noch eine kleine Kirchenführung in Salzhemmendorf gemacht hatten, fanden sie sich schließlich zum gemeinsamen Abschluss des Spazierganges am Rathaus ein, wo der örtliche Heimat- und Verkehrsverein sich um den Hunger und Durst der Wanderer kümmerte. In den Reihen der Bürger kam der Spaziergang so gut an, dass viele schon auf eine Fortsetzung hoffen.

Salzfrau Sarah und Salzsiedemeister Udo Baranowski bieten Salz für den guten Zweck, die Sanierung des Lönsturmes, an. Foto: gök



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