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Dr. Peter Eilitz legt Widerspruch gegen Anbau für Schweinemast ein / Landwirt weist Vorwürfe zurück

Die Pläne des Nachbarn stinken ihm gewaltig

Oldendorf (hen). Wenn er in die nahe Zukunft blickt, vergeht Dr. Ing. Peter Eilitz der Appetit auf Pflaumenkuchen mit Schlagsahne – der ehemalige Architekt, der gemeinsam mit seiner Frau das Café am Kirchweg nebst Hotel betreibt, befürchtet, Oldendorf könne nun endgültig zum Gülledorf werden. Als Fragestellung hatte bereits in den 90er Jahren die Dewezet einen entsprechenden Titel eines Artikels formuliert, der sich mit damaligen Befürchtungen der Anwohner rund um den Bau eines Sammelsilos befasste. Und bereits lange zuvor, Ende der 70er Jahre, hatte es in Oldendorf einen „Güllekrieg“ gegeben. Ortsbürgermeister, Gemeindebürgermeister und nicht zuletzt der von Eilitz kritisierte Nachbar weisen dessen Einwendungen als haltlos zurück. „Völliger Humbug“, sagt der Landwirt Heinrich Knoke, der im Zentrum der Anschuldigungen Eilitz’ steht.

veröffentlicht am 12.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:41 Uhr

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Der Oldendorfer sieht die Tourismusbestrebungen Salzhemmendorfs und die Bemühungen des Ortes um einen Platz im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gefährdet – „wo klöppelnde Bauersfrauen in alter Tracht vor historischen Fachwerkfassaden der Bewertungskommission eine heile Welt vorgaukeln“. Nachdem das Vorhaben, einen Gülle-Sammelbehälter mitten im Dorf zu errichten, 1992 „durch ein Bürgerbegehren damals gerade noch rechtzeitig gestoppt“ werden konnte, so Eilitz, baue „derselbe Landwirt mitten im Dorf, umgeben von Wohnhäusern, einem Hotel, einem Café, dem Pfarrhaus und der Kirche an einem Maststall für über 500 Schweine“. Für die Erweiterung habe er bereits ein Nachbargrundstück, den historischen Tiedauschen Hof, im neuen Zeitreise-Prospekt des Ortes als besonders sehenswert hervorgehoben, „kurzerhand plattgemacht“. Jetzt baue er eine Straße und verlege Rohrleitungen von seinem Schweinestall zu diesem neu erworbenen Grundstück, „um für die anliefernden Lkw eine optimale Rundumfahrt zu ermöglichen“, behauptet Eilitz.

„Da ist viel Spekulation im Spiel“, sagt Gemeindebürgermeister Martin Kempe zu den Vorwürfen des Oldendorfers. Bei der Umwandlung handele es sich um ein normales Geschäft der laufenden Verwaltung; die Hofentwicklung sei sogar vorrangiges Ziel auf den Dörfern. Die Befürchtungen kann er so nicht teilen – im Gegenteil, würde es doch bei einer Veränderung heute viel strengere Auflagen für den Betreiber geben. Dass Eilitz anzweifelt, dass der Landwirt sich an die Baugenehmigung hält, sei eine Unterstellung. Kempe wünscht sich, dass die beiden Nachbarn miteinander reden.

Damit habe er kein Problem, sagt Knoke, sehe aber zurzeit keine Chance dazu. Er versichert, dass sich die Umwandlung von der Milchvieh- zur Schweinehaltung „emissionstechnisch ausgleiche“. Die zurzeit vorgenommenen Arbeiten – „keine Straße, sondern eine Hofbefestigung“, so Knoke – seien für den Umbau des ehemaligen Tiedauschen Hofes notwendig. Der im Übrigen überhaupt nichts mit der Tierhaltung zu tun habe; geplant sei vielmehr, dort einen Altenwohnsitz für seine Eltern zu errichten.

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Dr. Peter Eilitz zweifelt das Gutachten an. Foto: hen
  • Dr. Peter Eilitz zweifelt das Gutachten an. Foto: hen

Auch der Ortsbürgermeister Eckhard Füllberg sieht einen ganz normalen Vorgang in der Hofumwandlung. Unglücklich findet auch er im Nachhinein, dass der Tiedausche Hof im gerade erst gedruckten Zeitreise-Flyer als einer der „Ges(ch)ichtspunkte“ angegeben wird: Beschrieben wird er als einzige Hofanlage in Oldendorf, die seit ihrer Erbauung 1848 nicht verändert wurde. „Das Wohnhaus besteht aus Fachwerk, die Scheunen aus Sandsteinquadern der Osterwalder Steinbrüche. Die Spuren von über 150 Jahren Geschichte sind hier noch sichtbar“, heißt es im Prospekt. Der Hof habe schon seit drei oder vier Jahren zum Verkauf gestanden; daher sei die Aufnahme in den Flyer grundsätzlich ungünstig gewesen, sagt Füllberg. „Einen Abriss können wir aber nicht verhindern.“ Auch Knoke bedauert das; es sei „aber nichts mehr zu retten“ gewesen, Holz und Lehm hätten sich in Wohlgefallen aufgelöst, so dass nur noch die Grundmauern stehen bleiben konnten.

Die Pläne Knokes sind bereits behördlich abgesegnet;

Claus Hake vom Landkreis Hameln-Pyrmont bestätigt in Vertretung für die Pressestelle

die Baugenehmigung „für den Anbau einer Remise für nicht selbst fahrende landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, den Einbau eines Schweinestalles in die vorhandene Scheune, die Umnutzung des Kuhstalles zu einem Kornlager sowie den Anbau eines Auslaufbereiches an den Kuhstall (später Umnutzung zu einem Kornlager)“. Nach Angaben des Landkreises werden aktuell auf diesem Teil der Hofstelle 240 Mastschweine und 25 Milchkühe, 25 Kälber und 15 Stück Jungvieh gehalten. Geplant sei, die Milch- und Rindviehhaltung aufzugeben und stattdessen in dem neu ausgebauten Schweinestall zusätzlich 190 Mastschweine zu halten. „Der Landwirt Knoke wird dann – unter Einbeziehung des Stalles auf der anderen Straßenseite – über 547 Schweinemastplätze verfügen“, sagt Hake. Das Emissionsgutachten nennt Eilitz „äußerst fragwürdig“: Es komme zu dem Ergebnis, dass kein einziges Wohnhaus mehr als gesetzlich erlaubt von den Emissionen beeinträchtigt wird. „Auf einer farbigen Darstellung zieht der Gestank elegant an den Wohnhäusern vorbei, ohne sie zu berühren, und löst sich nach 50 Metern plötzlich in Luft auf. Da staunt der Laie, was man mit Gutachten alles beweisen kann“, sagt der gelernte Architekt.

Gegen die Baugenehmigung hat Eilitz Widerspruch beim Landkreis einlegen lassen. Auch das bestätigt der Pressesprecher und nimmt dies zum Anlass, zu den Bedenken von Herrn Eilitz derzeit keine Stellung zu nehmen – „aus datenschutzrechtlichen Gründen und um der Widerspruchsbearbeitung nicht vorzugreifen“.

Der Tiedausche Hof wird abgerissen – Eilitz hat das im Foto festgehalten. Der von ihm kritisierte Landwirt Knoke hat das Gebäude erworben, um ein Altenteil zu errichten. Dass der 1848 erbaute Hof im neuen Zeitreise-Flyer als „einzige Hofanlage in Oldendorf, die seit ihrer Erbauung nicht verändert wurde“ vorgestellt wird, hält auch der Ortsbürgermeister für unglücklich. Knoke sagt: „Da war nichts zu retten.“



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