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Ärger um öffentlichen Nahverkehr ist eines der Themen im „Zukunftskonzept Bisperode“

Die meiste Zeit geht beim Warten drauf

Bisperode (ist). Für die meisten Menschen in Bisperode werde die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nur nach Hannover oder Hameln, sondern selbst in das übernächste Dorf in der Regel zur Reise, weiß Jurgis Tolkmitt aufgrund vielfacher Erfahrung – es sei denn, man sei Schüler auf dem Schulweg. Wobei die wenigste Zeit in der Fortbewegung auf Schiene oder Straße, dafür aber die meiste auf der Bahnhofsbank verbracht werde, weil verpasster Anschluss fahrplanmäßig schlichtweg vorprogrammiert sei. „Da macht der Alltag richtig Spaß“, meint Tolkmitt ohne wirkliches Lächeln, „wenn man mit dem Bus am Bahnhof Coppenbrügge ankommt und die Eurobahn gerade rausfahren sieht.“

veröffentlicht am 20.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:41 Uhr

Wenn Saskia aus Bisperode, Jennifer aus Coppenbrügge und Sven aus Hemmendorf (v. li.) Freunde in Hameln oder Elze besuchen wolle
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Zum zweiten Arbeitstreffen des Entwicklungskonzeptes Bisperode kamen rund 50 Einwohner der Bisperoder Ortsteile sowie die Professoren Dr. Birgit Franz und Dr. Georg Maybaum mit vier Studenten der Fachhochschule Holzminden in der Eppershalle zusammen. Eingeladen hatten Markus Löwer, Diplom-Geograf und Koordinator für Regionalentwicklung bei der Niedersächsischen Landgesellschaft Hannover (NLG), und Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka. Verbesserung der Nahversorgung durch „gute Geschäfte und Dienstleistungen inklusive öffentlicher Nahverkehr“ sowie „Mehrgenerationendorf“ waren die Themen des Abends, die für lebhafte Diskussion, Ideenfindung und Skizzierung von Lösungsansätzen sorgten – in zwei Arbeitsgruppen, zwei Stunden lang während der offiziellen Veranstaltung und danach lange über das offizielle Ende hinaus.

Fazit: Der öffentliche Nahverkehr sowie die Fahrplanabstimmung von Öffi-Bussen und Eurobahn bedürften erheblicher Verbesserungen, um nicht nur die wenigen bisherigen Nutzer zufriedenzustellen, sondern darüber hinaus neue zu gewinnen. Andernfalls werde weiterhin gelten: Zwei Autos pro Familie sind kostspieliges Minimum für das Leben auf dem Lande. Bürgermeister Peschka verspricht Kontaktaufnahme mit den zuständigen Stellen des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont.

Was die Versorgung betreffe, da gebe es mit Ausnahme von Kassenarzt und Apotheke ein durchaus gutes Angebot, rückt Alfred Frengel aus Diedersen unter allgemeiner Zustimmung ins Bewusstsein. „Wir haben keinerlei Grund zum Jammern, sondern ein überdurchschnittlich vielfältiges und üppiges Angebot für unsere Größenklasse.“ Und er zählt Lebensmittel- und Getränkemarkt, Haushalts-, Papier- und Spielwarenladen, Friseur, Computershop, Poststelle, Gaststätte, Reitstall, Sportverein und mehr auf. Das Problem sei nur, dass dies den Einwohnern – möglicherweise aufgrund des alltäglich flüchtigen Vorbeifahrens mit Tunnelblick – zu wenig bekannt sei und deshalb nicht genutzt würde. „Wir haben ganz viel und müssen es nur nutzen. Denn für unser Angebot vor Ort und dessen Erhalt sind wir ganz allein und selbst verantwortlich.“ Das kurzlebige Geiz-ist-geil-Schnäppchen von „jwd“ könne langfristig mit dem persönlichen Vor-Ort-Service nicht mithalten. „Wir erwarten doch nicht, dass jeder seinen Großeinkauf bei uns machen soll. Dafür ist unser Geschäft gar nicht ausgelegt“, sagt der Inhaber des Lebensmittel- und Getränkemarktes Reinhard Mentz. Aber ohne den alltäglichen kleinen Einkauf, der auf Wunsch auch ins Haus geliefert werden könne, sei ihre Existenz nicht über Wasser zu halten.

Abhilfe schaffen soll in naher Zukunft die Verteilung einer Liste aller Geschäfte in die Briefkästen der Ortsteile sowie verstärkte Werbung in der Fleckenzeitschrift „Aktuell im Flecken“. Eine Fülle von Ideen wurde in der Arbeitsgruppe „Mehrgenerationendorf“ gesammelt. Schon während der Auftaktveranstaltung war die gute Dorf- und Familiengemeinschaft neben der landschaftlichen Attraktivität als wichtigster und ganz persönlicher Pluspunkt der Bisperöder genannt worden, als es um die Frage ging: Warum lebt man hier? Das „Mehrgenerationendorf“, so die übereinstimmende Meinung, muss daher mehr den Bedürfnissen aller Altersgruppen gerecht werden, so dass alt und jung gemeinsam und unter gegenseitiger Bereicherung und Unterstützung neben- und miteinander leben. Straßenfeste und gemeinsame Internetpräsentation der Vereinsvielfalt könne man sich gut vorstellen. Mehrgenerationenzentren in umgebauten Altimmobilien mit beispielsweise Kinderbetreuung, Dienstleistungsangebot oder -austausch, Café oder Kultur böten sich an. Tagesmütter- oder Großelternpool, privater Taxi-Dienst, Solidargemeinschaften wie Altenheim oder Betreutes Wohnen, Wohngemeinschaften mit separaten Wohnungen – die Ideenfülle verspricht viel Arbeit für das nächste Treffen. Es steht unter dem Thema: „Welche Maßnahmen sollen ergriffen werden?“ und findet am 2. Februar ab 18.30 Uhr wieder in der Eppershalle statt. Dabei wird es um die Konkretisierung der Ideen zum Themenfeld „Mehrgenerationendorf Bisperode“ gehen. Die Ideen und Maßnahmevorschläge der Themengruppe „Gute Geschäfte und Dienstleistungen inklusive Öffis“ sowie das Problem der kassenärztlichen Versorgung vor Ort werden von der Fleckenverwaltung aufgegriffen und soweit möglich abgearbeitet werden.



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