weather-image
23°
Wie für den Transport mächtiger Rotorblätter der Weg freigemacht wird

Die Kurve kriegen

Coppenbrügge (ist). Viele Straßen führen nach Rom, deutlich weniger nach Coppenbrügge. Und die sind in ihren Ausmaßen während der tausendjährigen Geschichte des Ortes unübersehbar immer noch mehr an Pferdefuhrwerken und motorisiertem Individualverkehr orientiert als am Transport überdimensionaler Bauteile für energieproduzierende Riesenspargel im 21. Jahrhundert. Wer immer also auf der Bundesstraße 1 von Hildesheim zum Coppenbrügger Ruhbrink will, muss (da die Umgehungsstraße zwar zeitlich nah, aber doch zu spät dran ist) sich durch kleinwinklige Verkehrsführung hindurchlavieren.

veröffentlicht am 02.08.2015 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:41 Uhr

270_008_7751520_lkcs107_0308.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Keine Chance, die Kurve zu kriegen, für Rotorblätter der jüngsten Generation von Enercon-Windenergieanlagen Typ E101, die mit einem Gesamtrotordurchmesser von 101 Metern mittlerweile die Ziellinie der olympischen Kurzlaufstrecke hinter sich lassen. Ihre Flügellänge übertrifft mit rund 50 Metern die der am Ruhbrink bestehenden Windenergieanlagen (WEA) der Typen E82 und E70 um mehr als 10 beziehungsweise 15 Meter, erklärt Enercon-Projektmanager Dominik Weiß auf Nachfrage der Dewezet. Der Transport zur Baustelle mache deshalb nicht selten „wegbereitende“ Maßnahmen notwendig.

Auch in Coppenbrügge. Für die Anlieferung aus Richtung Hildesheim zum Ruhbrink wird daher im Ortsbereich die Verkehrsinsel an der B1/Osterstraße gegenüber dem Jugendtreff zurückgebaut und mit Stahlplatten belegt werden. Nur so ist das notwendigerweise weite Ausscheren links zum Einbiegen rechts in die Bundesstraße 442 (Osterstraße) möglich. Nach Information von Jens-Uwe Schaper, zuständiger Sachbearbeiter im Rathaus, werden weiterhin alle Verkehrsanlagen (Verkehrszeichen und Ampeln) an der Einmündung entfernt und durch mobile Zeichen und Ampeln ersetzt. „Nach Abschluss der Transporte werden sämtliche Verkehrsanlagen wieder installiert und die Verkehrsinsel nach den Vorstellungen der Gemeinde Coppenbrügge wieder hergerichtet. Die Kosten dafür trägt die Betreiberfirma.“ Weitere Maßnahmen für den Rotortransport des E101 am Ruhbrink (Rückbau von Verkehrsinsel, Leitplanken und Verkehrsschilder) werden auch im Bereich der Kreuzung B442/K4 (Abzweigung nach Brünnighausen) ausgeführt. „Die beauftragte Transportfirma hat im Vorfeld die Verkehrsführung berechnet“, so Schaper. „Die Maßnahmen sind mit dem Ordnungsamt und dem Bauamt des Flecken Coppenbrügge abgestimmt worden.“ Terminiert ist der Konvoi, der nach Information von Weiß bei drei Rotoren dieser Größenordnung immerhin eine Gesamtlänge von etwa 200 Metern haben wird, für den Monat August. Wie üblich, ist eine Nachtaktion geplant, um die Verkehrsbehinderung so gering wie möglich zu halten. „Gut zu wissen, dass es nur kurzfristig ist“, sagen Coppenbrügger, die sich seit längerem nicht nur über die gärtnerische Vernachlässigung der Verkehrsinsel, sondern auch über den „sinnlosen“ Verkehrsschilderwald im Schatten der WEA-Baumaßnahmen gewundert haben (wir berichteten). Manch einer, wie Georg Schäfer aus Herkensen, war misstrauisch geworden: Dass eine der beiden großen Kastanien an der Abzweigung Richtung Bisperode an der Landesstraße 423 vor zwei Jahren fallen musste, weil sie krank gewesen sei, glaube er mittlerweile nicht mehr. „Die wurde auch den Windrädern und der Zuwegung zu den Windparkbaustellen geopfert. Damit die langen Lkw um die Ecke kommen!“ Dem widerspricht Markus Brockmann, Geschäftsbereichsleiter der Straßenverkehrsbehörde des Landes in Hameln, auf Nachfrage der Dewezet mit Nachdruck. Die beiden Kastanien, die landschaftsprägend und über hundert Jahre alt sind, stünden schon seit Jahren unter besonderer Beobachtung. Eine davon habe gefällt werden müssen, weil sie zuletzt erhebliche Morschungen aufgewiesen habe und die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen sei. „Einer Fällung wegen Bauverkehrs oder für Transporte von Teilen für Windräder wäre nicht zugestimmt worden“, versichert er. Und auch die verbliebene Kastanie werde sorgfältig beobachtet, „wird aber leider über kurz oder lang ebenfalls gefällt werden müssen.“

Die Pflanzinsel vor der Abzweigung zur Osterstraße (B 442) in Coppenbrügge ist bereits „abgeräumt“ worden – sie soll nach dem Schwerlasttransport wieder hergerichtet werden.

270_008_7751361_lkcs104_0308.jpg


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt