weather-image
28°
Werner Gattermann hält die Kirchturmuhr am Laufen

Der Herr über die Zeit

HOHNSEN. Er sorgt dafür, dass die Zeit in Hohnsen nicht stehen bleibt. Werner Gattermann ist für die über hundert Jahre alte Kirchturmuhr verantwortlich.

veröffentlicht am 29.12.2017 um 11:12 Uhr
aktualisiert am 29.12.2017 um 15:30 Uhr

270_0900_75293_lkcs_3012_Kirchturmuhr_6_sto.jpg
Stolte Christiane

Autor

Christiane Stolte Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Seit 111 Jahren hören die Bürger von Hohnsen auf ihr Kommando. Schlägt sie morgens, ist es Zeit zum Aufstehen, schlägt sie mittags, ruft sie zum Essen, und auch abends und nachts macht sie auf sich aufmerksam – die Uhr am Turm der Sankt-Petri-Kirche. Täglich schenken ihr die Hohnser viele Blicke und stellen ihre Uhren nach ihrer Vorgabe, denn auf sie ist Verlass – die Tages- oder Nachtzeit spielt keine Rolle für die betagte „Dame“.

Dafür verlangt sie jedoch eine Gegenleistung in Form einer besonderen Zuwendung und etwas Pflege, damit sie nicht einrostet in ihrem hohen Alter. Einmal in der Woche möchte sie aufgezogen werden, und hin und wieder muss ihr imposantes Uhrwerk geölt werden, damit ein Zahnrad reibungslos ins andere greifen kann. Die 1906 von der Turmuhrenfabrik und Glockengießerei Weule – sie existierte von 1836 bis 1966 in Bockenem im Ambergau – gefertigte Uhr wird wie damals immer noch mit der Hand aufgezogen – einmal wöchentlich, wie Johann Friedrich Weule sie einst entwickelt hatte.

Zuständig für ihre Pünktlichkeit und ihren einwandfreien Zustand ist Werner Gattermann. Wie er das bewerkstelligt, wissen allerdings nur Eingeweihte oder Konfirmanden, die sich auf eine Erkundungstour durch die Kirche begeben – natürlich unter Aufsicht, denn die Tür, die in das Uhrenstübchen führt, darf nicht von jedermann geöffnet werden, könnten Ungeübte doch die Zeit durcheinanderbringen. Was mag sich hinter der Tür befinden?

An der Stellung des Gewichts (oben) sieht Werner Gattermann, wann es Zeit zum Aufziehen der über hundert Jahre alten Uhr (unten) ist. Foto: sto
  • An der Stellung des Gewichts (oben) sieht Werner Gattermann, wann es Zeit zum Aufziehen der über hundert Jahre alten Uhr (unten) ist. Foto: sto
270_0900_75229_lkcs_Kirchturm_3012_sto.jpg

Werner Gattermann lüftet das Geheimnis und öffnet den Zugang zu dem Raum. Zum Vorschein kommt eine kleine Kammer, in der das große Uhrwerk fast wie maßgeschneidert Platz hat. Er dreht an einer Kurbel, um das Werk aufziehen. „Das mache ich meist immer samstags“, betont der Zeitwächter. Wie weit die Zeit fortgeschritten und ob es Zeitpunt zum Aufziehen gekommen ist, sieht er an einem großen Gewicht im Nebenraum. Hängt es direkt unter dem Dach, ist das Uhrwerk bestens versorgt. Ist es unten angekommen, droht die Uhr stehen zu bleiben. Aber so weit lässt Werner Gattermann es natürlich nicht kommen. Jeden Samstag klettert er die schmale Treppe zum Glockenturm hinauf, wo sich auf halber Höhe die „Uhrenkammer“ befindet, und waltet seines Amtes.

Sollte er an einem Samstag mal keine Zeit haben, was selten vorkommt, muss er für eine Vertretung sorgen – andernfalls bliebe in Hohnsen die Zeit stehen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare