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TV bleibt dunkel, weil Antennenanschluss defekt ist: Hartz-IV-Empfänger fühlen sich alleingelassen

Der Fernseher ist nur noch Deko im Regal

Dörpe (ist). In 96 Prozent der bundesdeutschen Haushalte wird laut Emnid-Umfrage täglich mindestens eine Stunde ferngesehen. „Das ist bei uns nur Wunschdenken“, sagen Valerija (51) und Diethelm (59) Goll nicht wenig verärgert und fröstelnd am TV-Gerät im Wohnzimmer. „Wir gehören zu den restlichen vier Prozent vor ungewollt durchgehend dunkler Mattscheibe.“

veröffentlicht am 05.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 15:41 Uhr

Die Mattscheibe bleibt dunkel bei Valerija Goll: In der Wohnung
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Warm ist es in der Wohnung der Golls nur im Kinderzimmer. Dass es ein gut gemeinter Rat war, die Winterjacke nicht abzulegen, spürt der Besucher spätestens nach fünf Minuten in der kalten Küche im Dörper Russelbrink – die Eheleute eingezwängt zwischen mittigem Küchentisch und Küchenzeilen rechts und links, der Gast bei wiederholt großzügig nachgeschenktem, bevor ausgetrunkenem heißen Kaffee und selbst gebackenem Gebäck nach weißrussischer Gastfreundschaft. Sparen sei bei ihnen oberstes Gebot, „auch bei der Heizung“, so sei das eben bei Hartz-IV-Empfängern, „allerdings nur, solange Tochter Christina Maria (8) nicht darunter leidet“. Die habe schon genug zu ertragen durch die Ausländerfeindlichkeit in der Nachbarschaft (Mutter Valerija aus Weißrussland wartet nach 15 Ehejahren mit einem Deutschen noch immer auf ihre Einbürgerung). Außerdem sei der Russelbrink weder Upper-Class-Wohngebiet in Dörpe und erst recht nicht bevorzugte Besucherecke für Kids. „Hier kommt doch keiner hin“, sagt Vater Diethelm. Und wenn schon allein zu Hause, so solle Christina wenigstens hier der aktuell grundlegende gesellschaftliche Lebensstandard vorgehalten werden, der sie in die Lage versetzt, unter ihresgleichen in der Informationsgesellschaft mitreden, in der Schule („Chancengleichheit in der Bildung“) mitlernen zu können – je älter sie wird, umso wichtiger. „Computer/Laptop und Internetanschluss sind für uns finanziell illusorisch.“

Der Fernseher habe zwar seit ihrem Einzug im Juli 2008 seinen festen Platz im Wohnzimmer, ist aber seitdem aufgrund durchgängig dunkler Mattscheibe weniger Hingucker aus Richtung Sofa als die Riege der russischen Babuschkas (Matrjoschkas) im Regal darüber. Allerdings nicht, weil auch am Strom gespart werde, sondern weil kein intakter Antennenanschluss vorhanden sei und folglich kein Programm empfangen werden könne. Und das werde zunehmend zum Problem – vor allem für Christina. Durch Zufall habe er, so Goll, jetzt im Mietvertrag mit der Gemeinde im Kleingedruckten entdeckt, dass von Mietbeginn an ein Betrag für einen, wie sich nach Überprüfung durch eine Fachwerkstatt herausstellte, defekten Antennenanschluss gezahlt wurde.

Auf Nachfrage seien ihm die Kosten für den gesamten Zeitraum erstattet worden. Mehr könne seitens der Gemeinde als Vermieterin nicht getan werden, so die Antwort des zuständigen Sachbearbeiters Jens-Uwe Schaper im Rathaus. Gegen die Montage beispielsweise einer Satellitenschüssel bestünden keinerlei Bedenken, gerne würde sich die Gemeinde diesbezüglich hilfreich zeigen. Die finanzielle Abwicklung allerdings sei Mieterangelegenheit, so die Auskunft mit Hinweis auf das Jobcenter als zuständige Behörde. Dessen Pressesprecher Michael Stolpe teilt auf Anfrage der Dewezet mit, dass Hartz-IV-Empfänger zwar per Gesetz einen Anspruch auf Antennenzugriff haben, für diesen allerdings aus der Regelleistung, die die Golls bekommen, selbst gesorgt werden müsse. Er empfiehlt den Kauf eines preisgünstigen DVBT-Receivers ohne zusätzliche Kabellage für digitalen Empfang. Darauf allerdings, so die Auskunft des Fachmanns Wolfgang Jenschke (EP) vor Ort, sei der Bereich Dörpe technisch noch nicht eingestellt, Fernsehempfang auf diesem Wege wenig erfolgreich und weit mehr als Glückssache.



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