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„Rummelplatz“ – der Roman des ostdeutschen Schriftstellers Werner Bräunig endet am 17. Juni 1953

Der andere Blick zum Tag des Mauerfalls

Coppenbrügge (sto). Während am Montagabend in ganz Deutschland der „Sieg der Freiheit“ mit zum Teil spektakulären Veranstaltungen gefeiert wurde, hat „Unser Dorf liest“ die leise Variante vorgezogen. Auch war nicht der Mauerfall vordergründig, sondern Leben und Arbeiten in der „Frühzeit“ der späteren DDR. Vorgestellt in der gut besuchten Aula der Grundschule am Ith wurde das Buch „Rummelplatz“ des ostdeutschen Schriftstellers Werner Bräunig.

veröffentlicht am 10.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 19:21 Uhr

Der in der DDR verbotene Roman von Bräunig beginnt vier Jahre na
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Das Besondere an dem Gesellschaftsroman – erst 40 Jahre nach seinem Entstehen wurde er veröffentlicht. Er sorgte auf Anhieb für Furore und gilt als einer der besten Romane der Nachkriegsliteratur. Bräunig hat ein umfassendes Bild jener Zeit entworfen, ein ungeschminktes Panorama, sarkastisch und unsentimental geschrieben aus der „Bergarbeiterperspektive“. Menschlich erzählt mit lebendigen Dialogen.

„Wäre Bräunig nicht schon 1976 gestorben und hätte er weitergeschrieben, wäre er ein ganz Großer geworden“, betonte Heiner Stender zu Beginn der Lesung. Als „Rummelplatz“ vor drei Jahren bekannt wurde, sei sich die Literaturszene einig gewesen, mit Werner Bräunig viele Jahre nach seinem Tod einen Autoren von Rang entdeckt zu haben, so der Sprecher der Kulturinitiative.

Der Jahrestag zum Mauerfall sei eine gute Gelegenheit, den bei vielen in Vergessenheit geratenen oder gar nicht bekannten Autoren vorzustellen und auf ein wichtiges Buch neugierig zu machen. Zwar kein Buch über die Wiedervereinigung, dafür aber „wertfrei und wertvoll“.

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Sieben Akteure von „Unser Dorf liest“, Waltraud Schwee, Barbara Wirgs, Volkmar Wetzel, Michael Henke, Ulrike Schakeit, Günther Blötz und Dirk Teichert, ein echter „Ossi“, lasen im Wechsel aus dem damals vom Regime verbotenen Roman, der vier Jahre nach Kriegsende beginnt und am 17. Juni 1953 endet. Die Handlung: Schlimmer als die Ruinen sind kurz nach Kriegsende die Entwurzelung und der desolate Zustand der Menschen. In der „Wismut“, dem riesigen Abbaubetrieb für Uranerz, treffen sie aufeinander, die Heimkehrer und Glücksritter, deutsche Bergleute und die sowjetische Schachtleitung. Dieser Staat im Staate spiegelt die Situation in der einen deutschen Republik, den verbissenen Aufbauwillen ebenso wider wie sich abzeichnende Fehlentwicklungen, die am 17. Juni 1953 kulminieren.

Einer Aufforderung des Regimes, seinen Roman von antisowjetischen Tendenzen, der Kritik an Dogmatismus und kaum versteckter Häme gegen Funktionäre zu säubern, kam der Arbeiterdichter nicht nach. Er hätte sein Buch verstümmeln müssen. Der Versuch, einen anderen Roman zu schreiben, misslingt. Bräunig wird zum Alkoholiker und stirbt mit 42 Jahren in Halle.

„Die heutige Lesung ist eine wichtige Veranstaltung, denn meiner Meinung trägt sie zum besseren Verständnis zwischen Wessis und Ossis bei“, betonte „Ossi“ Dirk Teichert. Beim Fall der Mauer sei er 21 Jahre alt gewesen und habe in Stendal gelebt. Im Großen und Ganzen gern gelebt, denn die DDR habe auch Positives gehabt. Beispielsweise den Zusammenhalt und das Miteinander der Bürger. „Mein Anliegen ist es, auf das Gute aufmerksam zu machen. Es war nicht alles schlecht“, sagt der 41-Jährige.

Dirk Teichert – ein „Ossi“ – liest zum ersten Mal bei „Unser Dorf liest“.

Foto: sto

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