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Aus einem baufälligen Haus wird nach drei Jahren Umbauzeit ein Kulturtreff und Dorfmittelpunkt

Der älteste Balken stammt aus dem Jahr 1689

Wallensen (gök). Es ist wie bei einem privaten Umzug in ein neues Haus – kurz vor dem Tag X steigt der Stresspegel noch einmal an. In verschiedenen Ecken wird noch gewerkelt, es wird aufgeräumt und geputzt. Eigentlich ist alles fertig – und bis zum Eröffnungstermin soll auch die Ausstellung komplett sein. Anfang des Jahres wird der Verein Dorfkultour das „Haus an der Stadtmauer“ der Öffentlichkeit präsentieren. Fast drei Jahre Bauzeit liegen dann hinter den Initiatoren – vom ersten Entrümpeln des baufälligen Hauses bis hin zum Bezug der umfangreich renovierten Räume.

veröffentlicht am 18.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 22:41 Uhr

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Hinter den Mauern hat sich in dieser Zeit einiges verändert. Was sich positiv auf den Kaufpreis ausgewirkt hatte, brachte allerdings auch sehr viel Arbeit mit sich: Das Haus war sehr vermüllt und auch in einem schlechten baulichen Zustand. Aufgrund des hohen Arbeits- und Renovierungsaufwandes hatten sich kaum Kaufinteressenten gefunden. Gut für den Verein Dorfkultour, der ein Dach über dem Kopf für die eigenen Aktivitäten suchte. Angst vor der Herausforderung, das alte Gebäude umzugestalten, gab es nicht. Nach der Räumung des Hauses überprüften zuerst Statiker und Architekten das Haus auf weitere bauliche Mängel. „Wir wundern uns noch immer, dass das Haus nicht abgebrannt ist“, sagt Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Grießner. Neben dem Müll wurden zwölf Traktor-Anhänger mit trockenem Stroh weggeschafft. Als es daran ging, anzupacken, waren die örtlichen Handwerker sofort zur Stelle. Und nicht nur Vereinsmitglieder halfen ordentlich mit. Ein-Euro-Jobber der Impuls GmbH aus Hameln waren in dem Gebäude beschäftigt und haben den Löwenanteil der Arbeit verrichtet. In Abstimmung mit dem Jobcenter wurde so geholfen, historische Bausubstanz zu erhalten. Der Gewölbekeller wurde ausgebaut, aus dem ehemaligen Dachboden entstand ein Veranstaltungsraum, alle Räume wurden umgebaut und Sanitäranlagen geschaffen, die Küche eingerichtet und vieles mehr. Dabei kamen bisher schon rund 20 000 Arbeitsstunden zusammen. Die ganze Einrichtung des Gebäudes besteht aus Spenden und Haushaltsauflösungen. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Einrichtungsgegenstände zum Gesamtbild passen.

Beim Umbau des Hauses kam auch ein Teil der Geschichte des Hauses zum Vorschein. So wurden Balken aus verschiedenen Epochen in dem Gebäude verbaut, von denen der älteste aus dem Jahr 1689 stammt. Dies wird mit den zahlreichen Bränden in Wallensen erklärt. Die Gebäude wurden damals immer wieder aus den Resten aufgebaut, und deshalb findet man neben Eichenbalken auch Fichtenstämme in dem Haus.

Der Gewölbekeller des Hauses und die anliegenden Überreste der ehemaligen Stadtmauer zeugen noch von einem viel früheren Zeitpunkt der Entstehung. Durch die Berichte über die Pläne für das Haus wurde das Amt für Denkmalpflege auf die Stadtmauer aufmerksam, so dass diese mittlerweile denkmalgeschützt ist.

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Am Anfang der Pläne stand das Ziel, einen Treffpunkt zu schaffen – am Ende ist ein Leader-Projekt daraus geworden. Eine Begegnungsstätte mit Ausstellungsräumen sollte geschaffen werden – das Konzept wurde gemeinsam mit Dr. Olaf Grohmann gestaltet, der der Gemeinde bereits bei Leader-Projekten wie den historischen Ortsspaziergängen oder der Umgestaltung des Bergwerkmuseums mit Rat und Tat zur Seite stand.

Das Haus soll ein Anlaufpunkt sein, nach Möglichkeit täglich geöffnet. Menschen können dort zusammen kochen, klönen, Skat spielen oder in einem Buch der Ortsbücherei, die dort untergebracht wird, schmökern. Den wenigen noch vorhandenen Gaststätten vor Ort will man keine Konkurrenz machen.

Die Ausstellungsräume sollen zwei Dauerausstellungen und eine zeitlich befristete beherbergen. In den beiden Dauerausstellungen soll einmal die Stadtgeschichte von Wallensen, zum anderen die Geschichte des Braunkohleabbaus durch die Gewerkschaft Humboldt dargestellt werden. Eine erste Ausstellung soll die Renaturierung des Weenzer Bruchs dokumentieren.

Geplant war die Einweihung bereits Ende September; dieser Termin konnte aber nicht gehalten werden. Insgesamt waren Umbaukosten von 74 453 Euro geplant. Landkreis und Gemeinde übernehmen jeweils 14 236,50 Euro. Der Eigenanteil des Vereins beträgt 23 645 Euro, der Zuschuss aus dem Leader-Programm liegt bei 22 335 Euro. Der Eigenanteil wird mit einem Darlehen finanziert, das sich durch Kulturveranstaltungen und Mitgliedsbeiträge finanzieren soll. Eingeweiht wird das Haus am Freitag, 14. Januar, mit geladenen Gästen. Einen Tag später ist der Tag der offenen Tür.

Frisch und freundlich präsentiert sich das „Haus an der Stadtmauer“ Bürgern und Touristen. Bis das möglich wurde, war viel Arbeit nötig – die beiden unteren Bilder verdeutlichen dies: Links ein altes Kellerverlies vor der Renovierung, rechts danach.

Fotos: gök

Auch von außen ist das Gebäude hübsch anzusehen. Künftig werden hier auch Ausstellungen beheimatet sein.



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