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Rekultivierung nach Abbau-Ende: Einwohner und Politiker stehen Vorhaben skeptisch gegenüber

Deponie-Pläne am Ith bereiten Unbehagen

Bisperode (ist). Die Pläne, langfristig im Steinbruch Bisperode eine Deponie einzurichten, rufen vor Ort Skepsis hervor. Wie berichtet, erwägt die Hermann Wegener GmbH & Co. KG, eine Tochter der Hannoverschen Basalt, nach Ende des Abbaus am Ith den Steinbruch zu verfüllen. Um über das Vorhaben zu informieren, waren Vertreter der Bauausschüsse Coppenbrügge und Salzhemmendorf sowie die Öffentlichkeit zu einer Informationsveranstaltung mit Vertretern des Betreibers und der iwb Ingenieurgesellschaft als Planer eingeladen worden. Misstrauen hegte sich dabei nicht gegen die Vortragenden; es rührte offenkundig aus allgemeinen Erfahrungen mit Deponien allerorten und der Unkontrollierbarkeit dessen, was dort hineingekippt werden könnte.

veröffentlicht am 01.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:41 Uhr

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„Absolut unverständlich“ fand Einwohner Volkhard Schönmeyer-Sander das geringe Interesse der Bürger „angesichts der Brisanz des Themas“. Auch nur wenige Politiker aus Salzhemmendorf waren vor Ort.

Der Betrieb im Steinbruch wird in zwei bis drei Jahren eingestellt. Über 75 Jahre ist Kalk (Oolith) am Südhang des Ith abgebaut worden, 50 Jahre davon von der Hannoverschen Basalt: 500 000 Tonnen pro Jahr, „rein rechnerisch könnte man mit dem bislang dort gewonnenen Baumaterial etwa 2500 Kilometer Straßen bauen“, kalkuliert Wegener-Geschäftsführer Stefan Entrup. Kein Autofahrer, der jemals in der Region bis über Hannover hinaus unterwegs war und ist, der nicht über Ithoolith gerollt ist. Nun seien die Genehmigungsgrenzen erreicht, angrenzende Naturschutzgebiete und Besitz der Landesforsten verhinderten eine weitere Ausdehnung. Nun gehe es darum, der Verpflichtung zur Rekultivierung bei Abbau-Ende gerecht zu werden. Dazu sollen Flächen aufgeforstet und ein großer Teil durch die Anlage einer Deponie der niedrigsten Belastungsstufe mit 2,8 Millionen Tonnen Bauschutt, Boden und mineralischen Abfällen über einen Zeitraum von 25 bis 30 Jahren verfüllt werden. Für die Straßen durch Lauenstein und Bisperode bedeutet das Schwerverkehr für die Anlieferung von 200 000 bis 250 000 Tonnen Abfall pro Jahr aus einem Umkreis bis 150 Kilometer über mindestens ein weiteres Vierteljahrhundert. Vorwiegend über Lauenstein, so die Antwort auf die Frage von Karsten Appold (Grüne) aus Salzhemmendorf, die gleichwohl auch die Coppenbrügger hinsichtlich der Belastung durch den Schwerverkehr beunruhigt. „Rekultivierung darf nicht halbherzig sein“, stellt Professor Jörg Bartels, Geschäftsführer der iwb, weiterhin fest. Der gewaltige mineralische Abfallkörper nach der Kategorie DK 1 müsse durch ein vielschichtiges Abdichtungssystem mehrerer Komponenten, unter anderen Kunststoffdichtungsbahnen, abgesichert und entwässert werden. Was für zusätzliches Misstrauen sorgt: Warum, wenn das Material doch so ungefährlich sei, so die Fragen von Karl-Heinz Brandt (SPD), Andreas Voß (CDU, „Grundwasserschutz muss garantiert sein“). Ludwig Krückeberg (Grüne): „Wo bleibt die Sicherheit, dass keine Feinstäube eingebracht werden?“ Strenge gesetzliche Auflagen hätten bereits in anderen Fällen – das Wort Asse fällt – einem gutgläubigen Anfang ein böses Ende beschert. Gute und bombensichere Vorsätze bei Deponieplanungen seien erfahrungsgemäß nicht immer gut ausgegangen.

„Die Auffüllung im Rahmen einer Deponie mit anschließender Bepflanzung könnte eine Chance sein, den Ith als Tourismushighlight ansehnlicher zu machen“, sagt Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka.

„Aber bitte nicht ohne vernünftige Aufklärung der Öffentlichkeit über vertragliche Verpflichtungen und langfristige Überwachung vor ei-

nem Planfeststellungsverfahren. Wir wollen kein Stuttgart 21“, mahnt Schönmeyer-Sander: „Warum nicht einfach und mit Rücksicht auf unsere Kinder auf Nummer sicher gehen und ungefährlichen Bauschutt, also das, was man vorher rausgeholt hat, wieder einfüllen und aufforsten, wo es eben geht?“ An den Anblick der Steilwand habe man sich schließlich gewöhnt.



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