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Ortsbesichtigung im Steinbruch verfestigt Sorge der Politiker

„Das wäre ein riesiges Loch in der Landschaft“

Salzhemmendorf (hen). Wird der Steinbruch „Borela“, den die Firma Rheinkalk in Salzhemmendorf betreibt, erweitert, wäre das ein „massiver Einschnitt in die Landschaft“. Diese Sorge, die die Mehrheit der örtlichen Politiker nach Bekanntwerden der Änderungspläne für das niedersächsische Landesraumordnungsprogramm (LROP) hegt, ist durch die Ortsbesichtigung am Samstag noch verfestigt worden. „Von Eggersen aus gesehen ist der Steinbruch bislang noch verdeckt. Kommt die Erweiterung, würde man schon von Weitem ein riesengroßes Loch sehen“, ist sich Manfred Roth (SPD) sicher. Und auch Karsten Appold (Grüne) meint, man könne nur gegen den Entwurf des LROP, der eine Erweiterung des Vorranggebietes um 21 Hektar auf dann 80 Hektar vorsieht, sein: „Es gibt viel zu viele ungeklärte Fragen.“

veröffentlicht am 21.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 22:21 Uhr

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So mochte Uwe Stichling, bei der Rheinkalk GmbH zuständig für Umweltschutz und Genehmigungen, auf die wiederholte Nachfrage, wie lange der Rohstoffvorrat denn noch reicht, wenn die Erweiterung nicht zugelassen wird, keine konkreten Angaben machen. „Wir wollen hier keine Splittbude aufmachen“, hob Stichling die Bedeutsamkeit des Rohstoffs hervor. Der Diplom-Ingenieur hatte zuvor erklärt, Kalkstein sei relativ häufig zu finden, in Salzhemmendorf gebe es aber den sehr viel selteneren Dolomit, ein Kalkstein mit hohem Magnesiumanteil, der eine bessere Verarbeitung für die Industrie ermögliche. „Der Hauptteil geht in die Stahlindustrie“, erklärte Michael Joswig, zuständiger Werksleiter, „aber es werden auch Mineralgemische und Baustoffe für die Glasindustrie oder den Straßenbau erzeugt“.

In der Begründung für die Erweiterung des Gebietes hatte es geheißen, die Rohstoffversorgung sei nur noch für wenige Jahre gesichert und der Standort Salzhemmendorf könne nur erhalten werden, wenn die Rohstoffbasis erhöht werde. „Aber Sie müssen hier den Laden nicht morgen dichtmachen“, warf Appold ein. Und tatsächlich: Selbst wenn das Land im Zuge des aktuellen Verfahrens keine Erweiterung der Vorrangflächen zulässt, ist das Thema längst nicht vom Tisch. Im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) sind bereits 13 Hektar Erweiterungsfläche aufgenommen (die in dem jetzt neu gewünschten 21 Hektar großen Gebiet liegen). Heißt: Die Politiker werden sich in naher Zukunft erneut mit dem Thema beschäftigen müssen, denn dann wird sicherlich im Rahmen des RROP ein konkretes Antragsverfahren gestartet. Auch drei weitere Hektar Fläche sind bereits avisiert – hier scheiterte der Abbau dem Vernehmen nach bislang lediglich an den Verhandlungen mit der Forstverwaltung. „Nimmt man diese drei Hektar noch hinzu, geht es hier um eine Erweiterung von 40 Prozent. Das ist kein kleinflächiger Einschnitt mehr in die Natur“, so Roth. Stichling gestand ein: „Das ist eine große Sache, das ist uns bewusst.“ Rheinkalk sei dabei, eine langfristige Perspektive aufzubauen.

Vor Ort waren einige Politiker doch überrascht, wie groß die Fläche, die jetzt für die Erweiterung des Vorranggebietes vorgesehen wird, tatsächlich ist. Am Ende des Limberger Weges, dort, wo hinter dem Steinbruch Wald anfängt, versammelten sich die Teilnehmer: Blickrichtung nach links, das gesamte Feld bis fast nach Levedagsen; Blickrichtung nach rechts, dort, wo jetzt noch Bäume stehen – all das würde zum Steinbruch werden. Wo genau abgebaut werden soll und wo die Halde eingerichtet wird, steht laut Stichling noch fest. Es habe bereits Bohrungen gegeben, das technische Modell müsse noch entwickelt werden. Friedrich-Wilhelm Knust (CDU) sieht auch die Wasserversorgung gefährdet und möchte dazu ein Gutachten von einem neutralen Gutachter einholen. „Bei 21 Hektar haben wir acht Hektar Halde und 13 Hektar Abbaufläche – das ist ein Loch“, so Knust. Lediglich Eckard Füllberg (CDU) gibt zu Bedenken, dass auch die Unternehmerinteressen bedacht werden müssen – „wenn alle Fragen geklärt sind“.

An dieser Stelle soll erweitert werden: Uwe Stichling (v.li.), Betriebsleiter Jürgen Schiller und Werksleiter Michael Joswig bei
  • An dieser Stelle soll erweitert werden: Uwe Stichling (v.li.), Betriebsleiter Jürgen Schiller und Werksleiter Michael Joswig beim Ortstermin; hier mit Manfred Roth und Karsten Appold. Foto: hen

Die Politik diskutiert am Mittwoch, 24. November, in einer öffentlichen Ortsratssitzung über das Thema (19 Uhr, Ratskeller).

Das Luftbild zeigt die Steinbrüche Voska (oben) und Borela, der um 21 Hektar erweitert werden soll (lilafarben umrandete Fläche).



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