weather-image
Quelle der Verunreinigung der Klärschlämme noch immer nicht geklärt

Das Problem mit dem Quecksilber

COPPENBRÜGGE. Woher kommt das Quecksilber im Klärschlamm der Kläranlage von Coppenbrügge. Auch aufwendige Untersuchungen der Abwässer eines unter Verdacht geratenen Industriebetriebs im Flecken brachten letztlich keine Aufklärung, wie der mit der Untersuchung beauftragte Ingenieur Veit Flöser mitteilte.

veröffentlicht am 20.06.2017 um 13:22 Uhr
aktualisiert am 20.06.2017 um 16:20 Uhr

Das Klärwerk in Coppenbrügge: Der Klärschlamm ist mit Quecksilber verunreinigt. Foto: Wal
wft 4

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Ingenieur aus Hannover stand am Montagabend dem Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Gemeinde Coppenbrügge Rede und Antwort. Zwar seien an manchen Produktionstagen erhöhte Quecksilberwerte festgestellt worden, berichtete Flöser, doch reichten die Mengen bei Weitem nicht aus, die Belastung des Klärschlamms zu erklären. „Was wir dort vorgefunden haben, entspricht höchstens zehn Prozent der Menge, die im Jahr 2015 dazu geführt hatte, dass der Klärschlamm nicht mehr landwirtschaftlich verwertet werden durfte, sondern getrocknet in einer dafür geeigneten Müllverbrennungsanlage mit hohen Kosten entsorgt werden musste. Auch die Tatsache, dass es in Coppenbrügge zwei Zahnärzte gebe, die gegebenenfalls quecksilberhaltige Amalgam-Füllungen aus den Zähnen ihrer Patienten entfernen, erkläre nicht die Menge des Schadstoffs im Klärschlamm, betonte Flöser, zumal in der einen Praxis mittlerweile ein Amalgam-Abscheider installiert worden sei.

Allerdings präsentierte Flöser dem Gremium weitere schlechte Nachrichten. Nach seinem Kenntnisstand plant die Bundesregierung in einer für den August zu erwartenden Klärschlammverordnung das Ausbringen des Materials in der Landwirtschaft zeitlich weiter einzuschränken und die Kläranlagen zu einem Ausbau ihrer Lagerkapazitäten um 50 Prozent zu verpflichten. „Da wird Platz gefordert, den wir nicht haben“, betonte Bauamtsleiter Jürgen Krückeberg. Die Überlegungen der Bundesregierung gehen aber nach Flösers Darlegungen noch weiter: „Auf Dauer will die Bundesregierung die landwirtschaftliche Verwertung ganz verbieten“, berichtete der Ingenieur.

Angesichts dieser Aussichten legte Krückeberg während der Sitzung drei Varianten vor: Weiterbetrieb der Kläranlage Coppenbrügge unter Einsatz einer mobilen Entwässerungsanlage, weil Klärschlamm von den Müllverbrennungsanlagen nur in getrocknetem Zustand angenommen wird. Variante 2: Die Ableitung der Coppenbrügger Abwässer nach Hameln über die Pumpstation in Behrensen; Variante 3: Ableitung nach Bad Münder über die Pumpstation in Bäntorf. Für die beiden letzteren Varianten würde allerdings die Zustimmung der jeweiligen Kommunen benötigt. Zudem müssten neue Abwasserkanäle zu den Pumpstationen gelegt werden.

„Dem stimmen doch weder die Hamelner noch die Münderaner zu, wenn wir ihnen mitteilen, dass unsere Abwässer Quecksilber enthalten und damit ihre Kosten für eine Entsorgung steigen würden“, merkte das Ratsmitlied Manfred Sohns an und forderte eine Intensivierung der Suche nach der Herkunft des giftigen Schadstoffs. „Wir müssen der Sache unbedingt auf die Spur kommen, weil wir unser Abwasser nicht mehr loswerden. Es muss sich ja um einen Verursacher aus dem Anschlussbereich in Coppenbrügge handeln.“

Unterdessen hat der Flecken nach Angaben von Krückeberg Angebote von drei Ingenieurbüros eingeholt, die Machbarkeitsstudien zu den drei Varianten erstellen sollen. Der Preis dafür: zwischen 20 000 und 24 000 Euro. Gemeinsam mit dem Landkreis würden die Angebote derzeit bewertet, berichtete Krückeberg. Im Juli solle dann der Verwaltungsausschuss über die Vergabe entscheiden. Spätestens zur Jahreswende, so hofft der Bauamtsleiter, müsse dann das Ergebnis vorliegen und die Beratung darüber im Rat aufgenommen werden.

Wie komplex diese Machbarkeitsstudie ausfallen wird, zeigen die gestellten Aufgaben: So muss der Bedarf an zusätzlichen Pumpen und Leitungen geklärt werden, der Trassenverlauf und die Fließschemata bestimmt, die Kosten für die erforderlichen Investitionen errechnet, die Jahreskosten kalkuliert und auch ein Wirtschaftlichkeitsvergleich angestellt werden. Zusätzlich geht es auch um die langfristige Entsorgung der Klärschlämme. Die gemeinsame Erkenntnis im Ausschuss für Finanzen und Wirtschaft: Die Entsorgung wird künftig deutlich teurer werden, was sich dann, ohne dass dies ausgesprochen wurde, auch in den Gebühren für die Abwasserentsorgung bei jedem einzelnen Haushalt in Euro und Cent niederschlagen würde.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare