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Nach anfänglicher Ablehnung durch Rektoren wird jetzt das Ganztagsangebot angeschoben

Das Luxusschulmodell soll nicht verloren gehen

Coppenbrügge (ist). Leere Stühle in der Schule nach dem Unterricht aufgrund knapper Familienkassen soll es vom nächsten Sommer an in der Coppenbrügger und Bisperoder Grundschule nicht mehr geben.

veröffentlicht am 26.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:41 Uhr

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Wer verhindern will, dass junge Familien mit Kindern den städtischen Infrastrukturspeckgürtel der ländlichen Natur- und Nachbarschaftsnähe bei der Wohnortwahl vorziehen, der demografische Wandel damit zum schleichenden Siechtum der Dörfer führt, der muss etwas anbieten. Die Offene Ganztagsschule ist die Chance der Gemeinde, gegen den demografischen Wandel zu punkten und sich zu profilieren. Das wissen Politik und Verwaltung im Flecken. „Es herrscht Einvernehmlichkeit bei allen kommunalpolitischen Parteien inklusive Bürgermeister“, sagt Karl-Heinz Brandt (SPD) über die Verantwortung der Politik, auf veränderte Lebenssituationen der Gesellschaft reagieren zu müssen. Selbstverständlich müsse für die Familie etwas getan werden, sodass sich Mütter nach dem Erziehungsurlaub wieder in den Beruf eingliedern können. Das sei nur möglich, wenn sie die Kinder in sicherer Betreuung in der Schule wissen, sagen Petra Bokelmann (CDU) wie auch Manfred Sohns (FDP) als Schulausschussmitglieder. Die Finanzierung sei Pflicht des Staates in zukunftsorientiertem Interesse.

„Ein warmes Mittagessen, selbst ein Pausenbrot in der Schultasche ist heute bei vielen Schülern schon Seltenheit“, fügt Bokelmann als Mutter hinzu und begrüßt die Unterstützung gesunder und geregelter Ernährungsgewohnheiten in der gemeinsamen Mittagspause.

Einen ausdrücklichen Schwerpunkt der Offenen Ganztagsschule sieht Rudolf Stenzel (SPD) in den bildungspolitischen Zielsetzungen und Möglichkeiten. „Der Staat hat einen Bildungs-, nicht Betreuungsauftrag für die Kinder. Da darf keiner zurückgelassen werden“, sagt er. Pädagogische Kompetenz in der Offenen Ganztagsschule am Nachmittag soll nicht nur leistungsstarke Schüler fordern, sondern insbesondere Schwächere mit möglicherweise ungünstigerem sozialen Familienhintergrund und dementsprechend geringerer häuslicher Unterstützung fördern; gerade diejenigen sollen im Zuge von Anleitung zu sinnvoller Freizeitgestaltung, Hausaufgabenbetreuung und individueller, pädagogischer Förderung auf bildungsmäßige Augenhöhe gebracht werden, statt auf der Strecke zu bleiben und später am Arbeitsmarkt zu scheitern. Erfolgreiche Unterstützung beginne je früher desto besser; was die Erfahrung in der Grundschule Salzhemmendorf – seit einem Jahr Offene Ganztagsschule – vollauf bestätige, so Rektor Udo Zelck. Er war Gast ebenso wie Karl-Heinz Dirkmann von der „Serviceagentur ganztägig Lernen“ bei einer nichtöffentlichen Informationsveranstaltung für den Schulausschuss. Bislang schwächere Schüler, so Zelck, zeigten bei nachmittäglicher Förderung eine deutliche Motivationssteigerung sowie Leistungsfähigkeit und -bereitschaft im Unterricht aufgrund verbesserten Lernverständnisses.

Nach einer Vielzahl nicht immer harmonischer Diskussionen bei Sitzungen und Veranstaltungen begrüßten Politik und Verwaltung jetzt die klare Absichtserklärung der Schulleiter zur fristgerechten Antragstellung. Zunächst hatte es in der Coppenbrügger Grundschule Bedenken gegeben, die nachschulische Betreuung – von allen Seiten als qualitativ hochwertiges Pädagogikluxusmodell geschätzt – gegen eine vom Land mit Finanzlimit geförderte Sparvariante einzutauschen.

Die Alternative, so die politischen Vertreter mit dreifach pädagogischer Schulleitungskompetenz aus Förder-, kooperativer Gesamtschule und Gymnasium im Rat sowie Ulrich Meyer als Elternvertreter im Schulvorstand Coppenbrügge, dürfe nicht heißen: „Mercedes-Luxusmodell“ für die, die es sich leisten können, oder „Goggomobil“ für alle. Es gehe nicht um „Betreuung“ von Kindern einer finanzkräftigen Elite, noch dazu unter Bezuschussung seitens Kommune und Landkreis. Es gehe um Förderung jedes einzelnen Schülers und gerade derjenigen, deren Elternhaus sich die Nachmittagsbetreuung nach dem bisherigen Modell finanziell nicht leisten kann.

Die Offene Ganztagsschule wird zum Schuljahresbeginn 2011 auf Antragstellung der Coppenbrügger Grundschulen kommen; die Weiterführung der laufenden Nachmittagsbetreuung bis dahin ist sicher. So die Information von Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka nach der internen Sitzung mit Benedikta Simeth (Rektorin Coppenbrügge) und Manfred Westram (Rektor Bisperode).

Einstimmig hatte der Rat schon in seiner letzten Sitzung beschlossen, spätestens bis November und damit fristgerecht zum Schuljahrsbeginn 2011 den Antrag auf Einführung der Offenen Ganztagsschule in den beiden Grundschulen des Fleckens bei der Landesschulbehörde zu stellen, falls die Schulen ihrerseits dies nicht selbst tun. Damit soll dem in einer Umfrage festgestellten Elternwillen auf Betreuung der Kinder auch ohne Kosten für die private Haushaltskasse entsprochen werden. Denn Offene Ganztagsschule im Gegensatz zur Nachmittagsbetreuung heißt Hausaufgabenhilfe, pädagogische Förderung und Freizeitgestaltung nach der Schule in der Schule auf freiwilliger Basis zum Nulltarif für Eltern, weil mit Landesmitteln gefördert. Kosten in Höhe von drei Euro entstehen lediglich für das gemeinsame Mittagessen, finanzielle Unterstützung gibt es bei nachgewiesener Bedürftigkeit.

Die möglichst 1:1-Übertragung des „Luxusmodells“ Nachmittagsbetreuung auf die Offene Ganztagsschule wird Herausforderung bei Antragstellung und Konzeption sein. Wie die Gemeindekasse finanzielle Lücken schließen muss, kann und wird, wenn in den beiden Offenen Ganztagsschulen am Ith ab Sommer 2011 jeweils vierzig statt vierzehn Schüler ihren Nachmittag verbringen, wird von der Kommunalpolitik beraten werden müssen. Schon jetzt hat sich Rektorin Simeth in Erwartung zu knapper öffentlicher Zuweisungen brieflich an die Vereine im Raum Coppenbrügge gewendet und bittet um ehrenamtliche Mithilfe rund um den Mittagstisch, bei der Hausaufgabenbetreuung sowie der Vorstellung kostenloser Angebote von interessanten Freizeitbeschäftigungen.

Mate (vorne) und Christopher (beide 10) pauken Mathe: Prinzip der Ganztagsbetreuung soll nicht Betreuung, sondern ein sinnvolles pädagogisches Bildungsangebot sein – so wie bisher in der nachschulischen Betreuung.

Foto: ist



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