weather-image
Wo früher Schweine zerlegt wurden, lockt heute ein Kulturzentrum

Das künstlerische Ende der Wurst

Coppenbrügge. Vom Fleischwolf zur Kultur: Ehemalige Schlachtereien sind nicht erst seit „Ottis Schlachthof“ Bühne für Kunst und Kabarett. Die einstige Coppenbrügger Wurstfabrik macht da keine Ausnahme. Während ehemalige Mitarbeiter beim Gedanken an den Mühlenkamp 4-6 wohl zuallererst den Duft der kesselfrischen Würstchen in der Nase haben, geben sich hier heute Chöre, Theater-Ensembles und Autoren auf Lesereise die Klinke in die Hand, finden sich in den ehemaligen Fabrikhallen Tanz, Wellness, bildende und darstellende Kunst sowie historische Kampfkunst wieder. Kulturfreunde schwören auf das vielseitige Ambiente mit großzügigem Saal, diversen Separées und Ateliers in ehemaligen Büroräumen und langen Fluren.

veröffentlicht am 02.04.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 16:21 Uhr

270_008_6307231_lkcs_0304_wurst.jpg

Autor:

Ingrid Stenzel
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Toplocation für eine Kunstausstellung“, lobt Peter Neff von der Künstlergruppe Artes Wesera. Er ist einer der 22 Künstler aus der Region, die mit ihrer zweiten großen Kunstausstellung „Der zweite Blick“ die ehemaligen Büroräume sowie die Fleischwolfhalle der Wurstfabrik in einen Kunsttempel mit Acrylwerken, Mosaiken, Metalltechnik, Airbrushfarbe und Lichtobjekten verwandelten und über 500 Besucher anlockten.

„1961/62“, entnimmt Bauingenieur und Hausmeister Klaus Brunotte seinen Unterlagen, „wurde im vorderen Bereich die Wurstfabrik gebaut, 1972 durch den hinteren Bereich erweitert, 1992 dann die Produktion eingestellt.“ 30 Jahre lang war es hier ausschließlich um die Wurst gegangen, nach dem Konkurs der Fabrik wurden von 1995 bis 1999 Kneipeneinrichtungen aus Sperrmüll und Spanplatten unter anderem für „Pupasch“, „Pflaumenbaum“ und „Zungenkuss“ zusammengeklebt, -geschraubt und -gezimmert und bundesweit ausgeliefert. Nach Ende der Kneipenschrauberei kaufte Brunottes Ehefrau Angela Tilgner-Brunotte den Komplex mit rund 2500 Quadratmetern überdachter Fläche im Jahr 2005. „Idee und Hauptkonzept zur Finanzierung war schlicht und einfach die Aufteilung der Fabrikanlage in kleine Parzellen von 50 bis 200 Quadratmeter. Ein Konzept, das aufging“, stellt das Ehepaar heute fest, „obwohl das alles hier damals eine einzige, desolate Bruchbude war.“

Peu à peu wurde in den folgenden sieben Jahren ein Raum nach dem anderen restauriert, saniert, mit Heizungs- und Stromanschluss ausgestattet und an aktuell zwölf Mieter vergeben: Heilpraktikerinnen, eine Hebamme, eine Bauchtanz- und Seniorengymnastik-Gruppe des Sportvereins, ein Seminar historischer europäischer Kampfkunst und den Dörper Chor. Außerdem sind Requisiten der Ballettschule Hameln neben Lagerräumen lokaler Handwerksbetriebe untergebracht.

270_008_6307070_lkcs101_0304_1_.jpg
  • In den 1980er Jahren wurden im Mühlenkamp noch Schweine zerlegt.

Dass sich die Zusammensetzung der Mieter in einer im weitesten Sinne künstlerisch kreativen Nische bewegte, war unbeabsichtigt. „Ein Kulturzentrum war nie geplant“, sagt Hausmeister Brunotte, „irgendwie ging es aber von Beginn an mehr in Richtung Bauchtanz und Kultur als Steuerberaternachbarschaft.“

Der große zentrale Saal kann am Wochenende für private Feierlichkeiten und kulturelle Events gemietet werden. „Unser Dorf liest“ war dort zu Gast, „Unser Dorf spielt“ mit einer Theatervorstellung ebenfalls. „Bislang also kulturelle Qualität nach Hausmacherart aus dem Flecken“, sagt Brunotte. Die ArtWes-Ausstellung im „Mühlenkamp 4-6“, dem „Seiteneingang“ – oder wie auch immer die bislang namenlose, alte Wurstfabrik einmal benannt sein wird – war eine Premiere über den Tellerrand hinaus. „Die Nachfolger haben wird“, versichern Martina Zimmermann und Peter Neff.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt