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Diakonisches Werk Hildesheimer Land startet Projekt Babybedenkzeit / RTL-Serie „Erwachsen auf Probe“ wird kritisiert

Damit Jugendliche den richtigen Zeitpunkt finden

Hildesheim/Salzhemmendorf (pik). Mit Baby-Simulatoren will das Diakonische Werk Hildesheimer Land-Alfeld Teenagern vermitteln, was es heißt, ein eigenes Kind großzuziehen. Schon bald sollen zehn der elektronischen Puppen angeschafft werden. Dafür werden jetzt noch Spender gesucht. Äußerst kritisch sehen die Experten vom Diakonischen Werk hingegen die jetzt auf RTL gestartete Serie „Erwachsen auf Probe“, bei der Jugendliche mit echten Babys die Elternschaft üben sollen. Hier müssen Teenager echte Babys versorgen, die dafür von ihren echten Eltern getrennt werden. Durch die Trennung der Säuglinge von den Eltern werde die Bindungsfähigkeit der Säuglinge gefährdet, sagt Bettina Mai, Sozialarbeiterin des Diakonischen Werks: „Da werden alle missbraucht: die Jugendlichen und die Kinder.“

veröffentlicht am 18.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 23:41 Uhr

Sozialarbeiterin Bettina Mai (von links), Matthias Böning, Gesch
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Mit Chip an die Mutter gebunden

Mit dem Projekt „Babybedenkzeit“ sollen Jugendliche hautnah erleben können, welche Arbeitsbelastung mit einem eigenen Kind einhergeht. Die High-Tech im Bauch der Säuglingspuppen sorgt dafür, dass die Babys schreien, wenn sie Hunger haben, aufstoßen oder gewiegt werden möchten oder die Windel gewechselt werden muss. Beim Stillen oder Fläschchenfüttern gibt die Puppe Schluckgeräusche von sich und gluckst zufrieden, wenn sie gut versorgt wurde. Per elektronischem Chip sind die Puppen mit ihrer „Mutter“ verbunden. Die Elektronik merkt, wenn das Baby von einer anderen Person gefüttert oder gewickelt wird. Später kann ausgewertet werden, wie gut die Puppen behandelt wurden. Das Angebot richtet sich an Schulen in den Landkreises Hildesheim und Hameln-Pyrmont.

Das Projekt ergänzt die bisherige Präventionsarbeit des Diakonischen Werks an Schulen, die sich mit Themen wie Sexualität, Verhütung oder Schwangerschaft auseinandersetzt. Bei der „Babybedenkzeit“ kümmern sich die Jugendlichen vier Tage lang um die Simulatorpuppe. Wie ein echtes Baby, lässt sie sich nicht abschalten, sondern muss 24 Stunden lang betreut werden. Bei diesem Projekt geht es nicht etwa darum, Jugendliche von einem Kinderwunsch abzubringen, wie Christian Castel, Superintendent des Kirchenkreises Hildesheimer Land, erklärt: „Die Jugendlichen sollen herausfinden, wann für sie der richtige Zeitpunkt ist, ein Kind zu bekommen.“ Das Projekt Babybedenkzeit hat noch ein weiteres Ziel. Die Teenager lernen mit dem Baby-Simulator auch den richtigen Umgang mit Säuglingen. So zeichnet die Elektronik etwa auch auf, wenn das Baby geschüttelt oder der Hinterkopf beim Tragen nicht gestützt wurde. Hintergrund ist das Thema Kindesmisshandlung: „Wir wollen damit den Kreislauf von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung von kleinen Kindern durchbrechen“, sagt Christina Hense-Schenk, Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk Hildesheimer Land.

Es fehlen noch Puppen für das Projekt

Wegen der komplizierten Technik sind die Baby-Simulatoren sehr teuer. Die Anschaffung einer ersten Puppe im Wert von rund 1000 Euro wurde vor kurzem durch eine Spende des Inner Wheel Clubs Hildesheim ermöglicht. Für Projekte mit Mädchen in Schulklassen oder anderen Gruppen sind jedoch insgesamt zehn Puppen notwendig, wie Matthias Böning, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Hildesheimer Land, erklärt: „Wir würden uns freuen, wenn Firmen oder Privatpersonen für die Aktion spenden würden, damit wir schon bald Babybedenkzeit-Projekte anbieten können.“



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