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Nach Attacke auf Husky – Hundehalterin in Dörpe hat Angst vor Kampfhunden

„Da gehe ich nicht mehr lang“

Dörpe. Der Fall schlägt Wellen. Inzwischen interessieren sich auch Fernsehsender für den von Pittbulls zerrissenen Husky-Mischling, während im Dorf die Verunsicherung eher zunimmt als schrumpft. Was passiert, wenn dem Halter mehrerer American Pittbulls tatsächlich genehmigt werden sollte, eine eigene Zucht aufzubauen?

veröffentlicht am 26.10.2015 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:00 Uhr

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Matthias Aschmann

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Matthias Aschmann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Der Antrag liegt dem Veterinäramt des Landkreises Hameln-Pyrmont zur Entscheidung vor – noch ist allerdings keine Entscheidung gefallen.

Für Regina Deiters wäre es ein Unding, wenn diesem Antrag stattgegeben werden sollte. Sie plädiert eher dafür, dass dem Halter die Hunde entzogen werden. Regina Deiters ist das Opfer. Ihre elfjährige Husky-Labrador-Mischlingshündin Luna war von drei Pittbulls angefallen und übel zugerichtet worden. Die Kampfhunde hatten gezielt Hals und Bauch attackiert, Hautfetzen herausgerissen – das größte Stück maß 20 mal 30 Zentimeter. Unter anderem war der gesamte Halsbereich freigelegt.

Tierarzt: Keine negativen Erfahrungen mit Pittbulls

Die Verletzungen hätten zwar nicht zum Tod geführt, erklärt Tierarzt Dr. Jan Bitter. Allerdings hätte sich der Heilungsprozess sehr lange hingezogen, mehrere Hauttransplantationen wären erforderlich gewesen, während der Hund kein wirklich lebenswertes Leben mehr gehabt hätte. Bitter hatte die schwer verletzte Luna in der Tierklinik Osterwald auf dem OP-Tisch und sich nach Absprache mit der Halterin dazu entschieden, dem Leiden ein schmerzloses Ende zu machen. Luna wurde eingeschläfert.

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  • Was bleibt, sind Fotos zur Erinnerung: Die elfjährige Husky-Labrador-Mischlingshündin Luna war von Pittbulls angefallen und übel zugerichtet worden. Sie musste eingeschläfert werden.

Ein derart gravierender Fall ist Bitter nach eigenen Angaben noch nicht vorgekommen – zumindest nicht in dieser Heftigkeit. Bissverletzungen bei Hunden gebe es immer mal wieder, in den meisten Fällen seien jedoch keineswegs Kampfhunde beteiligt gewesen. Kurz prüft er am Computer die Unterlagen, zählt 41 Pittbulls auf, die in der Klinik behandelt worden und allesamt lammfromm gewesen seien. Sie würden aus guter Haltung stammen, negative Erfahrungen habe er nicht.

Zu den Pittbulls aus Dörpe könne er nichts sagen. Er kenne weder den Halter, noch dessen Kampfhunde. Natürlich könne jedes Tier aggressiv erzogen werden, räumt Bitter ein. Möglicherweise habe aber auch die Rudelbildung bei der Attacke eine Rolle gespielt. Wie berichtet, hatten drei Pittbulls am Dörper Ortsausgang Richtung Eldagsen einen klapprigen Grundstückszaun durchbrochen und den Husky angefallen. Eine Bordeaux Dogge des Halters hatte nach Angaben von Regina Deiters nur zugesehen und schließlich das Weite gesucht. Der marode Zaun ist inzwischen durch eine stabilere Konstruktion ersetzt worden, eine Hündin, die maßgeblich an dem Angriff beteiligt war, wurde zwischenzeitlich offenbar für 3500 Euro über ein Internetportal verkauft. Das hatten Recherchen der Dewezet ergeben.

„Nein, da gehe ich nicht mehr lang“, betont Regina Deiters, die immer noch unter dem für sie traumatischen Erlebnis leidet. Sie selbst hatte sich schützend auf ihren Hund geworfen, Prellungen, Hautabschürfungen und leichte Bissverletzungen erlitten, zudem sich den Rücken verdreht. Der Fall liegt bei ihrem Anwalt, der Schmerzensgeld vom Kampfhunde-Halter fordert. Bislang habe der Mann noch nicht gezahlt. Sollte er weiterhin nicht zahlen, werde man den nächsten Schritt gehen und Strafanzeige erstatten. Um den Verlust und die Trauer zu verarbeiten, hatten Mediziner der 49-Jährigen geraten, sich wieder einen Hund anzuschaffen – gewissermaßen als Therapie. Regina Deiters ließ dem Rat Taten folgen. Abby, eine sieben Monate alte Australian-Shepherd-Hündin, ist nun das jüngste Mitglied der Familie.

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