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Letzte Telefone werden abgebaut

Bye, bye, alte Zelle

SALZHEMMENDORF. Die Telekom will die letzten beiden Telefonzellen in der Gemeinde Salzhemmendorf abbauen. Diese stehen in Salzhemmendorf an der Hauptstraße und in Oldendorf am Bahnhof. „Wir werden uns im Zuge der Digitalisierung nicht dagegen wehren können“, sagt Salzhemmendorfs Ortsbürgermeister Karsten Appold.

veröffentlicht am 05.04.2017 um 12:17 Uhr
aktualisiert am 11.04.2017 um 13:18 Uhr

Weil sie zu wenig genutzt werde, will die Telekom die Telefonzelle an der Hauptstraße in Salzhemmendorf abbauen. Auch die Telefonzelle in Oldendorf am Bahnhof erwartet das gleiche Schicksal.
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Ihre letzten Tage sind gekommen – die der öffentlichen Telefonzellen in der Gemeinde Salzhemmendorf. Derzeit gibt es hier noch zwei Stück – aber kaum noch jemand weiß überhaupt, wo sie stehen. Zumindest schlägt einem Suchenden in Zeiten der Handy-Überversorgung auf die Frage, wo denn hier die Telefonzelle sei, einiges an Unverständnis entgegen und die Gegenfrage: „Haben Sie denn kein Handy?“. Auf die gute Handy- beziehungsweise Sim-Karten-Versorgung weißt auch die Telekom hin: „In Deutschland kommen statistisch zirka 1,4 Sim-Karten auf jeden Einwohner“ und bemüht damit Zahlen der Bundesnetzagentur aus dem Jahr 2013. Öffentliche Telefone seien dagegen noch etwa 30 000 in Betrieb – bundesweit. In den nächsten Monaten sollen es nun zwei weniger werden. Eine Zelle steht übrigens in Salzhemmendorf (Kernort) in der Nähe des Marktes neben einer Bushaltestelle an der Hauptstraße. Die andere steht in Oldendorf am Bahnhof.

Bereits vor zwei Jahren war die Telekom an die Gemeinde Salzhemmendorf herangetreten und wollte die Telefonzellen abbauen. „Letzes Mal hatten wir es noch abgelehnt, aber wir werden uns im Zuge der Digitalisierung nicht dagegen wehren können“, sagte Salzhemmendorfs Ortsbürgermeister Karsten Appold (Grüne) in der jüngsten Ortsratssitzung. Und auch für Oldendorf erwartet Ortsbürgermeister Thomas Hampe (Aktive Bürger) keinen Aufschrei aus der Bevölkerung, da die Zelle nur wenig genutzt werde.

Die Telekom erklärt, das Unternehmen dürfe „Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro im Monat stehen“. Dies sei mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände so vereinbart. Aus Sicht der Telekom ist der Umsatz „ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht“. Grundsätzlich werde der Bestand an Telefonzellen fortlaufend dem Bedarf bei den Bürgern angepasst.

In aller Regel würden die Kommunen dem Ansinnen nach einem Abbau zustimmen. Sollte es allerdings – in Ausnahmefällen, wie die Telekom sagt – zu keinem Konsens bezüglich eines bestimmten Standorts kommen, werde das vorhandene öffentliche Telefon gegen ein deutlich günstigeres „Basistelefon“ ausgetauscht. Also ein Telefon an einem Metallpfosten an dem – der Anruf des Notrufs ausgenommen – nur noch mit Telefonkarte telefoniert werden kann. Auf die Münzen würde aus Schutz vor Diebstahl und Vandalismus verzichtet werden. Von der Telekom heißt es, dass allein durch Vandalismus Schäden von einer Million Euro pro Jahr verursacht würden. Zudem gebe es noch die Kosten für den Unterhalt einer Telefonzelle – für Strom, Standortmiete und Wartung.

„Nur mal angenommen, die Kommunen wären selbst für den Unterhalt/Betrieb von öffentlichen Telefonen zuständig, dann hätten sie die allermeisten schon längst flächendeckend abgeschafft, weil die meisten noch erhaltenen Standorte heutzutage in aller Regel schlichtweg nicht beziehungsweise kaum noch rentabel zu betreiben sind“, bemerkt die Telekom und zieht das Fazit, dass allein der Kunde durch sein Nutzungsverhalten darüber entscheide, „wo und in welcher Anzahl öffentliche Telefone zur Verfügung stehen. Überall dort, wo es auch wirtschaftlich Sinn macht, bleiben öffentliche Telefone der Telekom auch in Betrieb“, so das Unternehmen.

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