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Marienauer blockieren für eine Stunde den Verkehr im Dorf, um für eine Umgehung zu werben

Bürger protestieren gegen 11 550 Autos täglich

Marienau (ist). Die Bürgerproteste von Stuttgart, Gorleben und Paris gehen täglich durch die Medien. Bürgerempörung, die sich in Demonstrationen und Protestmärschen Luft macht – legte gestern auch im beschaulich weserbergländischen Marienau für eine Stunde den Verkehr lahm und sorgte für deftige Flüche hinter dem Steuerrad, grimmige Entschlossenheit und verzweifeltes Wir-Gefühl auf der Straße. „Endlich passiert was!“, so die Reaktion der Marienauer auf den Aufruf zum Protestmarsch im Briefkasten vor einer Woche: „Wir möchten mit Nachdruck den geplanten Bau der B1 Ortsumgehung beschleunigen! Die Ortsdurchfahrt Marienau soll endlich vom Durchgangsverkehr entlastet werden!“, hatte es da geheißen. Und gemeinsam mit zahlreichen geladenen Gästen aus Gemeinde- und Kreispolitik, darunter die stellvertretenden Landräte Helmut Zeddies und Thorsten Kellner, waren rund 120 Personen, teils mit Kinderwagen und Rollatoren, der Aufforderung der Dorfgemeinschaft als Veranstalter gefolgt. „Irgendwann bei weit über hundert Anmeldungen haben wir einfach nur noch weitergestapelt, ohne zu zählen“, sagt deren Vorsitzender Fritz Bretzing im rund 700-Seelen-Dorf, dem es nicht um Baustopp, sondern Baubeginn geht.

veröffentlicht am 22.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:41 Uhr

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Hintergrund: „Seit annähernd 40 Jahren warten wir auf die versprochene Umgehungsstraße und werden immer wieder vertröstet!“ Damit sei nun endgültig Schluss, hatten die Marienauer schon im Sommer gesagt und spektakuläre Proteste angekündigt, zumal sich die Verkehrsdichte mit dem Anlieferungsverkehr für die Biogasanlagen, der Sperrung der Lauensteiner Ortsdurchfahrt und der Mauteinführung nicht gerade verringert habe: Die B 1 mitten durch den Ort sei als Verbindungsstück zwischen A 2 und A 7 vor allem beliebte Sparstrecke für gewerbliche Hochtonner, gleichzeitig aber berollte Donnergetösetrasse Tag und Nacht für die Anwohner geworden. „Da macht man nachts kein Auge zu“, weiß Silvia Groß aus langjähriger Erfahrung. „Unser Dorf sieht aus wie Sau mit Lebensqualität gleich Null“, wettert ihr Mann Stefan heute wie im Sommer. Nicht nur, weil sich die Bausubstanz der Anliegerhäuser ohne Ausnahme kontinuierlich dem Zustand der Bedenklichkeit nähere. Insbesondere die tagtägliche Sorge und Frage: „Wie ohne Überweg oder Ampel zwischen schon vor Jahren offiziell gezählten, heute weit mehr als 11 550 Fahrzeugen in 24 Stunden über die Straße kommen?“ – vor allem mit Blick auf die Kinder und Erinnerung an tödliche Unfälle – das allein mache schon krank.

Der Unterstützung durch Fleckenverwaltung und Lokalpolitik sind sich die Marie- nauer sicher. Noch im August hatte Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka in einem Schreiben an die zuständigen Bundes- und Landesministerien wiederholt auf die Dringlichkeit eines zeitnahen Baubeginns der Umgehungsstraße hingewiesen, der zuletzt im Jahr 2006 in Aussicht gestellt worden war. Die ministerielle Antwort war weder Offenbarung noch Versprechen, erst recht keine terminliche Festlegung: Nach voraussichtlichem Planfeststellungsbeschluss Anfang 2011 und vollständiger planungsrechtlicher Absicherung (öffentliche Auslegung und Klagefrist), so wurde mitgeteilt, sei erst dann mit Baubeginn zu rechnen, wenn die Prüfung des Bundeshaushaltes Mittelbereitstellung für Maßnahmen auf niedersächsischen Bundesfernstraßen zulasse. Mehr als dieses Prozedere bestätigen konnte auch Ursula Körtner, heimische CDU-Landtagsabgeordnete, gegenüber den nach dem Marsch im Dorfgemeinschaftshaus versammelten Marienauern nicht. Allerdings stünden die Chancen für einen Baubeginn vielleicht doch besser denn je.

Das Angebot der Abgeordneten: Gemeinsames, zügiges Engagement mit den Coppenbrüggern im Landesministerium im Januar 2010 – dann sei Platz 9 statt bislang 35 – auf der Maßnahmenliste des Landes erreichbar. Pluspunkt der Marienauer: Mit Klagen sei aufgrund guter Vorarbeit im Rathaus nicht zu rechnen. „Die Unsicherheit bleibt“, so Silvia Groß am Ende. Wirklich besser schlafen würde sie die kommenden Nächte wohl nicht.

Weit über 100 Bürger beteiligten sich an der Demonstration.


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