weather-image
22°

Bundesminister beauftragt Gerhard Löcker mit Untersuchung der künftigen Nahverkehrsversorgung der Fläche

„Bürger kennen ihre Probleme am besten“

Coppenbrügge. Im kommenden Jahr soll – nach monatelanger Vorarbeit – der Bürgerbus tatsächlich starten. Zunächst in Coppenbrügge. Gerhard Löcker, der bis zum Jahr 2000 als Geschäftsführer der KVG/VHP hier tätig war, wechselte im Expo-Jahr zur Üstra Hannover, dem kommunalen Verkehrsunternehmen der Landeshauptstadt. Heute arbeitet er als Berater im Nahverkehr und bildet als Hochschullehrer unter anderem an der TU Braunschweig angehende Ingenieure für den ÖPNV aus. In Löckers Hameln-Pyrmonter Zeit fiel beispielsweise die Entwicklung der Anruf- Sammeltaxen (AST), die inzwischen in rund 1600 Gemeinden nach dem Hamelner Vorbild übernommen wurden oder die Gründung der Hameln-Pyrmonter Mobilitätszentrale, wovon es nunmehr auch 120 Einrichtungen dieser Art im In- und Ausland gibt. Sein „Spezialgebiet“ ist immer noch die Nahverkehrsversorgung der Fläche, weil inzwischen fast überall Probleme infolge des sogenannten demografischen Wandels entstanden sind. Sein „jüngstes Kind“ ist die Entwicklung eines sogenannten Bürgerbusses für Coppenbrügge. Es gibt bereits einen sehr regen Vereinsvorstand, in dem Löcker als Geschäftsführer mitarbeitet (wir berichteten). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen auf diesem Gebiet hat er jetzt gemeinsam mit zwei weiteren Hochschullehrerkollegen vom Bundesverkehrsminister den Auftrag zur Untersuchung der künftigen Nahverkehrsversorgung der Fläche im Rahmen eines Forschungsvorhabens erhalten, weil es in vielen Bereichen gilt, einer weiteren „Entleerung“ entgegenzuwirken. Dies könne der ÖPNV zwar nicht alleine erreichen, doch der Erhalt einer Restmobilität mit dem Einsatz „alternativer Bedienungsformen“ kann dabei eine wichtige Rolle spielen, so auch im Landkreis Hameln-Pyrmont. Wir sprachen mit Gerhard Löcker nach seiner Einschätzung für den hiesigen Bereich.

veröffentlicht am 27.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 22:21 Uhr

270_008_6815791_lkcs101_2712_457842204_.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Herr Löcker, Sie sind in Ihrem früheren Wirkungsbereich tätig, wie schätzen Sie die hiesigen Entwicklungen ein?

Im Landkreis Hameln-Pyrmont wird sich zwischen 2009-2025 die Bevölkerung um fast 20 000 Bürger reduzieren, so dass es gerade für die Landkreisgemeinden schon heute gilt, dem entgegenzuwirken und dafür Alternativen zu entwickeln, weil der klassische Nahverkehr mit Bahnen und Bussen dazu unter wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr alleine in der Lage ist.

Welche Alternativen könnten das sein?

Man könnte beispielsweise das Spektrum der hiesigen Mobilitätszentrale unter anderem um weitere alternative Bedienungsformen erweitern, zum Beispiel um die Organisation von Mitnahmesystemen. Einer meiner Studenten hat gerade diese Möglichkeiten für den hiesigen Raum untersucht, und weil es hier schon eine leistungsfähige Mobilitätszentrale gibt, sehe ich das als durchaus realistisch an. Ein weiterer Student von mir schreibt zurzeit seine Masterarbeit zum Thema „Kombination von Krankenfahrten mit ÖPNV im Landkreis Hameln-Pyrmont“. Nach den Auskünften, die wir von den hiesigen Krankenhäusern, verschiedenen Arztpraxen und teilweise auch von den Krankenversicherungsträgern bekommen haben, besteht dazu erhebliches Synergiepotenzial, das es möglicherweise in Zukunft zu heben gilt. Auch könnten die Bahnhöfe im Landkreis stärker mit dem „ÖPNV der Straße“ vernetzt werden, wobei ein Gemeinschaftstarif – ähnlich wie im Großraum Hannover – sich anbieten würde.

Konkret haben Sie bereits im Auftrag der VHP eine Machbarkeitsstudie für den Einsatz eines sogenannten „Bürgerbusses“ für Coppenbrügge vorgelegt und arbeiten dort im Vorstand als Geschäftsführer mit. Wie schätzen Sie die Chance ein, dass sich genügend Coppenbrügger Bürger bereitfinden, hierfür ehrenamtlich tätig zu werden?

In Coppenbrügge haben mehrere Faktoren zu der bisherigen positiven Entwicklung beigetragen: Da stand zunächst einmal mit Herrn Peschka ein Bürgermeister an der Spitze der Bewegung, der sich sehr um seine Gemeinde kümmert und uns ist es gemeinsam gelungen, innerhalb kürzester Zeit einen hochengagierten Vorstand zu finden. Wir haben uns bereits zu einem „schlagkräftigen“ Team entwickelt, so dass wir schon 30 potenzielle Fahrer und Fahrerinnen gewinnen konnten, die nur darauf warten, dass es endlich losgeht. Diese Coppenbrügger Bürger kennen doch am besten die Probleme ihrer Gemeinde selbst und werden dazu beitragen, die bisherigen Strukturen gerade im Sinne der Älteren zu erhalten.

Gibt es auch in anderen Gemeinden schon ähnliche Überlegungen?

Nach meiner Kenntnis wird auch in Bad Pyrmont der Einsatz von Bürgerbussen für das nördliche Stadtgebiet schon konkret erwogen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der KVG/VHP und wie sehen die Mitarbeiter diese Entwicklungen?

Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis miteinander und viele Mitarbeiter kenne ich noch aus meiner Hamelner Zeit. Herkömmlicher Linienverkehr lässt sich in bestimmten Zeiten und Räumen nicht mehr wirtschaftlich gestalten, so dass man mit alternativen Bedienungsformen versucht, eine Restmobilität auch unter strengen wirtschaftlichen Randbedingungen zu erhalten. Gerade darin sehen wir unsere Aufgabe in dem Forschungsvorhaben, wie sich durch feinteilige Angebote die klassischen Angebote ergänzen und stützen lassen, um einer weiteren Kürzung entgegenzuwirken.

Welche Bedeutung wird das Ehrenamt für den ÖPNV in Zukunft haben?

Ich wage einmal die Prognose, dass sich die Bürgerbusse ähnlich wie die freiwilligen Feuerwehren entwickeln könnten, die ja nicht nur für Feuerlöschzwecke in den Dörfern bestehen, sondern sehr „segensreich“ für die dörflichen Gemeinschaften sind. Für die Bürgerbusse sprechen zwei Entwicklungsszenarien: Die weiter abnehmende Bevölkerung und der gleichzeitige Anstieg an sogenannten „rüstigen Rentnern“, die für den Einsatz nahezu prädestiniert sind und in der Regel auch drei bis fünf Stunden in der Woche an Zeit für „ihre“ Gemeinde übrig haben.

Interview: K. Hasewinkel

Ein Bürgerbus – in Coppenbrügge geht er im ächsten Jahr an den Start. Laut Löcker wird auch in Bad Pyrmont der Einsatz von Bürgerbussen schon konkret erwogen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?