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Buddhistische Gruppe meditiert in Herkensen

Herkensen (ist). „Om“: Zwei Buchstaben, eine Silbe, fast nichts – und dennoch Symbol für die Gegenwart des Absoluten und Nähe der Erleuchtung, den Buddhismus, viertgrößte Weltreligion. In dem unauffälligen Herkenser Eckhaus füllt der transzendente Urklang mit seinen mächtigen Schwingungen die Leere des Raumes von Boden zu Decke, Ecke zu Ecke, Wand zu Wand – von der Bildergalerie rechts hinüber zum Regalbrett an der Stirnseite mit der kleinen hölzernen Buddhafigur neben dem Foto des lächelnden Dalai Lama.

veröffentlicht am 14.10.2009 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 20:41 Uhr

bddha
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Herkensen (ist). „Om“: Zwei Buchstaben, eine Silbe, fast nichts – und dennoch Symbol für die Gegenwart des Absoluten und Nähe der Erleuchtung, den Buddhismus, viertgrößte Weltreligion. In dem unauffälligen Herkenser Eckhaus füllt der transzendente Urklang mit seinen mächtigen Schwingungen die Leere des Raumes von Boden zu Decke, Ecke zu Ecke, Wand zu Wand – von der Bildergalerie rechts hinüber zum Regalbrett an der Stirnseite mit der kleinen hölzernen Buddhafigur neben dem Foto des lächelnden Dalai Lama. „Om…“ ist gemeinsam gesprochenes Mantra während der Meditation, ist umfassendstes und erhabenstes Symbol der spirituellen Erkenntnis auf dem „Diamantweg“. Es geht um Selbstoptimierung an der Ecke Herkenser Straße/Gartenweg und um Sinnfindung durch den Glauben, dass zwar alles Leben leidvoll ist, das Leid aber nur in der Wahrnehmung existiert und daher überwunden werden kann. Das ist komprimierter Kern der „Vier edlen Wahrheiten“, die Buddha und die seit 2500 Jahren wiedergeborenen 17 Karmapa lehren.
 Ausgesprochen „viel Input“, der über Jahre verarbeitet werden müsse, meint Computerfachmann Micha. Er gehört zu den sechs Mitgliedern der buddhistischen Gruppe Hameln, die sich an diesem, wie an jedem Mittwoch und Dienstag, zur gemeinsamen Meditation auf den 16. Karmapa, der Karma-Kaguyü-Linie des Buddhismus getroffen haben. Für etwa eine halbe Stunde sitzen Thomas, Klaus, Micha, Susi, Marita und Ulla in Lotossitz und Socken auf auf Teppich und Kissen, mit geschlossenen oder aufmerksam in die Leere blickenden Augen. Das stille, konzentrierte Sitzen und tiefe Durchatmen, sagten sie vorher beim Kaffee in der Küche, helfe Energie aufzunehmen, die eigenen inneren Fähigkeiten widerzuspiegeln, „geistigen Reichtum und den richtigen Umgang mit schlechten Gefühlen wie Wut, Gier, Eifersucht entdecken“. Das wirke persönlich stressreduzierend und persönlichkeitsstabilisierend, im Umgang mit dem Umfeld ausgleichend und harmonisierend.
 Absolutes Schlecht-Drauf-Sein, Stress in Partnerschaft oder am Arbeitsplatz gehören der Vergangenheit an – spürbares Wohlgefühl „insbesondere auch am Familientisch“ für Nachbarin Susi (42) als alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die seit vier Jahren mit der Gruppe meditiert. Vorher sei sie auf Sinnsuche gewesen wie alle Mitglieder der Gruppe, mehr oder weniger Jahre hindurch, ohne wirklich zu wissen, dass oder was sie gesucht hatten. Es sei damals ein Gefühl gewesen, irgendwie könne das nicht alles sein im Leben: „Häuschen bauen, Familie gründen und und und…“, sagt Thomas Glato-Ewan. Der christliche Glaube habe ihm da nicht weiterhelfen können. „Ein Paradies, aus dem man ’rausfallen kann – das gab und gibt mir nichts!“ Der 38-Jährige schüttelt den Kopf. Er habe christlichen Glauben „für eine Sonntagsstunde hinter der Kirchentür getauscht gegen Erfahrungsreligion fürs tägliche Leben“. Ebenso wie Marita (56), die lange Jahre unter dem „Wahnsinnszwang“ ihrer streng katholischen Erziehung gelitten hatte, bis die 27-jährige Tochter sie für den Buddhismus interessierte. Seit anderthalb Jahren ist sie mit auf dem Teppich in Herkensen. Klaus, ehemals verheiratet mit einer Inderin, war seit zehn Jahre lang, Ulla aus Altenhagen, Angestellte im Steuerbüro, seit 35 Jahren auf Sinnsuche und ist seit drei Wochen in dieser Gruppe. Der Buddhismus habe sie alle ruhiger, ausgeglichener und wehrhafter werden lassen. Impulsive Handlungen hätten sie fest im Griff. Einfach gut fühle es sich an, Ursache und Wirkung von Gedanken und Gefühlen ohne verbergende Schleier analysieren zu können. Ihr Leben sei erfüllter, mache nun Sinn, lasse Glück und Freude erfahren, sei ein guter Kompromiss aus Weisheit und Mitgefühl dank der in der Meditation gewonnenen Kraft. Vor neun Jahren, erinnert sich Thomas Glato-Ewan, begann er auf Anregung einer Freundin zu meditieren. Zunächst fuhr er – nicht ohne Skepsis – zu Meditationswochen häufig nach Hildesheim und Braunschweig, durch ganz Deutschland und in die Welt zu Vorträgen buddhistischer Lehrer, insbesondere Lama Ole Nydal aus Dänemark.
 Heute selbst Lehrer, gründete Glato-Ewan die buddhistische Gruppe Hameln mit Meditationszentrum in seinem Haus in Herkensen. „Wir können ihm stundenlang zuhören“, sagen Susi und Marita. Sie gehören zu etwa 250 000 aktiven Buddhisten in Deutschland (Schätzungen der Deutschen Buddhistischen Union, DBU, 2008) – Tendenz steigend. Viele Anhänger des Buddhismus sind wie Marita und Thomas vom Christentum enttäuscht. Erst in der Meditation fühlten sie Religion. Außerdem, so Susi, fasziniere die Dogmenlosigkeit der alten Lehre des Gautama Buddha, die keinen Gottesglauben vorschreibe, sondern als individuelle, immer neu erlebte praktische Lebensanweisung in der Meditation gelesen und erlebt werden könne.



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