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In Coppenbrügge und Brünnighausen wurden Neujahrsstuten verteilt

Brauch existiert seit 400 Jahren

COPPENBRÜGGE / BRÜNNIGHAUSEN. „Gräfin Ursula, von der Not tief betroffen, ließ die Menschen wieder hoffen, sie verteilte Weizen, ließ backen Brot und linderte so die Hungersnot“, heißt es in einem Gedicht der einstigen Brünnighäuser Lehrerin Ilse Hüggelmeyer aus dem Jahr 1968.

veröffentlicht am 01.01.2018 um 17:44 Uhr

In Coppenbrügge wurden die Neujahrsstuten im Rathaus verteilt. Diesmal von Karin Dröge (mit Korb in der Hand) und wie immer von Ludwig Appel. Foto: sto
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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Mit den Zeilen wird die Mildtätigkeit der Gräfin Ursula von Spiegelberg gewürdigt, die ein Herz hatte für die hungernde Bevölkerung – aufgerüttelt durch ein Schicksal zweier Kinder, die in der Silvesternacht 1558/59 auf Geheiß ihrer Eltern von Brünnighausen nach Coppenbrügge geschickt worden waren, um die Gräfin um Brot zu bitten. Die Kinder kamen im Schloss jedoch nicht an, weil sie unterwegs in einen Schneesturm gerieten und erfroren. Als die adlige Dame davon erfuhr, war sie sehr betroffen und verfügte, jedes Jahr solle die Bevölkerung mit ausreichend Mehl versorgt werden, und jedes Kind der kleinen Grafschaft soll zum Jahresbeginn ein Brot erhalten. Eine Urkunde über die Verfügung der Gräfin wurde bislang zwar nicht gefunden, doch es existiert eine Kornrechnung der Spiegelberger Amtsleute aus dem Jahr 1604, in der von dem alten Brauch, Weizen für die Not leidenden Kinder zu Neujahr auszugeben, berichtet wird. Der Brauch wird in der Gemeinde Coppenbrügge seit 400 Jahren praktiziert. Nur in Kriegszeiten war die Ausgabe der Neujahrsstuten nicht immer gewährleistet.

Der Brauch, den Mädchen und Jungen zum Jahresanfang ein Brot zu schenken, wurde in Coppenbrügge und Brünnighausen im Laufe der Jahrhunderte zu einer festen Tradition. Jeden Silvestermorgen werden von der Gemeinde kostenlos kleine Weißbrote verteilt. Generationen von Bürgern sind mit den sogenannten „Neujahrsstuten“ aufgewachsen. Auch diesmal lag für alle Mädchen und Jungen ein leckeres Brot bereit – im Rathaus Coppenbrügge und in der alten Schule Brünnighausen. Bemerkenswert: In Coppenbrügge erhielten die Kinder ihr Gebäck wie immer von Ludwig Appel, der seit 62 Jahren am Silvestermorgen die Stuten verteilt. Diesmal gemeinsam mit Karin Dröge. Mittlerweile ist Appel 93 Jahre alt. Sein Vorsatz für 2018: „Ich muss gesund bleiben, damit ich Silvester wieder Stuten verteilen kann“.

Diesmal waren 320 Stuten gebacken worden, und zwar von der Bäckerei Bohne. „80 von den Broten haben wir nach dem traditionellen Rezept des Bäckermeisters Henner Meyerwerk aus Brünnighausen gebacken“, so Bäckermeister Frank Bohne. Auch schon in den vergangenen beiden Jahren hatte der Bäcker aus Salzhemmendorf die Stuten gebacken, da es in Coppenbrügge seit einigen Jahren keinen Bäcker mehr gibt – mit Ausnahme der Bäckereien in den Supermärken. Früher gab es zwei Bäcker im Ort, die sich mit dem Backen der Silvesterbrote von Jahr zu Jahr abgewechselt hatten. Frank Bohne trägt mit seinen Geschäften in einigen Orten der Gemeinden Salzhemmendorf und Coppenbrügge zur Nahversorgung der Einwohner bei. Beispielsweise in Bisperode, wo er in seinem Bäckereigeschäft auch andere Lebensmittel anbietet.

In Brünnighausen wurden die Neujahrsstuten in der alten Schule verteilt – unter der Regie von Gerald Mehrtens. Foto: sto
  • In Brünnighausen wurden die Neujahrsstuten in der alten Schule verteilt – unter der Regie von Gerald Mehrtens. Foto: sto

Neujahrsstuten werden seit einigen Jahren übrigens auch in der Region Hachmühlen verteilt, und zwar von den Ortsräten Hachmühlen-Brullsen und Flegessen, Klein Süntel und Hasperde. Allerdings nicht Silvester, sondern einige Tage später in der Grundschule Flegessen und in den Kindergärten.

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