weather-image
16°
Gemeinden arbeiten künftig enger zusammen / Prämien bis zu 30 000 Euro

Bewegung nach 15 Jahren Stillstand

Hildesheim (nei). Die Gemeinden im evangelischen Kirchenkreis Hildesheimer Land sollen sich zukünftig zu Verbänden oder Kirchenregionen zusammenschließen. Das hat am Mittwochabend der Kirchenkreistag bei seiner Sitzung in Ottbergen mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Nur mit knapper Mehrheit wurde ein Prämiensystem angenommen. Die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft belohnt der Kirchenkreis künftig mit einer einmaligen Prämie von 10 000 Euro, die Gründung eines Verbands mit 30 000 Euro. 71 Delegierte nahmen an der Sitzung teil. Ein Rekord, wie die Vorsitzende Irmela Wrede mitteilte. Kein Wunder: Die Regionalisierung ist für alle Gemeinden zwischen Söhlde und Achtum, von Holle bis Bockenem, Bad Salzdetfurth bis Nordstemmen und Gronau bis Coppenbrügge seit nunmehr 15 Jahren ein Thema. Dieses Gebiet wird nun in zehn Regionen unterteilt, in denen die Gemeinden eng kooperieren, ohne dabei ihre Selbstständigkeit zu verlieren. Einige Gemeinden wie Salzhemmendorf, Holle und Bockenem haben bereits Verbände gegründet, in anderen Gegenden sind die Vorbehalte groß. Viele befürchten, dass der direkte Bezug der Menschen zur Kirche Schaden nehmen könnte, wenn sie es mit einer Region statt mit einer Gemeinde zu tun bekämen. Die Befürworter argumentieren hingegen, dass Verbände Synergie-Effekte ermöglichen. Eine bessere Vernetzung entlaste hauptamtliche und ehrenamtliche Mitglieder, erhöhe die Solidarität und schaffe mehr finanzielle Flexibilität. Superintendent Christian Castel aus Elze sieht keine Alternative zu diesem Modell, was er in einem Grundsatzreferat deutlich machte. Die Bevölkerungsentwicklung sorge allenthalben für einen dramatischen Rückgang der Gemeindemitglieder. In den vergangenen 15 Jahren seien die Mitgliedszahlen um fast 13 Prozent auf etwa 60 000 gesunken. „Der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt vor allem darin, dass schon seit Jahren weitaus mehr Beerdigungen stattfinden als Taufen“, sagte Castel. Damit stehe den Kirchen natürlich auch immer weniger Geld zur Verfügung. Als Konsequenz seien bisherige Standards wie sonntägliche Gottesdienste auch in kleinsten Gemeinden, Geburtstagsbesuche der Pastoren bei Senioren oder Konfirmandenunterricht für jeden Ort nicht mehr darstellbar. Die Kirche werde in Zukunft gezwungen sein, Gebäude zu verkaufen, ein neues Berufsbild des Pastors zu schaffen und viel stärker Ehrenamtliche einzubeziehen. Dieser Sichtweise folgten die Delegierten. Die ursprüngliche Idee einer Geldstrafe für Gemeinden, die sich nicht beteiligen, wurde fallengelasen. Nachdem sich 15 Jahre lang wenig bewegt hat, will man mit den Boni nun einen klaren Anreiz geben, so der stellvertretende Superintendent aus Salzhemmendorf, Thomas Müller.

veröffentlicht am 04.05.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:21 Uhr

270_008_4285496_lkcs105_05.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Delegierten in der Richard-von-Weizsäcker-Schule in Ottbergen stimmen für das Prämiensystem bei der Bildung von Gemeinde- regionen.

Foto: nei

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare