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43-Jähriger aus Salzhemmendorf wurde vor 20 Jahren in der Disko „entdeckt“ / „Immer nur lächeln“ reicht ihm aber nicht

Bekannt aus der TV-Werbung: Matthias Wulf, Model

Salzhemmendorf (hen). 98-79-92, braune Haare, bernsteinfarbene Augen: Er ist der Obi-Mann in Latzhose, der seriöse Business-Typ mit Handy oder der fröhliche Familienvater. „Ich bin kein Schönling, aber dadurch bin ich vielseitig einsetzbar, kann in viele Rollen schlüpfen“, sagt Matthias Wulf, männliches Model aus Salzhemmendorf.

veröffentlicht am 14.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:41 Uhr

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Die Hände von Jan Josef Liefers in der Werbung für eine goldene Schokoladenkugel sind die von Wulf; aktuell ist der 43-Jährige auf diversen Kanälen in einem TV-Spot der „Zeitungszeugen“ zu sehen, einem in der Vergangenheit nicht unumstrittenen Magazin, das Zeitungen aus der Zeit von 1933 bis 1945 nachdruckt, „aber jeweils kommentiert“, wie der Salzhemmendorfer betont. Banken, Bier oder Bahn – die Referenzliste auf seiner Homepage ist lang und nennt Namen prominenter Auftraggeber. Für Fotoshootings, Fernsehwerbung und hin und wieder Fashion bei Modenschauen ist er meist an Wochenenden unterwegs.

Die Anfänge seiner Model-Karriere entsprechen dem gängigen Klischee: Wulf wurde „vor gut 20 Jahren“ in einer Diskothek in Hannover angesprochen. Seine damaligen Kollegen hätten ihn verspottet mit diversen Vorurteilen. Heute muss er sich nicht mehr rechtfertigen oder beispielsweise bei Klassentreffen an seiner alten Schule, der KGS Salzhemmendorf, gar schiefe Blicke gefallen lassen. „Die meisten wissen, was ich mache und finden es gut.“ Ohnehin kann der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann, der ein Fernstudium zum allgemeinen Betriebswirt abgeschlossen hat, auf einen Beruf fernab der Glamourwelt verweisen: Auch wenn er als Model professionell tätig ist, hauptberuflich arbeitet Wulf im Vertrieb und verkauft Dachziegel und Steine für eine Firma mit Sitz in Petershagen.

„Immer nur lächeln würde mir nicht reichen. Ich möchte auch meinen Geist anstrengen“, sagt der 1,82 Meter große Mann, der durchaus bekennt, eitel zu sein. Für ihn kein Widerspruch. „Ich achte auf Ernährung und mache Sport, renne häufiger zum Friseur, mache Peelings und lasse mir die Augenbrauen zupfen.“ Für die Werbejobs ist sein Körper sein Kapital, besondere Versicherungen, wie es von Topmodels bekannt ist, hat er allerdings nicht abgeschlossen.

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Als er damals angesprochen wurde, zögerte er nicht. „Ich bin offen für Neues und probiere auch gerne etwas aus“, gesteht er – ohne zu verheimlichen, dass er auch Lehrgeld bezahlen musste. „Denn es war eine Scheinagentur, die erst einmal Geld von mir haben wollte. Ein Dreivierteljahr lang hatte ich keine Aufträge“, aber schließlich war sein Ehrgeiz geweckt. Er informierte sich unter anderem bei der Künstlervermittlung der Agentur für Arbeit, suchte sich eine seriöse Modelagentur.

Heute wird er für Fotojobs auf Kuba gebucht oder er fliegt für Aufnahmen für einen Reiseführer nach Mallorca. Tolle Reisen, tolle Autos – was nach Spaß klingt, ist dennoch kein leicht verdientes Geld. Der Salzhemmendorfer: „Wie in jedem Beruf zählt am Ende die Leistung.“ Die Werbung für Bier und Autos sei ohnehin die aufwendigste überhaupt. Und ein Model müsse schnell begreifen und umsetzen können, was der Fotograf von ihm fordere. Nur dann werde man auch wieder gebucht. Über den Beruf gebe es viele falsche Vorstellungen, auch, was die finanziellen Möglichkeiten betreffe. Ein guter Job könne an einem halben Tag 400 bis 500 Euro, für einen ganzen 800 bis 1000 Euro einbringen – die Grenzen nach oben sind bekanntlich offen. Aber: „90 Prozent der Schauspieler und Models verdienen unter 20 000 Euro im Monat.“ Man müsse am Ball bleiben, sich ins Gespräch bringen, dürfe sich aber auch nicht zu sehr in den Vordergrund spielen.

Der Salzhemmendorfer sagt über sich selbst, er habe „Bodenhaftung behalten“. Zwar habe er auch mittlerweile zu einigen Fotografen gute Kontakte, aber „meist geht man wieder auseinander, wenn das Produkt abgedreht ist. In 80 Prozent der Fälle bewegt man sich doch nur an der Oberfläche; man ist letzten Endes die Ware Mensch und nicht mehr als ein Stück Fleisch.“

Düsseldorf oder Hamburg hätten ihn nie interessiert, „ich mag die Anonymität der Großstadt nicht“. Auf Reisen geht der Salzhemmendorfer gerne, und wenn ihn Fotoshootings in andere Städte oder Länder führe, hängt er auch Urlaubstage dran. Die Kehrseite der Heimattreue: „Hier gibt es nicht so viele Jobs.“ Grundsätzlich gebe es für Frauen mehr Aufträge als für Männer, „dafür ist bei den weiblichen Models aber die Konkurrenz größer“. Die lasse nach, je älter man werde. „Ich habe noch nie so viel zu tun gehabt wie jetzt.“

Der Traum vieler Jugendlicher, Superstar zu sein, der von den Castingshows im Fernsehen mit ständig neuem Stoff versorgt wird, betrachtet er skeptisch: „Man sollte sich immer selbst treu bleiben und nicht in ein Format pressen lassen.“

„Ich bin kein Schönling“, sagt Matthias Wulf über sich selbst. Dadurch könne er als Model viele verschiedene „Jobs“ übernehmen – egal ob Business-Typ oder Familienvater.Fotos: Wal/pr



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