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Polizei und Rettungsdienste proben für Großlagen

Bei Massenunfällen haben Notärzte einen schweren Job

Lauenstein. Mit einer von der Polizei initiierten Großübung haben am Samstag Feuerwehr, DRK, THW und Polizeibeamte ihre Zusammenarbeit geprobt. Dazu wurde ein dramatisches Szenarium aufgebaut: Auf der Landesstraße 425 bei Lauen-stein soll ein Linienbus an einem unbeschrankten Bahnübergang mit einem Güterzug zusammengestoßen sein. Der vordere Teil des Busses ist zerstört. Ein Waggon des Zuges, in ihm werden gefährliche Güter transportiert, ist stark beschädigt. Aus darin geladenen „Big-Behältern“ läuft flüssiges Gefahrgut aus, ein 1000 Liter fassender Behälter liegt auf dem Übergang. Von den 37 Businsassen kommen sieben Personen ums Leben, darunter der Busfahrer, die anderen erleiden zum Teil schwere Verletzungen.

veröffentlicht am 19.05.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Kurz nach 10 Uhr heulen die Sirenen, Rettungsfahrzeuge rücken mit eingeschaltetem Blaulicht an. Später werden fast 270 Einsatzkräfte, darunter vier DRK-Einsatzzüge und ABC-Spezialisten der Feuerwehr, vor Ort sein. Rettungskräfte DRK und Feuerwehr befreien Unfallopfer aus dem verunglückten Bus, bringen sie zur Erstversorgung auf einen eingerichteten Verletzten-Sammelplatz. Dort haben die beiden Notärzte Dr. Andreas Bertomeu und Dr. Michael Rosteck einen „schweren Job“, wie sie selbst sagen. Die beiden Mediziner begutachten die Verletzungen der auf Tragen oder Decken liegenden Patienten, machen sich ein Bild von deren Ausmaß und legen der Schwere entsprechend farbige Sichtungsbänder und Anhänger bei den Verletzten ab. Es ist Bestand ärztlicher Ethik, Kranken nicht zu schaden – hier wird jedoch selektiert, offensichtlich werden Schwerstverletzte bei der Hilfeleistung hinten angestellt.

Bei einem Massenanfall von Verletzten – wie bei diesem Szenario dargestellt – kommt das sogenannte Manchester-Triage-System, ein standardisiertes Verfahren, zum Tragen. Darunter wird die erste Eingruppierung von Patienten verstanden. „Bei einem Massenanfall von Verletzten muss man als Arzt rasch einschätzen können, ob ein Mensch so schwer verletzt ist, dass er auch mit medizinischer Hilfe nicht überleben wird,“ erklärt Dr. Bertomeu. Der Verletzte würde dann seinem Schicksal überlassen, um anderen helfen zu können, so der Leitende Notarzt. „Leider ist es so, dass bei Schwerstverletzten so viel Manpower gebunden wird, mit der man drei Mittelschwerverletzte versorgen kann. Man sichtet, hat eine Checkliste im Kopf, die man kurz durchgeht, und danach werden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt“, beschreibt Bertomeu diesen Teil seiner Arbeit.

Polizeibeamte sperren Straßen, nehmen Ermittlungen zur Unfallursache auf, müssen Tote und Verletzte identifizieren. Ferner richtet die Polizei ein Bürgertelefon ein. „Wenn wir Großlagen wie bei Demonstrationen haben, sind wir sehr geübt. Aber bei ganz großen Schadenslagen haben wir bisher sehr wenig Übung“, nennt Kriminaldirektor Ralf Leopold den Anlass der Übung. Fazit soll in einer Nachbearbeitung gezogen werden.

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  • Die Notärzte Dr. Andreas Bertomeu (re.) und Dr. Michael Rosteck (Mitte) schätzen den Grad der Verletzung der Unfallopfer ein.


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