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Bei den Biobauern düngen die Rinder noch selbst

Harderode (ist). Die Biobauern Marita und Harald Vahlbruch aus Harderode sind sich sicher: Hätten mehr den Mut „aus Scheiße Geld zu machen“, dann würde es weniger Umweltprobleme, wie zum Beispiel die Weserversalzung geben.
 Der Kreislauf der Natur habe vor Jahrhunderten noch funktioniert, sagen sie. Damals habe man es sich zunutze gemacht und hoch geschätzt, dass der Boden fruchtbar blieb, indem ihm alles von Mensch und Tier Verzehrte in Form von menschlichen und tierischen Ausscheidungen als Dünger wieder zugeführt wurde.
 Heute dagegen, würden menschliche Fäkalien mit Haushalts- und Industrieabwässern vermischt und verseucht in die Kanalisation geleitet und damit zum Einsatz als Dünger unbrauchbar gemacht. „Der in der Folge notwendige Einsatz von chemisch synthetischen Düngemitteln ist finanziell teuer erkaufte Ertragssteigerung der Landwirte bei gleichzeitig sinkenden Erlösen aufgrund von Überproduktion.“ Außerdem wirkten die bei Kali-Abbau und Düngemittelerzeugung anfallenden Abraumsalze in Mixtur mit Regenwasser wie eine schwere ökologische Müllhypothek für die Natur. Wie es an der Weserversalzung zu sehen ist.

veröffentlicht am 01.03.2010 um 15:02 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:41 Uhr

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Harderode (ist). Die Biobauern Marita und Harald Vahlbruch aus Harderode sind sich sicher: Hätten mehr den Mut „aus Scheiße Geld zu machen“, dann würde es weniger Umweltprobleme, wie zum Beispiel die Weserversalzung geben.
 Der Kreislauf der Natur habe vor Jahrhunderten noch funktioniert, sagen sie. Damals habe man es sich zunutze gemacht und hoch geschätzt, dass der Boden fruchtbar blieb, indem ihm alles von Mensch und Tier Verzehrte in Form von menschlichen und tierischen Ausscheidungen als Dünger wieder zugeführt wurde.
 Heute dagegen, würden menschliche Fäkalien mit Haushalts- und Industrieabwässern vermischt und verseucht in die Kanalisation geleitet und damit zum Einsatz als Dünger unbrauchbar gemacht. „Der in der Folge notwendige Einsatz von chemisch synthetischen Düngemitteln ist finanziell teuer erkaufte Ertragssteigerung der Landwirte bei gleichzeitig sinkenden Erlösen aufgrund von Überproduktion.“ Außerdem wirkten die bei Kali-Abbau und Düngemittelerzeugung anfallenden Abraumsalze in Mixtur mit Regenwasser wie eine schwere ökologische Müllhypothek für die Natur. Wie es an der Weserversalzung zu sehen ist. Fäkalien, sagen die Vahlbruchs, müssten deshalb wieder als Dünger genutzt werden, ohne Eintrag und Beimischung schädlicher Stoffe aus Industrie und Haushalten in der Kanalisation. „Wir produzieren unseren Dünger doch täglich selbst.“ Komposttoiletten in jedem Haushalt, zumindest im ländlichen Bereich, so ihre Empfehlung, machten den kostenintensiven Weg über die Kanalisation überflüssig, der letztendlich ohne jeglichen, auch wirtschaftlichen Nutzen sei. Obendrein ersparten sie dem Privatmann nicht unerhebliche Wasser- sondern auch Abwasserkosten. Die Vahlbruchs haben ihre Erfahrung mit der Komposttoilette im eigenen Haushalt schon gemacht: „Die Komposttoilette hilft jedermann doppelt Kohle zu sparen, stinkt nicht, unterscheidet sich vom Design her nicht wesentlich vom Wasserklosett und ist ebenso hygienisch.“ Außerdem sollten Blaukorn und Grünschnittentsorgung nach Meinung der Biobauern für Gartenbesitzer passé sein. „Lang lebe der Kompost!“, müsse dagegen die Devise sein.
 „Die Rinder auf unserem Hof düngen sich ihre Weide selbst und sorgen alleine für hochwertiges Futter ohne den Einsatz von Chemie.“ Der 40-jährige Harald Vahlbruch kennt die Vorteile der Silage von tief wurzelnden Gründüngungspflanzen. Sie erschließen Nährstoffe unterer Bodenschichten, ohne die Bodenfruchtbarkeit im oberen Bereich zu mindern. Und das sorge für Futtervorräte im Winter. Der Nahrungskreislauf zwischen Natur, Mensch und Tier auf dem Vahlbruch’schen Hof ist geschlossen – künstliche Zusatzstoffe sind überflüssig. Und wer meine, so könne der Nahrungsmittelbedarf nicht gedeckt werden, der solle sich darauf besinnen, weiß Marita als Mutter von zwei Kindern aus Erfahrung am Herd, dass auch beim Essen gelte: Qualität geht über Quantität. Nachhaltig verantwortungsbewusster Umgang mit der Umwelt für Generationen über kurzlebigen finanziellen Individualprofit. „Weniger ist oft mehr.“ Das Bratenstück aus artgerechter Tierhaltung, wenn auch in rohem Zustand bisweilen eher schmächtig, gehe nach dem Wettstreit mit dem Massenprodukt in der heißen Pfanne meist deutlich als gewichtsmäßiger Sieger hervor.
 Erdbeeren von der Südhalbkugel in der Dessertschale nach der Weihnachtsgans oder auf dem Silvesterbuffet seien erstens nicht gerade aromatischer Höhenflug, zweitens aufgrund langer Transportwege kostenintensiv und ein Verbrechen an der Umwelt durch Energieverschwendung. Ihre Empfehlung: Einmal mehr über das Kaufverhalten nachdenken. Vielleicht doch stärker das regionale Angebot des traditionellen landwirtschaftlichen Gemischtbetriebes mit Ackerbau und Viehzucht nutzen, sich unter www.komposttoilette.de mal schlaumachen – und der Weser Luft zum Atmen geben!
 Gern demonstrieren die Biobauern ihre Arbeit jedem Besucher auch direkt auf ihrem Hof. Obwohl sie selbst eigentlich lieber besuchen – schon der Umwelt zu Liebe. Jegliche Treffen verlagern sie nämlich gerne in Gesprächspartnernähe und kommen dann mit dem Fahrrad: „Weil ja sonst alle Welt mit dem Auto zu uns kommt und die Luft verpestet.“

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