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Ob beruflich oder privat: Ex-Bauamtsleiter mag Genauigkeit

Bauen ist seine Passion

Coppenbrügge. Es riecht nach Baustelle im Haus – beißender Klebergeruch von dem behandelten Fußbodenriss quer durch das ehemalige Wohnzimmer. Heinz-Hermann Fuhrmann legt die Maurerkelle aus der Hand, öffnet das Fenster, schließt die Tür von außen und verschwindet kurz, um Arbeitslatzhose gegen saubere Jeans zu wechseln. Im frisch abgeteilten zukünftigen Esszimmer nebenan setzt er ein cremefarbenes, seidiges Fellbündel behutsam in den Katzensessel, sich selbst an den noch mit Folie abgedeckten Tisch und nimmt die zweite Main Coon Katze auf den Schoß.

veröffentlicht am 01.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Ingrid Stenzel
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Der Unterschied zwischen dem Coppenbrügger Bauamtsleiter im und außer des Dienstes, der sei „nicht wirklich gewaltig“, sagt er lächelnd. Sein Blick fällt durch das Fenster auf die Hohnser Kirche direkt gegenüber links, auf den neuen Wohnwagen im Garten rechts. Ruhig streicht die Hand durch Nellis graugetigerten, üppigen Seidenbehang, dessen Farbnuancen sich exakt in Fuhrmanns Streifenhemd wiederfinden. Nach vier Wochen Ruhestand „bin ich morgens um 6 Uhr immer wieder putzmunter“, sagt er, und dann drehe sich auch weiterhin alles ums Bauen, allerdings im privaten Bereich. Überraschend, aber durchaus nicht unwillkommen habe sich im Sommer die häusliche Wohnsituation geändert: Die jüngere der beiden Töchter (37 und 28) ist mit Freund und drei Katzen in die obere Etage gezogen. Da seien zunächst Um- und Erweiterungsbauten im Haus angesagt, und die geplanten, vermehrten Wochentrips mit Frau und Enkelin (9) an Nord- und Ostsee im neuen Wohnwagen müssten warten.

Denn ob Baumrodungen für Anbauten, Fußböden, Decke, Elektrik, Fenster… alles, was mit Bauen zu tun hat, ist schon von Kindesbeinen Fuhrmannsche Passion, werde eigenhändig erledigt und auch von Freunden geschätzt. Und dabei solle es mit mehr Ruhe und Zeit auch in Zukunft bleiben.

Das kleine Fachwerkhaus schräg gegenüber der Dorfkirche, Baujahr 1900, ist nicht nur Eltern-, sondern auch Geburtshaus des langjährigen Bauamtsleiters. Er hat nie woanders gewohnt. Sein Vater war Maurer und hatte den Sohn schon in jüngsten Jahren für das Handwerk begeistern können. Bauzeichnerlehre, Technikerschule, Anstellungen in Statik- und Architekturbüros in Hameln waren Stationen des beruflichen Werdeganges ins Coppenbrügger Rathaus im Jahr 1978, wo er 1993 zunächst kommissarisch, ab 1996 hauptamtlich die Bauamtsleiterfunktion übernahm. Sein größtes Projekt? Das sei zweifellos Umbau und Erneuerung der Kläranlage in den Jahren 1997/98 gewesen. „Ein Finanzvolumen von damals fünf Millionen Mark war für die Planung der Gemeinde, die immer mit ganz wenig Geld kalkulieren musste, und insbesondere alle Mitarbeiter im Bauamt eine besondere Herausforderung.“

Drei Chefs hat der 60-Jährige in seiner Amtszeit erlebt, die seine Ortskundigkeit („Ich kenne jeden Weg und Steg im Gemeindegebiet.“) ebenso zu schätzen wussten, wie seine unbedingte Zuverlässigkeit. „Heinz-Hermann Fuhrmann, das ist alte Schule, da konnte man sich hundertprozentig darauf verlassen, dass alles umgehend, mit Bedacht und Genauigkeit, fundiert und kompetent bearbeitet wurde“, sagt Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka.

Dass Geradlinig- und Genauigkeit des gelernten Bauzeichners im Privaten gelegentlich in die Nähe von Pingeligkeit rücken, weiß seine Frau Ingelore aus 38-jähriger Erfahrung. Ebenso, dass sich die äußerlich ruhige Ausgeglichenheit zuhause bisweilen Luft machen müsse. Dass dagegen Häuslichkeit und Bodenständigkeit im Caravankurzurlaub die Ungebundenheit brauchen. „Mein Mann ist absoluter Familienmensch!“ Und Ingelore Fuhrmann ist das Mädchen von gegenüber, das er seit Kindheitstagen kennt. Geheiratet wurde in der Hohnser Kirche und auf dem Hohnser Standesamt, gewohnt im Fuhrmannschen Elternhaus. Ihre Freizeit, und darauf legen beide großen Wert, genießen die Eheleute in gemeinsamer Zweisamkeit beim Shopping, Lesen oder Fernsehen. Alleinige Ausnahme war Fuhrmanns Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr Hohnsen. Nach 6 Jahren als stellvertretender und 15 Jahren hauptamtlicher Ortsbrandmeister schied er aus der Ortswehr aus, als die geforderten Verpflichtungen überhandnahmen und zu sehr auf Kosten des Familienlebens gingen. Und „das tat richtig in der Seele weh!“, sagt der Familienmensch, der aber eben auch Hohnser ist, wie man nur Hohnser sein kann.

Anbauten, Boden, Decke, Elektrik, Fenster… alles, was mit Bauen zu tun hat, ist schon von Kindesbeinen an Heinz-Hermann Fuhrmanns Passion.

Foto: ist



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