weather-image
23°

Filtrationsanlage „teurer als versprochen“: Politik sauer / Alternative: Stadtwerke künftig Lieferant

Bald Hamelner Wasser für Coppenbrügge?

Coppenbrügge (hen). Von Erschrecken bis zu großer Verärgerung reichten die Reaktionen im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und Umweltschutz, als Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka mitteilte, dass die geplante Nanofiltrationsanlage weitaus teurer werden würde „als ursprünglich von der Firma in Aussicht gestellt“. Nach eineinhalb Jahren Planung, in denen Politik und Verwaltung davon ausgegangenen waren, die bestehenden Probleme mit der Trinkwasserversorgung im Flecken mithilfe der Wasseraufbereitungsanlage in den Griff zu bekommen, geht nun die Suche nach Alternativen los. Und die Stadtwerke Hameln stellten bereits eine mögliche Lösung vor: Sie könnten als Wasserlieferanten auftreten. Dazu müssten eine 2,5 Kilometer lange Leitung von Hilligsfeld nach Herkensen und eine neue Druckerhöhungsanlage gebaut werden.

veröffentlicht am 05.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 04:41 Uhr

Eine 2,5 Kilometer lange Wasserleitung würden die Stadtwerke Ham
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Auch die Verwaltung zeigt sich enttäuscht

Wie berichtet, war im vergangenen September eine Testanlage zur Wasserenthärtung am Brunnen Diedersen aufgebaut worden. „Es läuft alles so, wie wir es berechnet haben“, hatte Jörg Pietsch, Niederlassungsleiter der Firma Grünbeck aus Hannover, bereits eine Woche nach dem Start des Tests bilanziert. Und verkündet, das Schwermetall Uran – das sich als zusätzliches gravierendes Problem herausgestellt hatte – gleich mit herauszufiltern: „Das gibt es kostenlos obendrauf“, sagte er damals.

„Irritierend“ nannte es Peschka nun am Donnerstagabend im Ausschuss in der Mehrzweckhalle Brünnighausen, dass die Firma in einer öffentlichen Veranstaltung von einem Wasserpreis von 25 bis 27 Cent und 100 000 bis 200 000 Euro für die Anlage selbst gesprochen habe – und nun der Bau alleine mit rund 400 000 Euro veranschlagt werde, plus Nebenkosten. Über diese Zahl, die jetzt vom Hause Grünbeck präsentiert wurde, sei die Verwaltung ,,enttäuscht“. Die Politik ging in ihren Äußerungen noch etwas weiter. Man fühle sich „über den Tisch“ gezogen und „im Regen stehen gelassen“, von einem „Bubenstück“ und „Bestürzung“ war die Rede. Ausschussvorsitzender Hartmut Greve brachte es auf den Punkt: „Unser Wasser taugt nichts, und was man uns vorgegaukelt hat, ist nicht zu bezahlen.“

Das Angebot der Stadtwerke Hameln muss nun von der Politik diskutiert werden. Peschka betonte: „Wir stehen nun an einem Punkt, alle denkbaren Wege zu diskutieren.“

Im Beisein von Stadtwerke-Geschäftsführerin Susanne Treptow stellte Dipl.-Ing. Karl-Michael Wiehe die Kosten einer Wasseraufbereitungsanlage – erstellt in Kooperation mit der Firma Grünbeck – denen für die Wasserlieferung durch die Hamelner Stadtwerke gegenüber.

Firma Grünbeck wäre gerne eingeladen worden

Die GWS würden dem Flecken Coppenbrügge rund 60 Cent pro Kubikmeter Wasser in Rechnung stellen – welcher Preis am Ende für den Kunden dabei herauskomme, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, denn für die Gemeinde würden durch das Stadtwerke-Angebot auch Einsparungen entstehen, betonten die Beteiligten.

Im Angebot der Hamelner sind nach Angaben von Wiehe enthalten: die Investitionen für eine 2,5 Kilometer lange Wasserleitung und den Bau einer Druckerhöhungsanlage, mit Investitionskosten von rund 360 000 Euro, aber auch Wartung und Instandhaltung dieser Anlagen, Kontrolle, Überwachung und Wassermessung, Wasserentnahmegebühr, Fernüberwachung der zwei Wasserhochbehälter über die Netzleitstelle der Stadtwerke sowie Not- und Bereitschaftsdienst. Die Investitionskosten für eine Wasseraufbereitung gibt Wiehe dagegen mit rund 720 000 Euro an. „Die Wasseraufbereitung kostet 95 Cent/m³ für Coppenbrügge“, so Wiehe.

Die angepeilte Reduzierung des extremen Härtegrades des Diederser Wassers von 36 auf rund 17 Grad deutscher Härte würde durch das Hamelner Wasser nicht mehr erreicht – das Ergebnis würde um 23 Grad liegen.

Alternativen wie der Bau eines ganz neuen Brunnens seien bereits geprüft und als unwirtschaftlich verworfen. Auch eine in Betracht gezogene Lieferung der Harzwasserwerke sei nicht realisierbar.

Auf Nachfrage unterstrich Susanne Treptow, dass hier die Stadtwerke Hameln und nicht die neuen Stadtwerke Weserbergland, denen Coppenbrügge bekanntlich beigetreten ist, als Partner auftreten, „denn die sind Eigentümer sämtlicher Einrichtungen“.

Jörg Pietsch von der Firma Grünbeck bedauerte auf Anfrage der Dewezet, nicht zu der Ausschusssitzung eingeladen worden zu sein und so keine Möglichkeit zur Stellungnahme gehabt zu haben. Die ursprünglichen Kostenangaben hätten sich nur auf einen Brunnen bezogen – „es ist doch klar: wenn sich die Wassermenge verdoppelt, wird auch der Preis höher“. Zudem sei auch von Anfang an klar gewesen, dass die Stadtwerke Hameln mit im Boot sein sollten: „Wir sind nur die Wasseraufbereiter und kein Versorger.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?