weather-image
13°

Mutige Ersthelfer befreien Unfallopfer / Schwerer Verkehrsunfall auf der B 1 bei Oldendorf

Autofahrer brennt – Rettung in letzter Sekunde

Oldendorf. Er hatte es sich vor langer Zeit im Urlaub in der Schweiz gekauft. 40 Jahre trug er es bei sich. Es hat ihm stets gute Dienste geleistet. Am Samstagnachmittag rettete das kleine rote Taschenmesser von Rüdiger Leonardy (73) aus Groß Berkel das Leben eines 38 Jahre alten Mannes. Der Autofahrer hatte um 14.10 Uhr auf der Bundesstraße 1 zwischen Hemmendorf und Oldendorf die Kontrolle über seinen Peugeot 206 verloren. Der Kleinwagen schleuderte quer über die Gegenfahrbahn, riss einen Leitpfahl um, touchierte einen Baum, überschlug sich im Straßengraben, blieb auf dem Dach liegen – und fing Feuer.

veröffentlicht am 12.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.01.2019 um 09:03 Uhr

270_008_5966878_lkcs103_1211_1_.jpg
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Rüdiger Leonardy war gerade auf der Rückfahrt von einer Wandertour mit Freunden, als er Augenzeuge des Unfalls wurde. „Wäre ich nur etwas schneller gewesen, wäre der Peugeot frontal mit meinem Wagen zusammengestoßen. Es war sehr, sehr knapp.“ Der Rentner und andere Autofahrer hielten sofort an, um Erste Hilfe leisten zu können. „Einer hat einen Notruf abgesetzt, die anderen sind zu dem Verunglückten gelaufen, der kopfüber im Gurt hing“, erzählt der 73-Jährige. „Das Wrack brannte im Bereich der Vorderachse. Es war allerhöchste Zeit. Aber wir konnten den Sicherheitsgurt nicht lösen. Gut, dass ich mein scharfes Messer dabeihatte. Mit zwei Schnitten habe ich den Gurt durchtrennt. Zu viert haben wir den Verletzten aus dem Wrack gezogen. Da haben wir gesehen, dass bereits Hose und Jacke des Mannes Feuer gefangen hatten.“ Mit der bloßen Hand schlug Leonardy die zehn Zentimeter hohen Flammen am Ärmel aus. „Ein anderer Helfer hat die Hose gelöscht.“

Rasend schnell breitete sich das Feuer aus. Bereits nach wenigen Sekunden stand der ganze Wagen in Flammen. Rüdiger Leonardy und die anderen Ersthelfer hatten dem Autofahrer das Leben gerettet – in allerletzter Sekunde.

Notarzt und Rettungsassistenten kümmerten sich um den Verletzten; 53 Freiwillige der Feuerwehren Oldendorf, Hemmendorf und Salzhemmendorf löschten den Fahrzeugbrand mit Schaum. Unklar war gestern noch, wie schwerwiegend die Verletzungen sind, die sich der Salzhemmendorfer zugezogen hat. „Wir konnten mit ihm am Unfallort nicht sprechen“, sagt Polizeikommissar Rüdiger Stumpe. „Der Mann wurde ins Klinikum Hildesheim eingeliefert. Er liegt dort auf der Intensivstation. Weitere Auskünfte haben wir nicht bekommen“, ergänzt Polizeioberkommissar Burkhard May am Sonntag.

Die Ermittler fanden heraus: Der Peugeot-Fahrer war in Richtung Oldendorf unterwegs. Ein Golf-Fahrer berichtete, der Mann sei sehr dicht aufgefahren, habe ihn dann überholt. Die Polizei vermutet, dass der 38-Jährige beim Wiedereinscheren nach rechts das Steuer verrissen hat. Jedenfalls ist sein Auto danach nach links über die Gegenfahrbahn gedriftet. Möglich, dass der Mann den Wagen von Rüdiger Leonardy auf sich zukommen sah und deshalb einen Fahrfehler gemacht hat. Aber das ist reine Spekulation. „Der Golf-Fahrer hat noch gebremst, damit der Überholer vor ihm einscheren kann“, berichtet Rüdiger Leonardy.

Nach der Rettung steht Rüdiger Leonardy ein wenig unter Schock. Er zittert. In der Nacht liegt der ehemalige Heizungsmonteur, der bei der Blaskapelle Dehmke und bei den Saaletaler Musikanten Tuba spielt, bis 2.30 Uhr wach. Danach plagen ihn schlechte Träume. Gestern sagt er im Gespräch mit der Dewezet: „Ich bin froh, dass ich mich revanchieren konnte. Vor zehn Jahren ist meine Frau plötzlich in der Kirche umgekippt. Herzstillstand. Da war zufällig ein Sanitäter, dessen Namen ich leider nicht kenne, der sofort geholfen hat. Bis zum Eintreffen des Notarztes hat er eine Herzdruckmassage gemacht – und so meine Frau gerettet.“

Hätte Rüdiger Leonardy dieses Messer nicht dabeigehabt, wäre der verunglückte Autofahrer in seinem Wagen verbrannt.

Foto: ube



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt