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„Unser Dorf liest“ – Geschenkideen als Appetithäppchen für das bevorstehende Fest

Aus Liebe und Leidenschaft zur Weltliteratur

Coppenbrügge. Geblättert, gewischt, mit Stöpsel im Ohr angehört – das Buch an sich, ob traditionell gebunden, als E-Reader oder Hörbuch, ist seit Generationen ungeschlagen Weihnachtsgeschenk Nummer eins unter deutschen Lichterbäumen. Auch in diesem Jahr werden laut Handelsverband Deutschland wieder mehr als ein Drittel der Bundesbürger den analogen Klassiker in Papierform verschenken, elektronische Angebote auf die Plätze verweisen.

veröffentlicht am 17.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Ingrid Stenzel
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Und wenn wie in diesen Tagen im Supermarkt nichts ohne Spekulatius oder Lebkuchen geht, in den Blumenmärkten Glitzerkugeln Blütenträume überfunkeln oder erste Adventsmärkte einladen, steht längst nicht mehr nur der frühe Bücherwurm vor der Qual der Wahl des passenden literarischen Weihnachtsgeschenks in einem überbordenden Angebot. Mehr als 90 000 Bücher sind im Jahr 2013 auf dem deutschen Buchmarkt neu verlegt worden. Da wird möglicherweise nicht jeder Kauf ein Volltreffer ins Schwarze des Geschmacks des Beschenkten sein. Und wer den verkaufsorientierten Bestsellerlisten vertraut, wird nicht immer in höchster Qualität blättern.

Glücklich also, wer von fachkundiger Literaturleidenschaft beraten wird oder – noch besser – sich von Appetithäppchen ein eigenes Buchbild machen kann. Wie beispielsweise die Fangemeinde der Initiative „Unser Dorf liest“ – mit Buchhändler Heiner Stender als Seele und ihrem nach 18 Jahren mittlerweile 20-köpfigen Vorleserteams aus Liebe und Leidenschaft zur Weltliteratur, zu Geschichten, Worten, der Sprache, dem Singen eines Satzes, zu Ideen, Herausforderungen, Büchern für die Ewigkeit, nicht solche für zwei Wochen Bestsellerliste.

Eine nahezu tollkühne dritte Reiseroute durch die Weltliteratur hatte Stender für die letzte Etappe der Herbstlesungen 2014 vorgegeben. Eine Reise durch Jahrhunderte, durch die Antarktis, Polynesien, Neustadt am Rübenberge, durch menschliche Abgründe, jugendlich himmelsstürmende Fantasie, Verzweiflung später Liebe, Einfalt im Versmaß am Küchentisch, bittersüße Satire. Reisebegegnungen und -stationen waren Humorist und Satiriker Robert Gernhardt, Stefan Zweig mit der „Marienbader Elegie“ des alternden Liebhabers Goethe, Marlen Haushofers „Menschenfresser“ vor der düsteren „Sehnsucht in der Waldesnacht“ (Joseph von Eichendorff). Mick Confrey, hurra, identifiziert die Hausfrau in der Antarktis als eigentlichen Überlebenskünstler. Emanzipation und hundert Prozent Frauenquote in Polynesien ist nicht immer ein „Riesenspaß“ für die Damenwelt, wenn den Männern hundert Prozent süßes Nichtstun bleibt, diagnostiziert dagegen Publizist Art Buchwald.

Schließlich stehen die unvergleichlichen Fantasiegeschichten für jedes Alter über den Mut, anders zu sein, von John Boyne auf dem Programm, die schlitzäugige Fabulierkunst von Herbert Rosendorfer bei der Zeitreise aus dem China des 10. ins 20. Jahrhundert ….

Literatur bitteschön, gute, nicht alles für alle, aber bitte für jeden etwas und vielleicht auch für den Gabentisch, war ein ums andere Mal das Motto der aktuellen Herbstlesungen. Und Angebot und Anspruch literarischer Qualität und Vielfalt stimmten. Auch wenn, so ist das mit den Geschmäckern, nicht jeder Vortrag jeden Zuhörer von den Stühlen im Seniorenheim Akazienhof riss – und die überbordende Begeisterung der Vorleser manch Zuhörergeduld und -sitzfleisch nach über zwei Stunden auf eine harte Probe stellte. Aber gedruckt gebundene Qualitätsoberklasse wird auch in diesem Jahr unter Coppenbrügger Weihnachtsbäumen ihren Platz haben.



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