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Vorsitz beim WTW und sechs weiteren Organisationen – Fritz Köhne erhält Bundesverdienstkreuz

Aus einer Übergangslösung wurden 45 Jahre

Wallensen (gök). Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten viele Menschen nichts mehr – doch den Sport konnte ihnen niemand nehmen. Fritz Köhne jagte in seiner Freizeit am liebsten dem runden Leder nach. 1937 geboren, trat er 1949 dem aus dem VfL Wallensen hervorgegangenen SV WTW Wallensen bei und spielte in einer Jungenmannschaft. Was damals niemand ahnte: Die folgenden Vereinsjahre sollten maßgeblich von ihm geprägt werden. Anfangs spielten die zehn Fußballteams noch auf dem Ascheplatz „schwarze Erde“ am Fabrikgelände der Firma Humboldt in Thüste. Schon damals gab es ähnliche Probleme in den Vereinen wie heute. So waren kaum Mitglieder zu finden, die Verantwortung übernehmen wollten. Nach seiner Wehrzeit – Köhne war in der ersten Generation, die wieder eingezogen wurde – durfte er gleich das erste Mal Verantwortung übernehmen. Als Jugendleiter führte er die Jugendlichen des Vereins ab 1959 zu manchen Erfolgen wie etwa dem Kreismeistertitel 1963.

veröffentlicht am 26.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 22:21 Uhr

Einer, der früh und über Jahrzehnte Verantwortung übernahm: Fritz Köhne (re.). Gestern erhielt er für seine vielen Ehrenämter da
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1965 stand der Verein vor einem Problem. Aus Altersgründen und wegen eines Wohnortwechsels legte der langjährige Vorsitzende Carl Sallet sein Amt nieder. Obwohl er kaum Zeit zum Überlegen hatte, übernahm Köhne den Job – als Übergangslösung, damit der Verein handlungsfähig bleiben konnte.

Doch der Verein sollte ihn bis heute nicht mehr loslassen. Von Anfang an gab es wichtige Entscheidungen zu treffen. So führte Köhne die letzten Verhandlungen zum Erwerb des neuen Sportplatzes; auf dem Gelände steht heute das Feuerwehrgemeinschaftshaus. Der Erwerb des Platzes war die Geburtsstunde des gültigen „Betzenberges“, wie es im örtlichen Sprachgebrauch heißt. „Der WTW war zu Hause eine Macht, und manche hatten aufgrund der heißblütigen Fans einen gehörigen Respekt“, blickt der 73-Jährige zurück.

Anfangs wuschen sich die Spieler noch in einer großen Zinkwanne bei Wind und Wetter am Sportplatz. „Die alte Schwiegermutter von Kubbetat, die mit Eimern bewaffnet warmes Wasser brachte, hatte an den leicht bekleideten Sportlern zwar ihre Freude, doch das war nicht die Lösung“, so Köhne. Daher baute der Verein in Eigenregie in der nahen Vereinsgaststätte „Zum Bahnhof“ in Thüste seine ersten Umkleiden. Der damalige Thüster Ortsbürgermeister Wilhelm Grote gab noch etwas Geld dazu, obwohl er etwas skeptisch war: „Wat willste da machen, Umkleideräume?“ Fußball war nicht seine Sache.

Damit war der Anfang gemacht. 1979 wurde schließlich der zweite Fußballplatz mit einem Spiel gegen den damaligen Zweitligisten Hannover 96 eingeweiht. Kurz danach wurde auch die Sporthalle eröffnet, die vernünftige Umkleiden bot. Direkt neben der Sporthalle entstanden Tennisplätze. Ein weiterer Höhepunkt der Baumaßnahmen liegt nicht lange zurück: Im vergangenen Jahr wurde das Vereinsheim an der Sporthalle eingeweiht, nachdem der Verein nach Schließung des Gasthauses „Zum Bahnhof“ in Thüste mehrere Jahre ohne Zuhause war. „Diese Maßnahmen alle maßgeblich zu begleiten, war sehr anstrengend, doch es hat sich gelohnt“, sagt Köhne. Zu seinem Engagement im WTW kam schließlich noch die Arbeit im Betriebsrat und im Gemeinderat – auch hier stand er den Gremien jeweils zeitweilig vor –, im Dorfgemeinschaftsverein Ockensen, dem Gemeindesportring, beim SPD-Ortsverein Wallensen und dem Freibadverein Wallensen war er ebenfalls Vorsitzender. Neben dem WTW war das Freibad dabei seine größte Herzensangelegenheit. Die Rettung des Freibades hatte ihn in die Politik gebracht. 1996 wurde er zum Ortsbürgermeister gewählt und brachte den Trägerverein für das Freibad auf den Weg. „Nachdem ich 2001 in Rente gegangen war, hatte ich bis zu 180 Termine im Jahr. Das alles hätte ich ohne die Unterstützung meiner Frau Marlies niemals machen können. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten. Allerdings haben meine zwei Söhne und vier Enkel manchmal nicht viel von mir gehabt“, sagt der Sozialdemokrat. Nach seinem Rücktritt als Ortsbürgermeister ist es ein wenig ruhiger geworden. Aber: „Solange ich fit bin, will ich zumindest den Vorsitz bei meinem WTW weiterführen.“ Landrat Rüdiger Butte verlieh Köhne gestern an dessen 73. Geburtstag im Kreise der Familie und einigen geladenen Gästen für sein „großes ehrenamtliches Engagement“ das Bundesverdienstkreuz am Bande.



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