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Aktion „Save Kraja“: Über 100 Demonstranten gegen Abschiebung der syrischen Familie

Aus der Mitte gerissen

Salzhemmendorf / Hameln. „Wir sind gegen die Abschiebung der Familie und für die Abschaffung von Dublin-III“, sagen Anna, Bianca, Alena und Charlotte. Gemeinsam mit rund 110 anderen Demonstranten haben sie sich am Hamelner Bahnhof versammelt. Lautstark wollen sie in Richtung Innenstadt ziehen. Ihr Ziel: auf das Schicksal der syrischen Familie Kraja aus Salzhemmendorf aufmerksam machen. Die siebenköpfige Familie soll, wie es das Dublin-III-Abkommen vorschreibt, in das Land abgeschoben werden, in dem sie vor rund zwei Jahren in Europa ankam. Und das ist Slowenien.

veröffentlicht am 27.06.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller
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„In Deutschland ist das Leben aber sehr viel besser“, meinen die KGS-Schüler Valentino und Nico. Auch sie beteiligen sich an dem Protest. „Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, sich frei zu entfalten. Und dazu gehört auch, dass man entscheiden darf, wo man leben möchte“, sagt Valentino. Ein Großteil der überwiegend jungen Demonstranten geht wie die ältesten Söhne auf die KGS Salzhemmendorf. Nicht alle kennen die Söhne der Familie persönlich, alle sind jedoch der Überzeugung, dass die Familie bleiben sollte. „Ich will nicht, dass diese Familie abgeschoben wird“, sagt auch Marion Suhr. Und: „Wir haben den Platz dafür, die Welt ist groß, lasst sie bleiben.“ Die Hamelnerin setzt sich grundsätzlich für Flüchtlingsfamilien ein. Bianca meint: „Mohamad geht in unseren Kurs, er hat sich wirklich sehr gut eingelebt und fühlt sich wohl.“ Ihre Freundin Alena ergänzt: „Man sollte der Familie ihre neu gewonnene Heimat nicht wegnehmen.“ Niemand solle aus der Mitte gerissen werden, in die er sich gerade erst eingefunden hätte, so die Schülerinnen.

Ins Leben gerufen wurden die Demonstration und die Aktion „Save Kraja“ vom 16-jährigen Dimitri Schulte-van Eeuwen. Er startete auch die Online-Petition, die mittlerweile von 521 Menschen unterzeichnet wurde. 1900 Unterzeichner sind nötig, damit die Petition anerkannt wird. Dimitri spielt mit Marwan Kraja Fußball, bezeichnet ihn als einen engen Freund. „Das oberste Ziel der Familie ist es, hier Arbeit zu finden. Sie lernen auch alle Deutsch. Ich finde es bemerkenswert, dass sie, obwohl sie nicht wissen, ob sie überhaupt bleiben können, sich so sehr engagieren und bemühen, sich zu integrieren“, sagt Dimitri.

Zum Protest waren auch Landrat Tjark Bartels, Anja Piel (Bündnis 90/Grüne) und Ulrich Watermann (SPD) gekommen. Sie alle sprachen sich gegen das Dublin-III-Abkommen aus. Bartels: „Ich halte die Regelung für völligen Blödsinn.“ In der Vergangenheit hatte sich Bar-tels dafür starkgemacht, an das Bundesamt für Migration einen Antrag zu stellen, der es der Familie Kraja ermöglichen soll, in Deutschland Asyl zu beantragen.

Noch ist dieser Antrag jedoch nicht erfolgt, das bestätigt Sandra Lummitsch, Pressesprecherin des Landkreises. Sicher ist: Sollte die Familie nicht bis Ende Juli in Slowenien sein, endet die dortige Zuständigkeit für das Asylverfahren ohnehin und es gäbe keinen Grund, die Familie dorthin auszuweisen. Die Einhaltung der Frist wird eng, da ein Verfahren zur gesundheitlichen Feststellung der Reisefähigkeit noch immer läuft. Die nächsten Wochen sind damit entscheidend.



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