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Debatte um Gedenkstein in Salzhemmendorf entschärft / Hinweistafel liefert historische Einordnung

Aus dem Weg geräumt

Salzhemmendorf. Eigentlich ging es nur um ein paar Meter: Im Sommer vergangenen Jahres sollte ein Gedenkstein am Limberger Weg um nicht einmal 50 Meter auf das Friedhofsgelände versetzt werden, doch dann entzündete sich an dem Stein selbst eine politische Diskussion. Denn der Gedenkstein erinnert an die nach dem Zweiten Weltkrieg verlorenen „Ostgebiete“.

veröffentlicht am 12.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:21 Uhr

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Lässt sich ein solcher Stein heute ohne weiteres noch einmal aufstellen, fragten sich auch einige Politiker? Entspricht doch die Inschrift „Deutscher Osten“ und „unter polnischer“ beziehungsweise „russischer Verwaltung“ noch dem kriegsgeprägten Zeitgeist von 1953, dem Jahr, aus dem der Stein stammt, und nicht der heutigen Ansicht. Zumal auf dem Stein nicht nur die deutsche Ostgrenze von 1937, sondern auch von 1914 zu sehen ist – und Polen damit das Existenzrecht überhaupt abgesprochen wird. Nach Diskussion im Ortsrat einigte man sich letztlich darauf, den Stein zwar wieder aufzustellen, ihn jedoch nach dem Vorschlag des Grünen-Politikers Karsten Appold mit einer Hinweistafel zu versehen, die den Stein historisch einordnen soll. Nun werde darauf verwiesen, dass es sich bei den Gebieten um eigenständige Länder handele und die „Vertriebenen“ eine neue Heimat in Salzhemmendorf gefunden hätten, erklärt Appold. „Es war uns wichtig, das zu ergänzen“, sagt er. Ebenso wie Vorschläge, den Stein unkommentiert stehen zu lassen, habe es vonseiten einiger Bürger auch Anregungen gegeben, die Inschrift auf dem Stein direkt abzuändern. Doch dagegen habe man sich entschieden, um den Stein als historisches Zeugnis zu erhalten. Für die Hinweistafel als Kompromiss

sprach sich der Ortsrat letztlich einstimmig aus und der Stein wurde versetzt. „Damit sind jetzt alle zufrieden“, sagt Ortsbürgermeister Lutz Hesse (CDU).

Der Grund für die Umsetzung des Steines, der anlässlich des „Heimattages“ am 2. August 1953 aufgestellt worden war: Er stand im Weg. Um den Grundschülern, die mit dem Bus kommen, einen sicheren Schulweg von der Haltestelle „Friedhof“ zum Schulgebäude zu ermöglichen, wurde der Gehweg im Bereich des ehemaligen Feuerwehrhauses verbreitert. So wurde der Anschluss an den vorhandenen Fußweg entlang des „Limberger Weges“ geschaffen. Um eine sinnvolle Gestaltung des Gehweges ab der Haltestelle zu ermöglichen, sei es erforderlich, den Gedenkstein zu entfernen, um eine ausreichende Gehwegbreite schaffen zu können, hieß es damals vonseiten der Gemeindeverwaltung. Unter Denkmalschutz steht der Stein nicht.ch

Der Gedenkstein wurde um eine erklärende Hinweistafel ergänzt.



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