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Luchs M8 tauchte in der Region Coppenbrügge/Salzhemmendorf auf

Auf leisen Pfoten durch den Osterwald

SALZHEMMENDORF/COPPENBRÜGGE/BODENWERDER. 2015 wurde der Luchs im Osterwald gesehen. Aber wie sieht es zurzeit aus? Über das Luchsvorkommen in einem bestimmten Gebiet wird meistens nur spekuliert. Nachweisen kann man den Luchs nur selten. Seit 2015 sei im Osterwald offiziell kein Luchs mehr gesehenen worden, sagt Ole Anders vom Nationalpark Harz.

veröffentlicht am 21.04.2017 um 15:58 Uhr
aktualisiert am 21.04.2017 um 17:30 Uhr

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Autor:

Louisa Vietmeyer
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Das im Jahr 2015 mit GPS im Osterwald nachgewiesene Männchen ist im Kaufunger Wald in Hessen geboren und von da aus in Richtung Niedersachsen gewandert. Den Osterwald und die Region Coppenbrügge/Salzhemmendorf hat er dabei auch besucht. Von Dezember bis Januar 2015 verbrachte er 36 Tage dort. „Die letzte Exkursion des Tieres in den Osterwald, die wir mittels seines Halsbandsenders nachvollziehen konnten, fand im März 2015 statt“, sagt Anders. Sein bevorzugtes Streifgebiet war der Hils, zu dem er nach seinen Ausflügen in den Osterwald auch wieder zurückkehrte. Wo das Tier sich aktuell befindet und ob es noch am Leben ist, kann Ole Anders nicht sagen, da sich sein Halsband planmäßig im November 2015 öffnete. Danach tappte Luchs M8 einige Male in eine Fotofallenkamara. Wegen der GPS-Technik weiß man so viel über den Luchs im Osterwald. Damit konnte man seine genaue Route nachverfolgen und, wo er sich zu verschiedenen Zeitpunkten aufgehalten hat. Zweimal täglich wurden Signale von der Position des Luchses geschickt.

Es gibt übrigens verschiedenste Hinweise, die auf einen Luchs deuten. Man erkennt die katzenartigen Raubtiere zum Einen an ihren Spuren. „Das ist allerdings nur im Schnee und durch Begutachtung von Luchsbeauftragten möglich“, sagt Dr. Egbert Strauß vom Institut für Wildtierforschung in Hannover. Auf einen Luchs kann man auch an der Art der Tötung seiner Beute schließen. Hauptsächlich werden Luchsrisse an Rehen festgestellt, da sie die Hauptnahrung der Wildkatzen sind. „Er tötet das Beutetier nach einem kurzen Sprint durch einen gezielten Biss in die Drossel“, heißt es in einer Veröffentlichung des Bundesamtes für Naturschutz zum Monitoring von Großraubtieren in Deutschland. Die Drossel ist die Luftröhre beim Reh. Ein Hund knautscht, wie es in der Jägersprache heißt. Das bedeutet, dass durch festes Zudrücken das Wild beschädigt wird.

Durch diesen Hinweis wird vermutet, dass Anfang März ein Reh in Hehlen von einem Luchs gerissen wurde. Ole Anders hat DNA-Proben genommen, aber diese sind noch nicht ausgewertet. Deswegen kann er nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen, dass es ein Luchs gewesen war. Das Tier hatte ein Leser gefunden. Er berichtet unserer Zeitung von noch zwei weiteren Rehböcke, die Andeutungen auf einen Luchsriss geben. Einer wurde in Ovelgönne, in der Nähe von Hehlen gefunden, ein weiterer auf Höhe der Sievershagener Mühle.

Anders haben bisher sieben Hinweise aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont erreicht. Sie stammen aus den letzten drei Jahren. Diese Meldungen lassen einen Luchs aber nur vermuten und nicht bestätigen. Luchs-Sichtungen gab es nach dem Wissen von Anders bisher zwei in Hameln-Pyrmont und eine jenseits der Kreisgrenze, im Süntel.

Aber wie sieht eigentlich der perfekte Lebensraum dieser Tiere aus? Laut Strauß bräuchten die Tiere nicht viel – das Einzige ist Nahrung und Wald. „Es stört sie auch nicht, wenn Menschen in der Nähe sind, weil die Wälder meist groß genug sind“, fährt Strauß weiter fort. Deswegen kamen für Luchs M8 auch der Solling, der Hils und der Osterwald in Frage, die von vielen Wanderern aufgesucht werden. Jedoch trifft kaum jemand auf einen Luchs, denn sie zeigen sich nicht oft. Früher wurden die Wildkatzen fast ausgerottet, da sie den Jägern die Rehe wegnahmen. „Die intensive Verfolgung durch den Menschen führte vor rund 200 Jahren in Mitteleuropa zum Aussterben des Eurasischen Luchses“, heißt es auf der Internetseite des Luchsprojektes Harz. Heutzutage beeinträchtigen Luchse den Wildbestand nicht besonders. „Meistens sind es Einzeltiere, die in einem weiten Gebiet jagen. Ausnahmen gibt es, wenn sich ein Luchs mit Kindern angesiedelt hat“, sagt Dr. Egbert Strauß. Dann bleiben sie standorttreu und jagen nur in einem kleinen Bereich.

Doch nicht nur der Luchs ist ein außergewöhnliches Tier, das Streifzüge durch die Wälder Niedersachsens unternimmt. Es wurde erst in jüngster Zeit ein Wolf im Bückeberg vermutet. Aber im Vergleich zum Wolf ist der Luchs von den Leuten kaum gefürchtet. Durch das Märchen Rotkäppchen ängstigt schon die Vorstellung eines Wolfes die Menschen. „Wenn sich diese beiden Tierrassen begegnen, gehen sie sich aus dem Weg oder sie attackieren sich. Da wird es wahrscheinlich eins zu eins ausgehen“, vermutet Strauß. Abschließend bittet Ole Anders alle Hinweise, die auf einen Luchs deuten, zu melden.

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