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Unternehmen finden keinen Nachwuchs – aber Neuankömmlinge haben es sogar schwer, ein Praktikum zu machen

Auf Jobsuche in Coppenbrügge

Coppenbrügge. In der Gemeinde gibt es Flüchtlinge, die gern arbeiten würden und Unternehmer, die ihnen gern eine Chance geben wollen. Klingt passend, ist es aber nicht.

veröffentlicht am 20.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:49 Uhr

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Autor:

von Maike Lina Schaper
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Wenn es so einfach wäre, dann hätte die eigens einberufene Informationsveranstaltung für hiesige Unternehmer keine zwei Stunden gedauert. Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka hatte dazu eingeladen und die Chefs von Handwerksunternehmen, Pflegedienstleistern, Restaurants, Büromöbelhersteller und Krankenhaus erschienen zahlreich. Sie alle sind willig, Flüchtlingen eine Chance in ihrem Unternehmen zu geben und haben sich angehört, was die Vertreter von der Gemeinde, Arbeitsagentur und Industrie- und Handelskammer dazu zu sagen haben. Quintessenz: Es ist kompliziert. So kompliziert, dass selbst gestandenen Unternehmern, die häufiger mit Personalangelegenheiten zu tun haben, irgendwann der Durchblick fehlte.

Ein Flüchtling kann ein Praktikum machen, für bis zu sechs Wochen, wenn das bei der Arbeitsagentur angezeigt ist. Sozusagen zum gegenseitigen „Austesten“. Das ist aber schon der maximale Zeitraum. Zu kurz, um sich einen Überblick zu verschaffen, meinen die Unternehmer. Länger ginge auch, erklärt Jürgen Kirchenbauer vom Arbeitgeberservice. Das wäre dann allerdings ein genehmigtes Praktikum von der Ausländerbehörde. Undurchsichtige Regelungen sind das, finden viele. „Eine weniger bürokratische Lösung wäre wünschenswert“, wirft Ulrich Meyer von Ha-Be Betonchemie ein und erntet dafür spontanen Beifall von seinen Unternehmer-Kollegen. Damit würde sich Deutschland in der gesamten Einwanderungsdebatte nur selbst ausbremsen, fürchtet Meyer. Andreas Klein vom ambulanten Pflegedienst Levimed stimmt zu: „Besonders in der Orientierungsphase sind einfache Lösungen die besten. Der behördliche Teil sollte weitestgehend von den Unternehmen ferngehalten werden.“

Dabei gehören Bau und Pflege zu den Branchen, für die Kirchenbauer in seinem Büro bei der Arbeitsagentur keine Leute findet. Denn eigentlich dürfen Unternehmen Flüchtlinge nur dann beschäftigen, wenn es keine Deutschen beziehungsweise auf Behördendeutsch „bevorrechtigten Personen“ gibt, die diesen Beruf machen wollen. Diesen Personalbedarf gibt es auch in der Gastronomie. Henning Zeddies vom Coppenbrügger Felsenkeller berichtet von einer Erfolgsgeschichte: Ein Auszubildender, der anfangs kaum Deutsch konnte, habe später seine Ausbildung als Zweitbester abgeschlossen. Auch an diesem Abend würde Zeddies am liebsten gleich zwei der anwesenden Flüchtlinge für das Restaurant und Hotel mitnehmen.

Auch die jungen, hauptsächlich sudanesischen Männer scheinen unbedingt arbeiten zu wollen. Einer von ihnen steht in der großen Unternehmerrunde auf, stellt sich vor: Er heißt Mohammad und würde gern als Elektriker arbeiten, sagt er auf Deutsch. Einen Grundwortschatz hat er bereits im Coppenbrügger Deutschkurs gelernt. Aber ein Sprachkurs kann nur ein Anfang sein, da sind sich die Unternehmer auch einig. „Den Kollegen im Betrieb einen guten Morgen zu wünschen und das Gefühl zu haben, angekommen zu sein, ist unheimlich wertvoll“, betont Carolina Schmidt-Karsch, geschäftsführende Gesellschafterin beim Büromöbelhersteller Wini.

Um die Praktikumsinitiative trotzdem voranzutreiben, hat Dr. Dorothea Schulz zugesichert, dass sie und ihr Team von der Industrie- und Handelskammer die Unternehmen anschreiben werden. Dann können diese offiziell angeben, wie viele Praktikumsplätze sie haben, in welchem Tätigkeitsbereich der Flüchtling arbeiten würde und ob sie vielleicht sogar jemanden von ihnen ausbilden würden.

Dass so ein Praktikumsmodell gut funktionieren kann, das hat der Arbeitsvermittler Kirchenbauer nach eigener Erzählung schon selbst in der Nachbargemeinde Salzhemmendorf erleben können. Dort habe ein sehr engagierter Integrationslotse zwischen Flüchtlingen und Arbeitgebern vermittelt. Die Hilfe der Integrationslotsen ist in diesem Vermittlungsprozess ohnehin sehr wichtig, betont Kirchenbauer.

107 Flüchtlinge leben derzeit in der Gemeinde Coppenbrügge. Ein Großteil von ihnen (41) kommt aus dem Sudan, gefolgt von Syrien und Palästina (jeweils 11). Viele von ihnen würden gern arbeiten oder wenigstens ein Praktium machen. Als was, das haben acht von ihnen für die Dewezet aufgeschrieben.Foto: Wal



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