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Alan Graham hat in Salzhemmendorf ein neues Zuhause gefunden

Auf die Mischung kommt es an

Wallensen/Salzhemmendorf. Über die Politik fand er den Weg nach Wallensen. Allerdings anders, als so mancher denkt. Denn Alan Graham spielte bei der Garten-Wahlkampfparty von Bürgermeisterkandidat Karl-Heinz Grießner (SPD) im Sommer in dessen Garten auf. Dabei entstanden die ersten Kontakte nach Wallensen, sodass Graham danach beim Abschluss des Gemeindewandertages und zu einem Wein-Tasting in das Haus an der Stadtmauer wieder nach Wallensen kam.

veröffentlicht am 10.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Christian Göke
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Dort probierte der Berufsmusiker und nebenberufliche Weinhändler es zum ersten Mal aus – ein Wein-Tasting ohne seinen Bruder. In lockerer Atmosphäre zeigte er den rund 20 Besuchern, was er aus seinem Keller für flüssige Schätze mitgebracht hatte. Sonst kümmerte sich sein Bruder um die Bewertung des Weins – er sorgte für die Begleitmusik. Dieses Mal durfte er über die Herkunft und den Geschmack des Weins referieren, wenn er nicht zur Freude der Besucher auf der Gitarre einige Lieder spielte.

Ursprünglich wollte der US-Amerikaner Graham 1991 nur drei Monate Urlaub in Europa verbringen. Nach drei Wochen rief er aber seine Mutter in den USA an und fragte sie, was sie von einem dauerhaften Aufenthalt ihres Sohnes in Europa halten würde. Sie fragte nur: „Bist Du glücklich?“ Als er bejahte, war die Entscheidung gefallen. „Eigentlich wollte ich nur europäisches Bier kennenlernen und mich vom stressigen Leben der letzten acht Jahre in Los Angeles erholen. Doch ich fand Europa von Anfang an wunderschön und wollte schnell für immer bleiben“, so der 66-Jährige, der in den USA Musik und Deutsch studiert hat. Seine Vorfahren waren zum Teil deutschstämmig aus Remagen und Hamburg-Altona, aber zur vorherigen Jahrhundertwende nach Amerika ausgewandert. Trotz der deutschen Vorfahren wurde in seinem Elternhaus kein Deutsch gesprochen. Das lernte er erst später im Studium.

Mit 16 Jahren wurde er schließlich Profimusiker und hat seitdem nie aufgehört zu spielen. Seit den siebziger Jahren hatte er mehrere Plattenverträge und viele Erfolge bei Film, TV und Werbung. So komponierte und sang er Titelsongs oder Werbejingles und hatte auch Auftritte mit bekannten Künstlern.

Alan Graham singt seine Songs in drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch.

„Vergiß es“, sagte ihm in den USA ein Banker, als er nach einem Kredit für einen Hauskauf nachfragte. Daher arbeitete er zusätzlich im Pharmavertrieb, um seinen Wunsch nach einem Eigenheim zu ermöglichen. Doch dabei lernte er für das Leben. So sah er in einer Klinik an Krebs erkrankte Kinder und merkte, dass er doch gar keine Probleme hat und seinen Traum leben darf.

Nachdem Graham die ersten Jahre in Mainz gelebt hatte, kam er durch seine Ehefrau schließlich in das Elsass und betrieb später mit seinem Bruder auch ein Weinlokal in Celle, welches aber nie richtig ins Laufen kam und später aufgegeben wurde. Begeistern konnte er sich aber für den Weinhandel, den er heute mit der gleichen Leidenschaft wie sonst für die Musik betreibt. Als Musiker war er es nicht gewohnt, lange an einem Ort zu bleiben und fand daher schnell auch in Salzhemmendorf ein Zuhause. Nachdem er dort ein Haus gekauft hatte, pendelte er fortan immer zwischen seinen beiden Wohnorten im Elsass und dem Weserbergland, wenn er nicht ganz woanders einen Musikauftritt hatte. Während deutsche Musik derzeit sehr angesagt ist, war das Mitte der neunziger Jahre noch nicht so. Graham hatte zwar früh seine Liebe zu deutschen Texten gefunden, die Zeit war dafür aber noch nicht reif. Im Marketing hatte seine Musik eh einen schweren Stand, da seine Songs genauso breit gefächert sind wie sein Musikgeschmack. Er konnte schlicht nie kategorisiert werden. Sogar Bands wie Truck Stop haben Stücke von ihm veröffentlicht. Von Jazz über Blues bis zu klassischer Musik hört er einfach alles gerne und lässt seinen Geschmack natürlich auch in seine Kompositionen einfließen. „Schon Miles Davis hat gesagt, dass es nur zwei Arten von Musik gibt – gute und schlechte!“ Mittlerweile hat er sich auf deutschsprachigen Blues spezialisiert, womit er eine Marktlücke aufgetan hat. Mit dem Bassisten Joachim Sohn und dem Schlagzeuger Achim Bührer hat er die Band „Every Generation“ gegründet, die ihr Zuhause im Schwarzwald hat. „Mit diesen tollen Leuten will ich jetzt noch einmal durchstarten, weil mir die Musik einfach Spaß macht“, so Graham. Veranstaltungen wie das Wein-Tasting in Wallensen werden aber weiterhin auf seiner Liste stehen, weil diese lockeren Veranstaltungen ihm einfach Spaß bereiten. Sein neues Zuhause in Salzhemmendorf hat Graham schätzen gelernt. „Wenn man in Gegenden wie die Alpen kommt, wirst Du von der Landschaft gleich erschlagen. Im Weserbergland musst Du die schönen Ecken erst erkunden, willst sie dann aber nicht mehr missen“, hat der Musiker seine neue Heimat liebgewonnen. Aus allen seinen Wohnorten nimmt er das Beste mit. Er liebt die deutsche Organisation, gepaart mit der französischen Gelassenheit und dem amerikanischen Gemüt.



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