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Fahrgäste beklagen: „Niveau der Eurobahn erreicht“ / Unternehmen gibt Schwarzen Peter weiter

Auch mit der Nordwestbahn Zugausfälle

Weserbergland (hen). Mit dem Wechsel von der Eurobahn zur Nordwestbahn sollte auf der Strecke von Bünde nach Hildesheim und Hildesheim nach Bodenburg alles besser werden – doch Schüler und Pendler sind enttäuscht: „Nach anfänglicher Besserung hat nun auch die Nordwestbahn wieder das Niveau der Eurobahn erreicht: defekte Türen, massive Verspätungen und Zugausfälle“, klagt Jörg Scheling aus Coppenbrügge. Und auch Karl-Wilhelm Breves aus Salzhemmendorf sagt, dass von der Ankündigung, „mit dem Fahrplanwechsel sollte alles besser werden“, nicht viel übrig geblieben sei. Die Nordwestbahn hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass ein Großteil der Fahrzeuge zu Wartungsarbeiten beim Hersteller sind – am Wochenende seien sieben von elf Zügen aus dem Verkehr genommen worden.

veröffentlicht am 20.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 16:41 Uhr

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Doch die Verspätungen und Zugausfälle liegen schon länger zurück, wie Scheling in einem Brief detailliert auflistet. So sei schon am 2. Februar der Zug um 6.38 Uhr ab Coppenbrügge „wieder einmal“ ausgefallen. Was ihn zusätzlich ärgert: „Nun gibt es auch keine Information mehr, weder über die vorhandenen Lautsprecher noch über die elektronische Fahrgastanzeige. Es macht besonders viel Spaß, morgens bei minus 13 Grad eine Dreiviertelstunde auf einen Zug zu warten, der ohnehin nicht mehr kommt, um dann in die Gegenrichtung zu fahren und von Hameln aus mit der S-Bahn (immer pünktlich) nach Hannover zu fahren.“ Auf seine Frage im Hamelner Bahnhof, warum es denn keine Durchsage gebe, habe er die Antwort erhalten: „Dafür sind wir nicht zuständig, aber es gab doch einen Schienenersatzverkehr.“ Scheling verärgert: „Wenn man aber auch das nicht erfährt, kann man ihn ja auch nicht nutzen. Man sieht schließlich nicht, was vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude passiert, wenn man dahinter in der Kälte am Bahnsteig steht und auf den Zug wartet.“ Von der Nordwestbahn habe er die Antwort bekommen: „Dafür sind wir nicht zuständig, wir haben die Information weitergegeben, und für die Durchsagen ist die DB zuständig.“ Im Hamelner Bahnhof habe er auch eine Service-Telefonnummer der DB bekommen, die er anrief. Antwort: „Dafür sind wir nicht zuständig.“ Dann erhielt er eine Internetadresse, an die er sich wenden sollte, was er abends auch gemacht habe. „Am nächsten Tag hatte ich eine Antwort: ,Dafür sind wir nicht zuständig, wir leiten es aber an das zuständige Bahnhofsmanagement weiter, von dort erhalten Sie Nachricht.’ Auf die Antwort warte ich immer noch, ich kann mir aber gut vorstellen, wie sie lautet: ,Dafür sind wir nicht zuständig’.“

Nicht nur die Zugausfälle, auch die Verspätungen verärgern Scheling: Am 7. Februar sei die Bahn um 6.38 Uhr mehr als fünf Minuten später in Coppenbrügge abgefahren. „Das wird mit dem Anschluss in Elze knapp, denn die Metronom-Züge warten nicht auf Anschlussreisende, auch nicht eine Minute. Es ist uns schon mehrfach passiert, dass uns die Züge vor der Nase weggefahren sind.“ Doch in Elze das nächste Dilemma: Irgendwo ein Stellwerkausfall („das habe ich allerdings erst abends von Mitreisenden erfahren, denn am Morgen gab es in Elze dazu auch keine Information“). Weder der Metronom um 5.58 Uhr noch der um 6.58 Uhr seien gefahren. „In der Zwischenzeit sind aber drei Autoreisezüge an uns vorbeigefahren. Haben Autoreisezüge andere Stellwerke?“, fragt der Coppenbrügger.

Scheling kann noch viele weitere Beispiele benennen. „Ich fahre seit fast 30 Jahren auf der Strecke Hameln-Hildesheim beziehungsweise Hannover zur Arbeit, was aber in den letzten eineinhalb Jahren dort den Reisenden geboten wird, ist eine Unverschämtheit! Es funktioniert nur noch eins: Das Geld für die Fahrkarte wird jeden Monat pünktlich vom Konto abgebucht.“ Er hat einen Brief mit der Liste der Beanstandungen und einem dringenden Appell – „Wir wollen endlich wieder pünktlich zur Arbeit / zur Schule kommen“ – unter anderem an die Nordwestbahn, die Landesnahverkehrsgesellschaft mbH, die DB AG, das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr und die Gemeinde Coppenbrügge geschickt.

Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka sagt auf Anfrage, dass er sich in Hannover an die Landesnahverkehrsgesellschaft wenden will: „Es macht ja wenig Sinn, wenn wir Gelder für eine bauliche Verbesserung des Bahnhofgebäudes in Coppenbrügge bekommen, aber das Angebot nicht stimmt.“ Das könne auch nicht im Interesse des Landes sein. Auch er hatte gehofft, dass mit dem Wechsel die alten Probleme der Eurobahn Vergangenheit würden.

Die waren im vergangenen Jahr von Joachim Beringer (LNVG) noch mit der „sehr hohen Krankheitsquote“ begründet worden waren. Bei der Nordwestbahn würden mehr Triebfahrzeugführer zur Verfügung stehen – „dadurch wird es auf Dauer zu weniger Zugausfällen kommen“. Katrin Hofmann, Pressesprecherin der Nordwestbahn, gibt den Schwarzen Peter weiter: Für dringende Wartungsarbeiten beim Hersteller habe man einen Teil der Fahrzeugflotte von der Schiene nehmen müssen. In der Hauptverkehrszeit seien ergänzend Busse eingesetzt worden, es habe aber auch Zugausfälle gegeben. Die Fahrzeuge habe man quasi im schlechten Zustand übernommen und nennt die jetzigen Probleme Startschwierigkeiten. Die Nordwestbahn habe den Anspruch, einen funktionierenden Verkehr auf die Beine zu stellen. Die Unannehmlichkeiten für die Kunden bedaure sie.

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