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Günter Unger beaufsichtigt Sanierung der Harderoder Kirche / Acht Jahre Vorlaufzeit

Auch mit 78 noch hoch hinaus

HARDERODE. 78 Jahre ist Günter Unger alt. Doch derzeit lässt sich der Harderoder nicht davon abhalten, den Bauhandwerkern bis auf eines der höchsten Gerüste zu folgen, mit denen die Kirche im Ilse-Ort bewehrt ist. Am 23. April hat eine der wohl umfassendsten Sanierungen am Gotteshaus Harderodes, das dem Apostel Andreas geweiht ist begonnen.

veröffentlicht am 19.07.2018 um 12:02 Uhr

Materiallager unter dem Kirchendach. Foto: joa

Autor:

JOACHIM ZIESENISS
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Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges war die Kirche bereits eines der ersten Male urkundlich überliefert ausgebessert. Anfang des 15. Jahrhunderts war mit einem Neubau begonnen worden. Eine an der Südseite des historischen Gebäudes angebrachte Sonnenuhr zeigt die Jahreszahl 1519. Die heutige Bausubstanz der Harderoder Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert. Anno 1570 wurde der Turm nachträglich an das Gotteshaus angebaut. Ein romanischer Taufstein aus dem 12. Jahrhundert wurde 1826 aus der Kirche entfernt und steht heute im Heimatmuseum Braunschweig.

Nach einer längeren Voruntersuchung durch das Amt für Bau und Kunstpflege der Landeskirche waren bereits vor Jahren Schäden an der teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert stammenden Balkenwerk im Dachgeschoss festgestellt worden. Wasser war hier eingedrungen und hatte Holz verfaulen und sich verziehen lassen. Der Kirche wurde damit Sanierungsbedarf attestiert. Durch eindingende Feuchtigkeit waren außerdem im Außenmauerwerk Risse entstanden, an den Innenwänden sind Feuchtigkeitsschäden zu beseitigen.

Und schließlich soll die veraltete Ölheizung durch eine moderne Gasheizung ersetzt werden. Ganz zum Schluss der Sanierung wird nun endlich auch die Orgel saniert. Diese Maßnahme ist in den Vorjahren immer wieder zurückgestellt worden.

Eine Sonnenuhr. Foto: joa
  • Eine Sonnenuhr. Foto: joa
Günter Unger lässt sich nicht davon abhalten, den Bauhandwerkern bis auf eines der höchsten Gerüste zu folgen. Foto: joa
  • Günter Unger lässt sich nicht davon abhalten, den Bauhandwerkern bis auf eines der höchsten Gerüste zu folgen. Foto: joa
Malerische Lage: die dem Apostel Andreas geweihte Kirche in Harderode. Foto: joa
  • Malerische Lage: die dem Apostel Andreas geweihte Kirche in Harderode. Foto: joa
Ein Zimmermann bearbeitet einen neuen Balken. Foto: joa
  • Ein Zimmermann bearbeitet einen neuen Balken. Foto: joa
Eine Sonnenuhr. Foto: joa
Günter Unger lässt sich nicht davon abhalten, den Bauhandwerkern bis auf eines der höchsten Gerüste zu folgen. Foto: joa
Malerische Lage: die dem Apostel Andreas geweihte Kirche in Harderode. Foto: joa
Ein Zimmermann bearbeitet einen neuen Balken. Foto: joa

Derzeit ist Zimmermann Marco Disse mit seiner Truppe damit beschäftigt, im abgedeckten Dachstuhl morsche Balken auszuwechseln oder stückweise zu reparieren. Disse arbeitet für ein Zimmereiunternehmen aus Beverungen, dass auf die Sanierung von historischen und denkmalgeschützten Gebäude spezialisiert ist. Verarbeitet wird nur historisches oder lange abgelagertes, trockenes Eichenholz, das eine Restfeuchtigkeit besitzt, die unter 20 Prozent liegt. Rund vier Wochen werden er und seine Leute wohl noch am Dachstuhl von Harderodes Kirche zu tun haben, schätzt der Zimmermann.

Dann können die Dachdecker wieder anrücken, neue Dachsparren aufbringen und die alten Dachpfannen, die sie im Mai abgenommen und sorgfältig beiseite gelegt haben, wieder auflegen. Wie Günter Unger zu berichten weiß, habe man sich nicht ohne Grund dafür entschieden, die historischen, doppelgebrannten und schwarz glasierten Dachpfannen, die schon über 100 Jahre alt sind und seit etwa 50 Jahren nicht mehr produziert werden, wieder zu verwenden. „Dachziegel in dieser Qualität sind heute nicht mehr zu bekommen“, so der Baubeauftragte der Kirchengemeinde.

Seit nunmehr 20 Jahren ist Günter Unger Beauftragter seiner Kirchengemeinde für Bau und Finanzen. Ein Ehrenamt, dass der Harderoder gern übernommen hat – war er doch während seines Berufslebens beim BHW immer mit Finanzen und Baubegutachtungen betraut. So beaufsichtigte er auch bereits die Kirchensanierung 2003, bei der die veraltete Elektroanlage erneuert und die einmaligen Deckenmalereien von 1870 im Kirchenschiff restauriert wurden.

Knapp eine halbe Million Euro werden die Bauarbeiten, die sich vermutlich noch bis Ende des Jahres hinziehen werden, kosten. Die Maßnahme wird finanziert über die Landeskirche. Renovierungskosten im Inneren des Kirchenschiffes sind von der Kirchengemeinde zu tragen.

Bis es zur kostspieligen Kirchensanierung kommen konnte, hat es acht Jahre Vorbereitungszeit gegeben, weiß Günter Unger zu berichten: Allein gut vier Jahre haben sich die Voruntersuchungen hingezogen. Drei bis vier Jahre haben dann die Genehmigungsverfahren gedauert. Angesichts der Tatsache, dass in Harderode nur rund 350 Einwohner leben, überrascht, mit welchem auch finanziellen Riesenaufwand hier eine kleine Dorfkirche erneuert wird, während sich die Kirche anderswo von seinen Gotteshäusern trennt. Für Baubeauftragten Unger zeigt sich in Harderode, dass zum einen aktive Leute in der Kirchengemeinde, zum andern aber auch Beharrlichkeit beim Bemühen um den Erhalt eines Gotteshauses zum Ziel führen.

Unger: „Man muss da dem kirchlichen Gebäudemanagement in Hildesheim schon beständig Druck machen.“ Und so komme es eben, dass man in der 350-Seelen-Gemeinde an Ith neben einer bald grundsanierten Andreaskirche auch noch ein eigenes Gemeindehaus und ein vermietetes Pfarrhaus im Besitz der Kirche habe. „Ohne aktive Leute in der Kirchengemeinde, die sich auch kümmern, wäre das nicht möglich“, meint der 78-Jährige, der sich selbst „mindestens zehn Stunden die Woche“ ehrenamtlich um die Kirchengebäude kümmert.



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