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Die rührende Geschichte von Josef und seinem kleinen Freund Quido

Auch für Hunde gibt es eine Reha

OSTERWALD. Die schönsten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben. Bester Beweis ist die Geschichte von Josef und Quido, deren erstes Kapitel in Tschechien beginnt und in Osterwald ein Happy End nehmen wird – voraussichtlich: Denn es geht bergauf mit Quido, der sich zur Reha in der Tierklinik am Osterwald befindet.

veröffentlicht am 03.10.2017 um 16:03 Uhr

In der Tierklinik am Osterwald wird Quido stationär betreut. Dr. Jan Bitter untersucht ihn täglich. Josef (rechts), Antje Meißner-Kupfer und Holger Szymanski freuen sich über Quidos Fortschritte. Foto: sto
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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Mit dem Fahrrad war Josefik Zdenek, genannt „Josef“, im Juli unterwegs in Richtung Norden. Er wollte seinem Freund Quido das Meer zeigen. Doch daraus wurde nichts. In Aurich kam es zu einem Verkehrsunfall. Quido, ein Zwergschnauzer-Mix, wurde von einem Auto angefahren und so schwer verletzt, dass der Tierarzt in Aurich dem erst sieben Monate alten Welpen keine Überlebenschance einräumte. Er riet, den Hund einzuschläfern. Der Besitzer war so verzweifelt, dass der Tierarzt den kleinen Quido an die Tierklinik in Oldenburg überwies – quasi als letzte Hoffnung.

Ein Freund des Hundebesitzers fuhr Hund und Herrchen dann mit dem Auto nach Oldenburg, wo Quido noch in der Nacht als Notfall eingeliefert wurde. Die Diagnose hätte für Josef kaum schlimmer sein können: Lungenblutung, schwerer Schock und Querschnittslähmung mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Eine CT-Diagnostik ergab den Befund „Bruch eines Brustwirbels“. Die Lungenfunktion jedoch verbesserte sich nach und nach, sodass Quidos Zustand zwar immer noch sehr kritisch war, sich jedoch stabilisierte. Josef klammerte sich an das Fünkchen Hoffnung wie an einen Strohhalm im Ozean. Quido war doch sein bester Freund, sein Partner, der ihn durch dick und dünn auf seinem Globetrotter-Leben begleitet, der sich mit ihm das Essen teilte und mit ihm unter Brücken schlief. Josef nämlich ist wohnungslos – was in dem Fall aber nicht gleichzusetzen ist mit obdachlos, denn: der gebürtige Tscheche hat ein Obdach, nämlich alle Länder, die er bereist. „Ich bin ein Vagabund, der sich in der ganzen Welt zu Hause fühlt“, betont der 49-Jährige, der, wie er sagt, acht Sprachen spricht. Vor mehr als 20 Jahren habe er sich entschieden, sein bürgerliches Leben in Tschechien aufzugeben und die Welt zu erkunden. Hunde waren meist seine treuen Begleiter.

In den Wintermonaten zieht es ihn in die südlichen Länder – wie einen Zugvogel, der sich rechtzeitig auf den Weg in warme Gefilde begibt. Im vergangenen Winter war es jedoch anders. Statt nach Spanien zu ziehen, einen Großteil seiner Reisen legt er samt Hund meist mit dem Fahrrad zurück, begab er sich in seine Heimat Tschechien. Für diesen Kurswechsel gab es einen Grund: „Meine Mutter lag im Sterben und ich wollte ihr in ihren letzten Lebensstunden nahe sein“, erzählt Josef. Die Mutter verstarb dann kurze Zeit später und Josef machte sich wieder auf den Weg in die weite Welt – mit einem jungen Welpen, den ihm ein Freund geschenkt hatte. Quido und Josef waren von nun an ein Gespann. Ihr Weltenbummler-Dasein führte die beiden auch nach Hameln und nach Holzminden. Josef nämlich verdient sich seinen kargen Lebensunterhalt mit dem Flötenspielen. Auf einem Flohmarkt in Holzminden hörten Antje Meißner-Kupfer und Holger Szymanski seine Musik und waren so begeistert, dass sie den Flötentönen folgten. Ähnlich ist es vermutlich auch den Kindern von Hameln gegangen, die dem Flötenspiel des Rattenfängers folgten – allerdings mit dem Unterschied, dass sie ins Verderben gezogen wurden. Antje Meißner-Kupfer und Holger Szymanski hingegen schlossen Freundschaft mit Josef, gaben ihm ihre Telefonnummer und versprachen, ihm zu helfen, sollte er irgendwann einmal in Not geraten.

Wer kann diesem treuen Hundeblick widerstehen? Foto: sto
  • Wer kann diesem treuen Hundeblick widerstehen? Foto: sto

Es dauerte nur wenige Wochen, da kam Josef tatsächlich auf ihr Angebot zurück. „Am späten Nachmittag des 18. Juli, es war ein Dienstag, rief er bei uns an und erzählte uns völlig verzweifelt, dass er dringend unsere Hilfe benötige, denn Quido sei nach einem schweren Verkehrsunfall halb tot“, erinnert sich Antje Meißner-Kupfer. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten fuhr sie nach Oldenburg und sorgte dafür, dass Quido nach seiner Entlassung aus der Klinik in fachgerechte Hände eines Tierarztes kam, der den Welpen in seiner Reha-Phase begleitete. Auf ihrer langen erfolglosen Suche nach einer fachkundigen Unterbringung stieß sie dann auf die Tierklinik am Osterwald, die sie durch Besuche mit ihren eigenen Hunden kannte. Dr. Jan Bitter war angetan von Quidos Schicksal und sagte sofort zu, sich um ihn zu kümmern.

„Seit dem 23. Juli ist Quido nun Patient bei Dr. Bitter und wird dort auch noch eine Zeit lang bleiben müssen“, so Antje Meißner-Kupfer. Tagsüber wird der Hund in der Klinik stationär betreut und erhält medizinische und physiotherapeutische Anwendungen. Zwischendurch geht Josef mit seinem Quido spazieren, und abends holt er seinen Freund in sein Quartier in Osterwald, das ihm Dr. Bitter besorgt hat. Morgens bringt Josef den Welpen dann wieder in die Klinik.

„Quido macht schon kleine Fortschritte“, freut sich der Tierarzt. Wenn auch die ersten Schritte des Hundes noch sehr wacklig seien, bestehe die Chance, dass sich sein Zustand weiter verbessere. Da Quido noch ein junger Hund sei, seien die Genesungschancen größer als bei einem älteren. Keine Frage – der kleine Quido steckt voller Lebenslust. Noch schleift er seine Hinterbeinchen bei der Fortbewegung hinter sich her, doch gut Ding will bekanntlich Weile haben. Da Josef allerdings mittellos ist, ist er auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Einen Teil der bisher angefallenen Kosten haben Antje Meißner-Kupfer und Holger Szymanski übernommen. Ihre Bemühungen, finanzielle Hilfe beim Tierschutzverein oder bei der Obdachlosenhilfe zu erhalten, waren erfolglos.


Spendenkonto: Die beiden Tierfreunde haben deshalb ein Spendenkonto eröffnet bei der SpardaBank Hannover eG, Stichwort: Josef & Quido“, Kontoinhaber: Holger Szymanski, Kontonummer: DE2425090 5000016104304. „Wir hoffen, durch Spenden einen Teil der Klinikosten bezahlen zu können“, so Szymanski.

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