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Vor 50 Jahren berichtete die Dewezet über den Verkauf der Coppenbrügger Braurechte

Als Bier noch in Eimer gefüllt wurde

COPPENBRÜGGE. Bier aus Coppenbrügge? Das gab es tatsächlich. Mehrere Jahrhunderte lang floss im Flecken gebrauter Gerstensaft in durstige Kehlen.

veröffentlicht am 12.02.2018 um 17:49 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts verlieh Graf Friedrich VI. von Spiegelberg seinem Residenzort Coppenbrügge die damals sehr wichtige Brau- und Marktgerechtsame. Ein Bierfass ziert seit 1617 sogar das Coppenbrügger Wappen. Das hölzerne Fass soll den Namen „Coppen“ erklären. Eine Kope hieß im Sächsischen Fass.

Im Februar 1968 berichtete die Dewezet über ein besonderes Bestehen. 100 Jahre zuvor hatte die Familie Holzapfel der Braugilde die Brauereigerechtsame und das Brauhaus an der Schlossstraße abgekauft.

August Holzapfel hatte dadurch das alleinige Braurecht erworben. Die Folge: Die Brauergilde löste sich auf. Zu der Zeit gab es noch 20 Brau-Interessenenten, die Holzapfel ablöste und alleiniger Braumeister im Ort war. Das Coppenbrügger Bier war danach ausschließlich ein dunkleres sogenanntes „Braunbier“. Das helle Bier bezog man nun aus der städtischen Lagerbierbrauerei in Hannover.

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Unter der Gewölbedecke des Hauses an der Schlossstraße lag der Bierkeller. Foto: fn
  • Unter der Gewölbedecke des Hauses an der Schlossstraße lag der Bierkeller. Foto: fn

Wie das Braunbier geschmeckt hat, weiß Jürgen Holzapfel nicht: „Da habe ich keine Ahnung. Es war aber ein obergäriges Bier, ein dunkles Lagerbier.“ Der 63-Jährige ist der Ur-Urenkel von August Holzapfel, jenem Braumeister, den die Coppenbrügger im Jahr 1839 aus dem Harz an den Ith holten.

Sonst weiß der Coppenbrügger allerdings einiges von seiner Familie und dem Brauhaus an der Schlossstraße zu erzählen. Auch davon, dass der zugezogene Brauer in eine reiche Bauernfamilie einheiratete. Um die 16-jährige Melusine Pflüger ehelichen zu können, bedurfte es einer Sondergenehmigung, sagt der Coppenbrügger.

Holzapfel ist noch im Besitz von etlichen Unterlagen seiner Vorfahren. Aus den ältesten Akten von 1670 könne man die Namen der Leute mit Braurechten entnehmen, sagt Jürgen Holzapfel. Belegt sei, dass es 1663 im Ort 44 Brauer mit mobilen Braupfannen gegeben hatte, die Bier für die Allgemeinheit brauen durften, berichtet Herbert Kleindiek vom Museumsverein Coppenbrügge. Auch Amtmann, Amtsschreiber, Pfarrer und Diakon durften sich einmal im Jahr ein „Extra-ordinaria-Gebräu“ für den Eigenbedarf brauen.

Im Jahr 1665 wurde von der Brauerei-Gilde ein eigenes Brauhaus errichtet – wahrscheinlich auf den Grundmauern eines beim großen Brand 1603 vernichteten Hauses, dass August Holzapfel 1868 erwarb.

Aus alten Unterlagen konnte Jürgen Holzapfel entnehmen, dass der Braukeller 1838 als baufällig beschrieben wurde. In den Folgejahren habe man eine Steinfassade vor die Gemäuer gesetzt, erzählt der Coppenbrügger. Um das Baumaterial aus dem Osterwalder Steinbruch nach Coppenbrügge holen zu können, musste noch Zoll bezahlt werden, konnte der Mann aus der Brauerfamilie nachlesen. Übrigens soll der gleiche Stein auch Fassaden des Berliner Reichstags zieren, fügt Holzapfel an.

Maschinen gab es noch nicht, als August Holzapfel sein Bier braute. „Nur durch harte Arbeit und Fleiß wurde das begehrte und wohlschmeckende Coppenbrügger Bier hergestellt. Auf dem schmalen Raume vor dem Brauhause wurden durch Pferde in stundenlangem Rundgang um einen Göpel das Schrotwerk und das Rührwerk der Brauerei getrieben. Die alte Malzmühle stand im Brauhaus“, stand 1968 in der Dewezet.

An bestimmten Tagen der Woche sollen die Coppenbrügger Einwohner für ihren Bedarf das köstliche Weizen- oder Braunbier in Kannen und Wassereimern geholt haben, war zu lesen. Holzapfel baute in den Felsen unter dem Ith einen Bier- und Eiskeller, in dem die vielen Holzfässer voller Bier kühl gelagert werden konnten, schrieb der Autor.

Aus dem Brunnen, aus dem die Brauer das Wasser für das Coppenbrügger Bier schöpften, sprudelt heute noch das kühle Nass. Er liegt direkt unter dem Brauhaus, in dem Jürgen Holzapfel wohnt. Als die Bierproduktion aufgegeben wurde, sei nach dem Zweiten Weltkrieg das „Nawinta“-Mineralwasser abgefüllt worden, sagt Jürgen Holzapfel.

Und später auch Limonade. Im alten Brauhaus habe man Sinalco hergestellt, weiß Jürgen Holzapfel zu berichten. August Holzapfels Ur-Urenkel sei selbst noch nach Detmold zur Zentrale des Brauseproduzenten gefahren, um Limo-Konzentrat zu holen, sagt er.

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