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Tenöre4you überzeugten nicht

Allein die große Geste bringt es nicht

SALZHEMMENDORF. Das Programm der Tenöre4you endete mit „Time To Say Goodbye“, was so viel heißt wie: „Es wird Zeit, Tschüss zu sagen“ – fürwahr.

veröffentlicht am 16.04.2018 um 14:17 Uhr

Toni Di Napoli und Pietro Pato in Salzhemmendorf. Foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Im etwa eineinhalbstündigen Konzert hatten Toni Di Napoli und Pietro Pato ihr Publikum mit einer Reihe von Liedern aus den Bereichen Film- und Popmusik, Musical und sogar Oper unterhalten. Unterstützt wurde ihr Gesang in der St. Margarethen-Kirche in Salzhemmendorf durch großes Orchester vom Band, was allemal hilft, stimmliche Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Denn als glanzvolle Tenöre erwiesen sich beide nicht, eher doch wohl als recht passable Schlagersänger.

Hinzu kamen diverse Videosequenzen, die sich hart an der Grenze zum Kitsch bewegten, zum Beispiel, wenn in biblische Gewänder gekleidete Personen in einem Palmenhain lustwandelten. Da waren Vergleiche unvermeidbar: Wenn Dean Martin, auf einem Barhocker sitzend, die Zigarette in der einen, das Whiskyglas in der anderen Hand, sein „That‘s Amore“ sang, dann war das gekonnt und hatte Stil. Wenn die „Tenöre4You“ beim gleichen Lied auf der Leinwand, mal mit, mal ohne modische Sonnenbrille, unter mediterraner Sonne verträumt an irgendwelchen historischen Gemäuern lehnen, dann wirkt das dagegen nur albern.

In dieser Art ging es auf eine Reise durch die Welt der schönen Klänge, wobei Toni Di Napoli und Pietro Pato mal als Duo, mal als Solisten die Reiseführer waren. Da versuchte sich Pietro Pato an „Let it be“ und konnte doch dem Vergleich mit den Beatles so gar nicht standhalten, da leuchtete beim „Memories“ auf der Leinwand erwartungsgemäß ein praller Vollmond hinter vorbeiziehenden Wolken hervor, was Toni die Napoli zwischendurch ein verzücktes „So schön!“ entlockte. Allein, der Zauber, den diese Arie aus dem Musical „Cats“ birgt, konnte nicht wirken, jedenfalls nicht bei Di Napolis Stimme. Die musste sich nicht nur wiederholt an den richtigen Ton „heranhangeln“, sondern klang, vornehmlich in höheren Lagen, quäkend oder, wie es eine Besucherin in der Pause ausdrückte, „durchaus entenhaft“.

Und dann war da noch der Ausflug ins Land der großen Oper, zu dem Di Napoli sich aufmachte, als er sich das „Nessum Dorma“ aus Puccinis „Turandot“ vornahm. Er hätte das besser gelassen, denn das hatte Maestro Giacomo nun wirklich nicht verdient! Allein die große Geste bringt es nämlich nicht, es braucht schon auch ein gewisses Maß an stimmlicher Sicherheit, wenn man das „Vincero“ in den
voll besetzten Kirchenraum schmettert.

Dem Publikum hat das Programm gleichwohl ganz offenkundig gefallen. Es belohnte die Sänger nach jedem Vortrag mit dankbarem Applaus. Und als noch Rocco Granatas Welthit „Marina“ als Zugabe erklang, kostete es die Gelegenheit, dieses Evergreen mit bereitwilligem und anhaltendem Klatschen zu begleiten, bis zur Neige aus.

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