weather-image
12°
Ithspatzen schieben heute ruhigere Kugel / Keine Kegel-Wettkämpfe mehr

Alle Neune am Biertisch

Coppenbrügge. Es gilt als eines der ältesten Ziel-Wurf-Spiele. Schon die alten Ägypter kannten es. Goethe und Schiller sollen es in ihrer Weimarer Zeit als schöpferische Pause genutzt haben. Wer weiß, vielleicht sind „Faust“ oder „Die Räuber“ der ruhigen Kugel zu verdanken, die ihre literarischen Väter bei deren Entstehung geschoben haben? Fakt jedoch ist, dass Kegeln fit hält, Spaß macht und die Gemeinschaft fördert. Für die „Ithspatzen“ Grund genug, mitzumachen. Der Coppenbrügger Kegelclub besteht seit 60 Jahren. In diesem Monat wurde Geburtstag gefeiert.

veröffentlicht am 01.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:21 Uhr

270_008_6443650_lkcs102_2906_1_.jpg

Autor:

Christiane Stolte
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Entstanden ist unser Club am Biertisch“, erinnert sich Gründungsmitglied Ernst Siegmann (82). Da einige erst 18 Jahre alt waren, nach damaligem Gesetz also noch nicht volljährig, hatten die bereits erwachsenen „Ithspatzen“ die schwierige Aufgabe, besorgte Mütter zu beruhigen. Diese nämlich hatten Angst, ihre Söhne könnten Alkohol trinken. Mit der Zeit aber wurden die Mütter ruhiger, merkten sie doch, dass der Kegelsport ihren Sprösslingen gut bekam. Ob sich der eine oder andere „Bub“ vielleicht doch hin und wieder ein Bierchen gegönnt hat, bleibt ein gut gehütetes Keglergeheimnis.

Kein Geheimnis hingegen ist der Name des Clubs. „Die Gründungsmitglieder waren damals noch sehr jung. Kleine Spatzen halt“, erklärt Karl-Adolf Grupe, seit 54 Jahren Kegelvater der Ithspatzen. Viele Kegelabende und unzählige Erinnerungen haben die Kegelbrüder zusammengeschweißt. „Auch Freud und Leid wird geteilt“, sagt Horst Wollenberg. Gern blicken die Männer auf ihre Fahrten ins Blaue zurück, denn sie lieben gemeinsame Ausflüge. Und noch eine weitere gemeinsame Liebe teilen die Kegelbrüder miteinander – die Liebe zur Zitronencreme. Auf einer Fahrt hatten sie nach einem guten Essen aus Jux zum Dessert einen Eimer Zitronencreme bestellt. Und? „Ob Sie es glauben oder nicht, der Wirt hat uns tatsächlich einen Eimer voll serviert“, plaudert Horst Wollenberg aus dem Nähkästchen der Kegelbrüder. Seine Mitstreiter lachen. Ja, das seien noch Zeiten gewesen!

Mittlerweile sind die Aktivitäten aus Altersgründen der meisten Kegler zurückgeschraubt worden. Auch Wettkämpfe gibt es nicht mehr. Gekegelt wird aber weiter. „Gut Holz“, solange es geht. Wem die sportliche Freizeitbeschäftigung aus Gesundheitsgründen zu anstrengend ist, nimmt trotzdem am regelmäßigen Kegeln in der Gaststätte „Philippi“ in Marienau teil. „Dabei sein ist alles“, betont Siegmann, der älteste Kegelbruder. Alle Neune sollen andere werfen. Er komme vorwiegend wegen der Geselligkeit. Alle sitzen an einem Tisch, plaudern, lachen, trinken ein frisch Gezapftes und schauen den Aktiven zu.

Das „Nesthäkchen“ in der Kegelrunde ist Otto Müller. „Die Kameradschaft möchte ich nicht missen“, betont der 60-Jährige. Gemeinsam mit Achim Greil führt er das sogenannte „Rügenbuch“, in dem Verstöße der Kegelbrüder, beispielsweise Schimpfwörter, notiert werden. Der „arme Sünder“ muss Buße tun, indem er eine Runde ausgibt. Mit einem dreimaligen „Gut Holz“ wird „Besserung“ geschworen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt