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Stationsapotheker fürs Krankenhaus

Alle Arznei-Gaben im Blick

COPPENBRÜGGE/HANNOVER. Schon als sich der unfassbare Umfang der Patientenmord-Serie eines Ex-Krankenpflegers in Delmenhorst und Oldenburg bloß erahnen ließ, plante Niedersachsen Maßnahmen für mehr Sicherheit in Kliniken. Das Krankenhaus Lindenbrunn in Coppenbrügge gehört zu den Vorreitern bei der Umsetzung.

veröffentlicht am 23.03.2018 um 15:18 Uhr
aktualisiert am 11.04.2018 um 12:29 Uhr

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Ein Sonderausschuss des Landtags suchte Schwachstellen. Ein neues Krankenhausgesetz soll bald in den Kliniken deutschlandweit erstmalig Stationsapotheker vorschreiben. Schon bevor diese Regelung durchs Parlament ist, hat das Krankenhaus Lindenbrunn reagiert: Seit Anfang dieses Jahres ist Dr. Ulrich Weißenborn, Fachapotheker für Klinische Pharmazie und für Arzneimittelinformation, in der Coppenbrügger Klinik tätig.

Weißenborn beginnt seinen Arbeitstag mit einem Rundgang durch die Stationen. Seine Präsenz zeigt Wirkung, heißt es: Pflegekräfte und Ärzte nähmen seine beratende Funktion zu Fragen rund um die Gabe von Arzneimitteln dankend in Anspruch. „Ein Arzt erhebt die Anamnese, legt die Behandlung fest, setzt Therapien an und verschreibt Medikamente. Danach setze ich ein“, erklärt Weißenborn. „Ich berate die Mitarbeiter im Hinblick auf die Einnahmezeiten, die Lagerung und die Art der Gabe.“ Patienten würden immer „multimorbider“, hätten also immer mehr Erkrankungen, für die sie viele Medikamente einnehmen müssen. Die Wechselwirkungen der verschiedenen Medikamente hat Weißenborn als Stationsapotheker stets im Blick und kann entsprechende Medikationsempfehlungen geben. Um zu sehen, welche Themen im Hinblick auf Medikamente für die Mitarbeiter wichtig sind, nimmt Weißenborn regelmäßig an Visiten teil. „So bekomme ich wichtige Hinweise und kann auf Grundlage dessen Fortbildungen anbieten“, erläutert er.

Der 65-Jährige stammt aus einer Apothekerfamilie und hat Pharmazie studiert. Er hat viele Jahre eine Krankenhausapotheke geleitet und war zuletzt bei der Apothekerkammer Niedersachsen für die Organisation der Fortbildung und für die Arzneimittelinformation zuständig. Zudem fungierte er als Referent für Arzneimitteltherapie bei der Ärztekammer. Friedhelm Albrecht, Mitglied der Krankenhausbetriebsleitung, betont: „Das Krankenhaus Lindenbrunn hat die Gelegenheit genutzt, sich bereits weit vor einer gesetzlichen Verpflichtung die Kompetenz eines erfahrenen Fachmanns zu sichern.“

Voraussichtlich im ersten Halbjahr dieses Jahres könnte das neue Krankenhausgesetz den Landtag in Hannover passieren. Bereits die rot-grüne Vorgängerregierung hatte eine Anpassung der Gesetzeslage geplant. Wegen der vorgezogenen Neuwahl hatte die Regelung aber nicht mehr verabschiedet werden können. Mit Stationsapothekern könnte ein ungewöhnlich hoher Verbrauch von Arzneimitteln schneller auffallen, so die Hoffnung.

Während die Apothekerkammer Niedersachsen die Einführung von Stationsapothekern unterstützt, warnt die Krankenhausgesellschaft vor zusätzlichen Kosten vor allem für kleinere Häuser. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Volker Meyer, meint: „Stationsapotheker können einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in Krankenhäusern leisten. Allerdings muss die Refinanzierung dieser Stellen sichergestellt sein und geprüft werden, ab welcher Krankenhausgröße die Einrichtung einer solchen Stelle sinnvoll und praktikabel ist.“

Ein neuer Prozess gegen den verurteilten Patientenmörder Niels Högel wird frühestens im Oktober beginnen. Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger wegen Mordes an 97 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt. Er soll seine Opfer mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Högel hat die Taten nach Angaben der Ermittler weitgehend gestanden. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation hatte das Landgericht Oldenburg den Ex-Pfleger bereits zu lebenslanger Haft verurteilt.



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