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Was verbirgt sich in dem „Dicken Turm“ der Coppenbrügger Burg?

Adventskalender Tür 7: Das Geheimnis der zugemauerten Tür

Bis Weihnachten wollen wir für Sie, liebe Leserinnen und Leser, Türen öffnen. Die Redaktion besucht Orte, die nicht für jedermann zugänglich sind und verrät das ein oder andere Geheimnis, das hinter dem Türchen steckt. Heute verraten wir, was sich einst hinter der zugemauerten Tür im „Dicken Turm“ der Coppenbrügger Burg befand.

veröffentlicht am 07.12.2017 um 06:00 Uhr

Burg Coppenbrügge Foto: Wal
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite

COPPENBRÜGGE. Anfang der 60er Jahre war da noch eine aus Brettern zusammengezimmerte Tür, die das Tor mit dem prächtigen Renaissancerahmen zum linken Turm der Coppenbrügger Burg verschloss. Heute ist dieses Tor mit massiven Steinquadern zugemauert, sodass es schon etwas schwieriger ist, hier für unsere Leser in der Adventszeit die Tür zu öffnen und Einblicke ins Verschlossene zu ermöglichen. Erste Hinweise auf die Frage, was sich hinter der zugemauerten Turmtür verbirgt, gibt jedoch der Coppenbrügger Lokal-Historiker Gernot Hüsam. Der ehemalige Lehrer ist Heimatforscher aus Leidenschaft und intimer Kenner der Coppenbrügger Burg.

Nach Hüsams Auskunft wurde der einstige Wehrturm bis zu seiner Zumauerung zuletzt als Eiskeller genutzt. Neben dem bis 1868 von der Brauergilde im Brauhaus im Ort produzierten Coppenbrügger Bier wurde nämlich in der Burg das sogenannte Grafenbier gebraut. Dazu gab es auf dem Burggelände neben einem Wasch- und Backhaus auch ein eigenes Brauhaus. Für diesen Eiskeller im „Dicken Turm“ waren aus diesen Wirtschaftsgebäuden bei deren Abriss einst Renaissance-Bauelemente wiederverwertet worden: Säulen, ein Türsturz mit der Jahreszahl 1512 und zwei welsche Bögen, die Sonne und Mond – Renaissancesymbole für Mann und Frau – zeigen. Mit diesen Bauelementen wurde der Türdurchbruch verziert.

Sonst hat der Turm – einst Unterbau für einen Fachwerküberbau mit dem großen Saal der Burg – nur Schießscharten, die bis heute geöffnet sind. Dieser Eiskeller für das Grafenbier war wahrscheinlich nach dem Dreißigjährigen Krieg eingerichtet worden, als die Burg nicht mehr militärisch genutzt wurde. Er war solange in Betrieb, wie auf dem einstigen Herrensitz ein Amtmann residierte. Mitte der 60er Jahre war der Turm dann so baufällig geworden, dass er saniert werden musste. Da der Eiskeller aber nicht mehr gebraucht wurde, wurde seine Tür – nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen – gleich mit zugemauert.

Heute zugemauert: Die Tür zum früheren Eiskeller. Foto: Hüsing
  • Heute zugemauert: Die Tür zum früheren Eiskeller. Foto: Hüsing
Ein Blick in den früheren Eiskeller, der sich im „Dicken Turm“ befand. Foto: Hüsing
  • Ein Blick in den früheren Eiskeller, der sich im „Dicken Turm“ befand. Foto: Hüsing
In den 60er Jahren führte noch eine Brettertür in den Turm. Foto: Hüsing
  • In den 60er Jahren führte noch eine Brettertür in den Turm. Foto: Hüsing
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Heute zugemauert: Die Tür zum früheren Eiskeller. Foto: Hüsing
Ein Blick in den früheren Eiskeller, der sich im „Dicken Turm“ befand. Foto: Hüsing
In den 60er Jahren führte noch eine Brettertür in den Turm. Foto: Hüsing
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Als 1987 der im 13./14. Jahrhundert erbaute Turm immer maroder wurde und die Statik nicht mehr gewährleistet war, zog man oben eine Betondecke ein, um das Bauwerk zusammenzuhalten: Der Turm war damit versiegelt und verschlossen. Coppenbrügges Bauamtschef Jürgen Krückeberg weiß zu berichten, dass der Turm bereits zum Teil mit Schutt verfüllt ist. Nur über ein Gittertürchen an der Wallseite sei noch ein Blick in das marode Bauwerk zu werfen. Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka erinnert sich, dass man mal daran gedacht habe, den Turm für kulturelle Zwecke umzubauen – aber das Geld fehlte. Nach Hüsams Erinnerung hat man bei dieser Maßnahme selbst die Gerüste im Inneren einfach stehen lassen.

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