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Befehle aus dem Steuerkasten

Adventskalender Tür 11: Die Elektronik im Rasti-Land

BENSTORF.Mit Beginn des Monats Dezember und bis Weihnachten wollen wir für Sie, liebe Leserinnen und Leser, Türen öffnen. Die Redaktion besucht Orte, die nicht für jedermann zugänglich sind, und verrät das ein oder andere Geheimnis, das hinter dem Türchen steckt. Heute: Ein Blick hinter die Kulissen des Rasti-Lands – gibt es einen Technikraum?

veröffentlicht am 11.12.2017 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 11.12.2017 um 11:15 Uhr

Detlef Thamm öffnet die Tür zu einem der Steuerkästen. Foto: joa
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite

Fragt man Detlef Thamm, den verantwortlichen Elektro- und Sicherheitsingenieur im Rastiland nach dem Technikraum im Freizeit- und Erlebnispark, dessen Tür er uns doch mal Bitteschön für unsere Adventsserie öffnen möchte, so zuckt er mit den Schultern; denn so eine zentrale Steuerung gibt es für die mehr als 35 Fahrgeschäfte, die als Attraktionen in dem 160 000 Quadratmeter großen Parkgelände in der ehemaligen Kriesgrube bei Benstorf neben der B1 stehen, nicht. Die rasanten oder romantischen Fahrten in Wildwasser-, Rafting und Einschienenbahn, in Rundbooten oder Riesen-Schiffsschaukel werden per Einzel-Steuerschränke mit Speicherprogrammen und Microprozessoren gelenkt. Wobei die Technik des Parks, der seit der Eröffnung im Juli 1973 in Besitz der Familie Ratzke ist, seit Anfang der 70er Jahre eine rasante Entwicklung ins Elektronik-Zeitalter mitgemacht hat.

Denn zu Beginn der Anlage, die vom Architekt und Bauingenieur Ludwig Ratzke anfangs mit nur vier Attraktionen in den Park im Western-Stil gebaut wurde, waren Spaß und Illusion „noch ganz von Hand gemacht“: Die heute noch fahrende Western-Eisenbahn wurde damals wie heute mit einem Käfermotor angetrieben. Die Gocarts hatten kleine Benzinmotoren. Oldtimerautos liefen Strom betrieben auf Schienen und im Bootskanal fuhren Bötchen mit batteriebetriebenem Einzel-Schraubenantrieb. Verbrennungs- und Elektromotoren waren die ersten Spaß-Antriebe.

Mit herkömmlichem Mechanik-Antrieb wurde dann 1991 die Achterbahn gebaut. Doch auch hier setzte man im Rastiland bereits auf neueste Ingenieurkunst. So werden die Wagen nicht mehr mit wartungsintensiven Ketten in die Höhe gezogen, sondern mit geräuscharmen Reibrädern an den Schienen hoch gehievt .

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1997 folgte dann die gruselige Piratenfahrt. Hier kamen im Rastiland erstmals Lichtschranken und ein elektronisches Steuerprogramm zum Einsatz. Das sorgt mit Luftdruck auf die Sekunde genau dafür, dass ein Damm und ein Tragbalken bricht, ein Faß auf den Wagen zurollt, ein Vulkan ausbricht.

2002 war dann die Zeit der handgemachten Illusionen im Rastiland endgültig passe: Mit der Rafting-Anlage im Reich des T-Rex starteten die Ratzes ihre bislang zweitgrößte Investition und investierten 2,85 Millionen Euro in eine gigantische Wasserinszenierung: Drei Mega-Pumpen und eine Ersatz-Pumpe sorgen im Bauch der 380 Meter langen Bahn dafür, dass 4500 Liter Wasser in der Sekunde umgewälzt werden. Insgesamt sind hier 1,1 Millonen Liter im Wasserkreislauf. Ein Strudel im Strömungslauf sorgt für eine erhöhte Fahrt-Geschwindigkeit von 7,5 Meter pro Sekunde.

Ganzer Stolz der Rastiland-Betreiber und von Ingenieur Thamm ist aber die modernste Technik der Bobkartbahn Blizzard. Die bereits 1998 in Betrieb genommene Bahn, die in einer metallenen Halbröhre zu Tal saust, und bei der die Fahrer das Tempo von vier bis 40 Stundenkilometer selber bestimmen können, ist vor zwei Jahren mit einem hochmodernen WLAN-Sicherheitssystem nachgerüstet worden. Wurden Auffahr-Unfälle auf der Bahn bislang über Sensoren im Schienensystem verhindert, Werden die Positionen der strombetriebenen Bobcarts jetzt zusätzlich über WLAN-Rechner registriert und auf einem Bildschirm angezeigt. Wird zu eng aufgefahren, wird automatisch der Sicherheitsabstand korrigiert. Und für alle Fälle gibt es da auch noch den roten Notknopf an Steuerpult in der Überwachungszentrale der Bobbahn. Detlef Thamm: Das ist jetzt wirklich die hochwertigste Anlage, die wir im Park haben.“

Auf modernstem technischen Stand sind da die beiden Hallen von Kids-Dinoword – 2005 und 2017 als teuerste Investition des Parks für 3,2 Millionen Euro hochgezogen und mit modernster interaktiver Elektronik ausgestattet. Hier kann man unter Schwarzlicht mit Sound-Effekten Minigolfen und Minibowlen oder auf eine elektronische Torwand schießen, wobei sogar die Geschwindigkeit des Schusses gemessen wird. Und mindestens hier dürfte sich angesichts nur noch schachtelgroßer Steuerungselektronik die Frage an den Rastiland-Ingenieur nach einer Tür zum Technik-Raum endgültig erübrigt haben; auch wenn der mit Blick auf den gesamten Park für den Laien zusammenfasst: Unsere fünf Antriebsarten funktionieren großteils immer noch mit Luft, Wasser, Benzin, Hydrauliköl und Strom.

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