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Unterwegs im Ostkreis

Abschluss der Sommer-Tour: Käfer trifft Pferd

Zwölf Mal sind wir in den Sommerferien von der Redaktion mit dem über 50 Jahre alten Dewezet-Käfer in die Weltgeschichte gedüst. Wir sind genau dorthin gefahren, wo unser Dartpfeil auf die Landkarte getroffen hatte. Pure Zufallsbegegnungen haben wir gesucht – wunderbare Orte haben wir gesehen, tolle Menschen getroffen, schöne Geschichten zum Weitererzählen gehört. So wie zum Abschluss unserer Aktion in Lauenstein und Hemmendorf, an der Biogasanlage und auf dem Rittergut Hofspiegelberg.

veröffentlicht am 09.08.2018 um 07:15 Uhr
aktualisiert am 09.08.2018 um 10:41 Uhr

Wenn das mal nicht schön ist: Auf dem Rittergut Hofspiegelberg grasen die Pferde – 25 sind es insgesamt, die dort ein Zuhause haben. Foto: Dana
Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Es ist schon totale Passion, das muss man leben wollen und mögen“, sagt Moritz Ehle – und lässt dabei lächelnd seinen Blick über Felder, Wiesen und Koppeln schweifen. Der gut gelaunte Mann in seinem dunkelgrünen Hilfiger-Polo und den von der Arbeit schmuddeligen Shorts weiß, wovon er spricht. Ehle verantwortet als Besitzer in fünfter Generation das Familienerbe, das Rittergut Hofspiegelberg. Sein Ur-Ur-Großvater hatte die frühere Domäne 1887 gepachtet, sein Urgroßvater kaufte das Anwesen 1911, seit 2008 leitet Moritz Ehle das Gut, das Unternehmen, die Familie. 290 Hektar Land gehören zum Hofspiegelberg, davon sind 50 Hektar Wald. Ehle ist ein moderner Landwirt: Neben der eigenen Ackerwirtschaft, einer 2011 gebauten Biogasanlage, der eigenen Forstwirtschaft inklusive Brennholzverkauf und Jagdrecht und einer Pferde-Pension kann man sich auf dem Rittergut sogar das Ja-Wort geben. So abwechslungsreich dies alles klingt, so fordernd ist es andererseits aber auch.

Auf die Frage, wie er denn am liebsten abschaltet, antwortet der vierfache Vater: „Wenn man mal wirklich nix zu tun haben will, dann muss man für ein paar Tage von hier abhauen. Sonst wird das nichts. Ein gemütliches Wochenende im Garten funktioniert nicht, irgendwo bastelt man dann immer rum.“ Zu tun gebe es ja schließlich immer etwas. Und wenn er zu Hause sei, dann finde er auch immer etwas. Und so kann der 38-Jährige über Dinge wie „Freitag 16 Uhr Feierabend“ nur müde lächeln. So etwas gebe es in der Landwirtschaft nicht – „das kennen wir nicht“. Auf der anderen Seite gebe es die Winter: „Da sitzt ein Landwirt viel im Büro, da wird man aber rammdösig dabei.“

So einer wie Ehle, der will, ja, der muss geradezu am besten immer draußen sein. An der Luft, in der Natur, auf dem Feld, was um die Ohren haben, sich kümmern, organisieren, vorausschauen, machen. Einfach machen. Drei Mitarbeiter haben die Ehles und dazu noch einen Lehrling. Die vier und die Familie stemmen alles, was mit dem Hof zu tun hat. Moritz Ehle, seine Frau Sophie, die Frau Mama, die Kinder je nach Alter. Aber anders, anders als genau so, will das hier niemand. Ehle: „Vor vielen Jahren habe ich mal ein Praktikum bei der NordLB gemacht. Das war ja ganz schön, so am Schreibtisch, sauber und mit Fenster. Aber nee … das war es nicht wirklich. Das hier will ich.“

Wo der Pfeil steckt, geht’s hin: aufs Feld bei Lauenstein. Foto: Dana
  • Wo der Pfeil steckt, geht’s hin: aufs Feld bei Lauenstein. Foto: Dana
Moritz Ehle zeigt’s: Hier leben die Pferde vom Hofspiegelberg. Foto: Dana
  • Moritz Ehle zeigt’s: Hier leben die Pferde vom Hofspiegelberg. Foto: Dana
Tradition trifft Moderne: Der über 50 Jahre alte Dewezet-Käfer besucht eine Biogasanlage. Foto: Dana
  • Tradition trifft Moderne: Der über 50 Jahre alte Dewezet-Käfer besucht eine Biogasanlage. Foto: Dana
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Wo der Pfeil steckt, geht’s hin: aufs Feld bei Lauenstein. Foto: Dana
Moritz Ehle zeigt’s: Hier leben die Pferde vom Hofspiegelberg. Foto: Dana
Tradition trifft Moderne: Der über 50 Jahre alte Dewezet-Käfer besucht eine Biogasanlage. Foto: Dana
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Und da man eine Landwirtschaft am besten entweder ganz oder gar nicht macht, hat sich Ehle seinerzeit für Tradition und Trecker entschieden. „Nur dann kann man ein solches Gut auch weiterentwickeln. Eine seiner Entwicklungen ist der Bau einer Biogasanlage gewesen. „Wenn man als Landwirt die Wertschöpfungskette erweitern möchte, dann muss man auch neue Wege gehen.“ Und so ist die Erzeugung von Methangas seit einigen Jahren eben ein neues wirtschaftliches Standbein des altehrwürdigen Hofes. Mais, Gülle und Hühnerkot kommen gemixt in die Anlage hinein, der natürliche Gärungsprozess produziert einerseits Biogas als Energiequelle und andererseits Güllereste für die Felder. Ehle: „Das ist ein guter Prozess, wir nehmen organische Stoffe, entziehen ihnen Energie und mit den Nährstoffen düngen wir die Äcker. Das ist allemal besser, als chemischen Dünger aus der Fabrik zu benutzen.“

Entdecken Sie alle Teile der Käfer-Serie (Für die Storys klicken Sie auf die Spots in der Karte oder öffenen Sie das Menü rechts unten)

Natur statt Chemie. Das unterschreiben auch Stadtmenschen. Einen Rochus hat Ehle dann allerdings doch – und zwar auf politische Hauptstädter: „Ich verstehe nicht, dass der Bauernverband bei Ernteausfällen wie jetzt bei der Hitzeperiode sofort wieder nach Geld schreit. Wir Landwirte sind stinknormale Unternehmer, da müssen wir in schlechten Situationen auch mal den Hintern zusammenkneifen. Sonst kommen wir Bauern nicht aus unserem schlechten Image heraus.“ Scheint so, als musste das auch mal gesagt werden. Der kleine Ärger ist dann aber auch schnell wieder verflogen. Und die gelassene, fröhliche Ruhe schwebt wieder über Rittergut Hofspiegelberg.

Online: Lesen Sie alle zwölf Folgen von „Käfer-trifft …“ im Internet unter dewezet.de



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