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Erschreckend aktueller Roman zum Abschluss der Coppenbrügger Lesewoche

Abgründe der deutschen Provinz

COPPENBRÜGGE. Mit Pferden, neurotischen Ehepartnern, aufsässigen alten Damen, einem vegetarischen Krokodil, tollkühnen Fliegern, einem Fliedertee verordnenden Wun- dermann aus Völksen und anderen literarischen Kuriositäten war die „18. Coppenbrügger Lesewoche“ bestens gefüllt. An immer anderen Orten wurden die Zuhörer mitgenommen auf eine Reise in die weite Welt der Literatur. Insgesamt folgten gut 500 „Passagiere“ der Einladung. „Diese Zahl übertrifft die Lesewochen der vergangenen Jahre um 50 bis 100 Zuhörer“, bilanziert Initiator Heiner Stender.

veröffentlicht am 13.06.2016 um 18:11 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:45 Uhr

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Autor:

Christiane Stolte
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Zum Abschluss der sechstägigen Veranstaltung der 1997 ins Leben gerufenen Kulturinitiative „Unser Dorf liest“ hatten die Besucher das Vergnügen, den Schriftsteller Henning Ahrens kennenzulernen. Er las auf dem Hof Rasch in Coppenbrügge aus seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Glantz und Gloria“. „In der Landwirtschaft aufgewachsen, fühle ich mich an diesem Veranstaltungsort fast wie zu Hause“, betonte der 1964 in Klein Ilsede bei Peine geborene Autor. Der Roman spielt in dem fiktiven Ort „Glantz im Düster“. Auch wenn es ähnlich klinge: Der Deister sei mit Düster nicht gemeint, so Ahrens zu Beginn seiner unterhaltsamen Lesung. Rock Oldekop, die Hauptfigur, kehrt nach 40-jähriger Abwesenheit in seinen Heimatort zurück. Er möchte herausfinden, was sich in der Nacht, als seine Eltern bei einem Brand ums Leben kamen, wirklich zugetragen hat. Damals war er fünf Jahre alt. Bei seiner Recherche gerät er immer tiefer in einen wahnwitzigen rasanten Albtraum. Er steigt hinab in die Abgründe deutscher Provinz und kämpft gegen die Brutalität und die Fremdenfeindlichkeit des Glantzer Mobs – was dem Roman einen aktuellen Bezug gibt. Auch eine verzwickte Liebesgeschichte hat Ahrens seinem Roman einverleibt.

Die gut besuchte Abschlussveranstaltung der Lesewoche mit Musik von Thomas Seidel und Melany Ratsak war verbunden mit der Feier zum 70-jährigen Bestehen des Buchladens Stender. Der Buchhändler und Sprecher von „Unser Dorf liest“ ist seit 18 Jahren Motor und Organisator der Lesewochen, die in dieser Form weit und breit einmalig sind. „Dass sich die Veranstaltungsreihe einmal zu solch einem Dauerbrenner entwickeln würde, ahnten wir damals nicht“, sagt Stender. Bei der Gestaltung der Leseabende wurde Stender wieder unterstützt von Gudrun Kreibaum aus Bisperode und Ernst Wöbbeking aus Marienau.

Der Reiz der Lesewochen besteht nicht nur in der Auswahl der Literatur – auch die jeden Tag wechselnden Veranstaltungsorte tragen dazu bei. Diesmal wurde sogar auf einem Pferdehof und auf dem Segelflugplatz in Bisperode gelesen. Das immer wieder gehörte Fazit von Besuchern: „Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!“



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