weather-image
16°

Vereine beklagen Zustand der Eppershalle – und Gerangel um Zuständigkeiten

„40 Jahre ohne Pinselstrich“

Bisperode. Die „Sonne“ ist verkauft; der Interessent für den „Kammerkrug“ hat sich nach Kenntnisnahme der notwendigen Umbaumaßnahmen im Rahmen der aktuellen Brandschutzauflagen zurückgezogen. Die endgültige Schließung der beiden Traditionsgaststätten macht den demografischen Wandel für die Bisperoder nicht leichter: Für private Feierlichkeiten steht aktuell und ohne Aussicht auf Besserung in naher Zukunft nur das Gemeindehaus zur Verfügung – und selbst das nur, soweit nicht von kirchlichen Gruppen belegt. Alternative Nummer drei, die Wilhelm-Eppers-Halle, bis 1978 Turnhalle der ehemaligen Schule, steht seit Jahren nach altem Ratsbeschluss ausschließlich für Vereinsaktivitäten zur Verfügung.

veröffentlicht am 15.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 17:21 Uhr

270_008_6263138_lkcs108_1503.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Und auch dort gibt es ernsthafte Probleme. „Es sieht ganz schlecht aus in Bisperode, was Räumlichkeiten für Geselligkeit betrifft“, sagt Manfred Sohns, „so schlecht wie noch nie und schlechter als in allen anderen Ortsteilen.“ Der Vorsitzende des Shanty-Chores zeigt in der Eppershalle auf die vergilbten, abgeplatzten Tapeten, die jetzt zur Hochsaison der Jahreshauptversammlungen der Vereine gern hinter großflächiger Dekoration versteckt werden. „Vor etwa 40 Jahren wurde hier zum letzten Mal gestrichen, geklebt, gemalert, eine neue Decke eingezogen, ein neuer Fußboden verlegt, Heizkörper installiert, Thekenanlage und Küche eingebaut – alles ist 40 Jahre alt und das sieht man der Halle auch an!“ Sie sei deutlich „in die Jahre gekommen“. Vier Jahrzehnte ohne jeglichen Pinselstrich von Vereinen wie dem Shanty-Chor, der Feuerwehrkapelle, den Western-Dancern aus Herkensen, den Landfrauen – zum großen Teil mehrmals wöchentlich oder bei Jahreshauptversammlungen genutzt und abgenutzt, noch verstärkt seit dem vergangenen Jahr, als „Sonne“ und „Kammerkrug“ als Probenraum ausfielen. Insbesondere der Sanitärbereich präsentiere sich nach übereinstimmender Meinung aller Bisperoder Vereinsvorstände geradezu bedenklich: „Für bis zu 90 Besucher in der Eppershalle

gibt es eine einzige Toilette für Damen, eine einzige Toilette nebst Urinal für Herren, beides im Standard der 1970er Jahre – das ist weder tragbar noch zeitgemäß und unseren Gästen nicht zumutbar.“ Und das, obwohl der 78-jährige Altbürgermeisters Günther Eickstädt sich bemühe, die Toiletten durch häufiges, gründliches Putzen sehr sauber zu halten. Es bestehe aus Sicht der Bisperoder Vereine dringlichster Sanierungs- und Handlungsbedarf, auch im Vergleich zu anderen Dorfgemeinschaftshäusern im Flecken, betont Sohns.

„Die Bisperoder Vereine können und wollen gerne ehrenamtliche Manpower mit jeder Menge handwerklichem Know-how für die notwendige Sanierung liefern. Aber Geld haben wir nicht.“ Die Gemeinde wisse sehr wohl, dass die Bisperoder Vereine seit Jahresbeginn mit aufgekrempelten Ärmeln in den Startlöchern stünden. Die Bereitstellung der finanziellen Mittel für Planung, Materialkosten und Versicherungen sei ihre Sache. „Wir warten auf ein Gespräch am runden Tisch mit Verwaltung, Politik und Vereinen; die Einladung ist Sache des Ortsbürgermeisters!“

Das Problem: Die von Vereinen genutzte Eppershalle ist Kommunalbesitz. Während jedoch in anderen Ortsteilen Dorfgemeinschaftshäuser mithilfe der verantwortlichen Dorfgemeinschaften saniert und unterhalten werden, ist dies ohne Einnahmen aus Privatvermietungen der Eppershalle sowie einer fehlenden organisierten Dorfgemeinschaft in Bisperode so nicht möglich. „Wir haben zwar eine tolle Gemeinschaft unter den Vereinen“, stellt Sohns fest, „aber solange wir, wie in den kleineren Orten, keine strukturierte Dorfgemeinschaft der Vereine unter einem Dach haben, die dieses Haus in eigener Regie und mit einem Kümmerer übernimmt. Solange wird sich an unserem Problem nichts ändern!“ Erstes Nahziel, so Sohns, müsse daher die Finanzierungszusage der aktuell anstehenden Sanierung seitens der Kommune sein, bei ehrenamtlichem Einsatz in der Ausführung.

Für die weitere Zukunft sei es zweitens unerlässlich, dass sich die Bisperoder Vereine, wie in anderen Ortsteilen auch, unter einem handlungsfähigen Dachverband mit Verantwortung für die Eppershalle zusammenfinden. Und drittens müsse auch das Thema Privatvermietung auf den Prüfstand.

„Ein alter Beschluss, an dem seitens Politik und Verwaltung einverständlich eigentlich nicht gerüttelt werden sollte“, sagt Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka. Wenn sich die Problematik allerdings zuspitze, müsse darüber gesprochen werden. Ein Gespräch am runden Tisch ist für das Frühjahr geplant.

„Wir sind gespannt“, sagt der Shanty-Chorvorsitzende, „aktuell aber auch irritiert.“ Denn als weniger bis gar nicht problematisch wird vor allem die Sanitärsituation der Eppershalle im Ortsrat beurteilt: Als Teil des ehemaligen Schulkomplexes stünden Besuchern zwei weitere WC-Anlagen „über den Hof“ zur Verfügung.

Der Arbeitskreis Dorfgemeinschaftshäuser, so Hartmut Greve (SPD), habe den Eindruck gewonnen, dass die sanitäre Ausstattung derzeit ausreichend wäre. Ortsbürgermeister Andreas Voß (CDU) warnt vor allzu hochgelegtem Anspruchs- level. Sohns dazu: „Und ich dachte, auch bei uns hätten wir die Zeiten der Toilette ‚über den Hof‘ mittlerweile hinter uns gelassen.“ist

Die von Vereinen genutzte Eppershalle ist in Besitz der Gemeinde. Nicht nur Manfred Sohns klagt über vergilbte und abgeblätterte Tapeten.Wal/ist



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?