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25 Jahre, die ihr Leben bereichert haben

Brünnighausen (ran). „Es war absolut eine Bereicherung“, sagt Marion Schaper-Huisgen im Rückblick auf 25 Jahre als gesetzliche Betreuerin im Ehrenamt. Deshalb nimmt sie es dem Sozialarbeiter auch längst nicht mehr übel, der ihr damals das Amt eher aufdrängte als antrug. „Ehrenamtliche Betreuer wurden händeringend gesucht“, erzählt Marion Schaper-Huisgen, die selbst Sozialarbeiterin war, nach ihrem einjährigen Berufspraktikum schwanger und in Mutterschutz. „Du machst das jetzt“, hieß es da, „du hast ja jetzt Zeit.“

veröffentlicht am 09.10.2009 um 16:21 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 21:21 Uhr

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Brünnighausen (ran). „Es war absolut eine Bereicherung“, sagt Marion Schaper-Huisgen im Rückblick auf 25 Jahre als gesetzliche Betreuerin im Ehrenamt. Deshalb nimmt sie es dem Sozialarbeiter auch längst nicht mehr übel, der ihr damals das Amt eher aufdrängte als antrug. „Ehrenamtliche Betreuer wurden händeringend gesucht“, erzählt Marion Schaper-Huisgen, die selbst Sozialarbeiterin war, nach ihrem einjährigen Berufspraktikum schwanger und in Mutterschutz. „Du machst das jetzt“, hieß es da, „du hast ja jetzt Zeit.“ Auch bei der förmlichen Bestallung am Gericht räumte man ihre Bedenken beiseite: „Ach, das macht gar nicht soviel Arbeit.“ Im Nachhinein kann Schaper-Huisgen dem sogar zustimmen, viel Arbeit war es wirklich nicht.
 Vor der ersten Begegnung mit dem damals 19 Jahre alten mehrfach schwerstbehinderten Dirk in der Diakonie Himmelsthür, um dessen Angelegenheiten sie sich nun kümmern sollte, scheute sie sich jedoch. Zum ersten Mal schwanger, habe sie große Angst davor gehabt, selbst ein Kind mit Behinderung zur Welt zu bringen, berichtet Marion Schaper-Huisgen. Den ersten persönlichen Kontakt nahm deshalb ihr Mann Michael Huisgen auf, der sie auch später immer in ihrem Amt unterstützte.
 Nach der Geburt des ersten Kindes gab es keine Berührungsängste mehr. Im Gegenteil: Die Besuche bei Dirk wurden stets zu einem Familienausflug. Drei Kinder hat Marion Schaper-Huisgen bekommen, die von Brünnighausen immer gern mitfuhren – zuerst zum Haus Harderode, später zum Haus Pyrmont. Dort tobten sie in den Außenanlagen herum und kannten nie eine Scheu vor Menschen mit Behinderung. „Er ist so ein hübscher und liebenswerter Junge“, sagt Schaper-Huisgen über Dirk. Der inzwischen 44-Jährige kann zwar aufgrund seiner Behinderungen nicht mit ihr sprechen, äußert jedoch lebhaft seine Gefühle, besonders die Freude über den Besuch von Bekannten. Verwandte, die sich um ihn kümmerten, gab es nie. Ihre Aufgabe wurde der gesetzlichen Betreuerin sehr dadurch erleichtert, dass sie sich auf eine Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Diakonie Himmelsthür verlassen konnte. Inzwischen sei Dirk in das nagelneue Haus Lydia in Bad Pyrmont umgezogen, habe ein liebevoll eingerichtetes Zimmer, eine feste Tagesstruktur und vertraute Menschen um sich. Die gewohnte Umgebung zu verlassen, verunsichert ihn, anfängliche Ausflüge haben die Huisgens deshalb rasch aufgegeben.
 Im Rückblick auf die 25 Jahre erinnern sich Marion Schaper-Huisgen und ihr Mann besonders gern an die Feste in der Einrichtung. Dann nahmen sie Dirk den ganzen Nachmittag mit zu Rundgängen über das Gelände, kamen mit anderen Betreuern ins Gespräch.
Bei Entscheidungen
vertraut sie ihrem Gefühl

 Inzwischen werden für Dirk häufiger Krankenhausaufenthalte notwendig. Da sei es schon wichtig, dass der Patient einen Fürsprecher im Hintergrund habe, hat Marion Schaper-Huisgen festgestellt. Da sie berufstätig ist, ein Haus mit großem Garten und eine Familie zu versorgen hat, kann sie ihn allerdings nicht täglich besuchen, um ihm die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. „Aber das Krankenhaus ist ja ganz in der Nähe von Haus Lydia. Die Mitarbeiter gehen jeden Tag zu ihm.“
 Wenn sie Entscheidungen treffen muss, die Dirks Gesundheit betreffen, wünscht sie sich manchmal, sie könnte mit ihm sprechen, um hundertprozentig in seinem Interesse zu handeln. Doch so muss sie sich auf den Rat der Ärzte und ihr eigenes Gefühl verlassen. Immerhin kennt sie Dirk ja schon seit 25 Jahren.

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