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Anna Strüver blickt an ihrem 100. Geburtstag zurück / Ungewöhnlich lange Vereinszugehörigkeit

1935 zum DRK – als wäre es gestern gewesen

Oldendorf (top). Mit Bedacht lehnt sich Anna Strüver in ihrem großen, weich gepolsterten Sessel zurück. Ein leichter Windzug geht durch den Raum, als sich die Tür öffnet und ihr Enkel Frieder den Raum betritt. „Hallo Oma“, sagt der Oldendorfer, und beide lächeln. Was wie eine selbstverständliche Begrüßung wirkt, ist doch etwas Besonderes. Anna Strüver feiert heute ihren 100. Geburtstag.

veröffentlicht am 22.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:41 Uhr

Anna Strüver als „Nesthäkchen“ mit ihrer Mutter (li.
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In Rheden, einem kleinen Ort an der Leine, wurde sie geboren. Auf einem alten Bauernhof mit Milchkühen und Rindern verbrachte sie im Kreis ihrer zwei älteren Schwestern eine schöne, wenn auch arbeitsreiche Kindheit. „Die Kühe wollten gemolken oder gefüttert werden. Zudem stand für uns Kinder auch schon in jungen Jahren die Hilfe im Haushalt auf dem Plan“, erinnert sich die Pferdeliebhaberin und sieht dabei aus dem Fenster. Ein Blick in ihre braun-grünen Augen lässt einen in die Vergangenheit reisen, und nicht nur die Augen, sondern auch die Mimik der Jubilarin erzählen von ihrer bewegenden Geschichte. Schließlich sei es nicht immer einfach gewesen, den für damalige Zeiten großen Hof zu bewirtschaften.

Bei einem Tanzvergnügen der Landwirtschaft in Hameln lernte Anna Strüver während ihrer Ausbildungszeit ihren zukünftigen Mann Friedrich kennen. Liebe sei es nicht sofort gewesen, dafür aber von Beginn an Sympathie und eine gute Freundschaft. Die Gefühle wurden intensiver, und 1933 stand die Hochzeit ins Haus.

Anna Strüver zog auf den landwirtschaftlichen Hof ihres Mannes nach Oldendorf, kurze Zeit später kamen ihre Söhne Friedrich und Alfred zur Welt. Doch der 1910 Geborenen war es nicht nur wichtig, füreinander da zu sein und für die Familie zu leben, sondern sich auch für soziale Projekte zu engagieren.

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„Durch eine Freundin wurde ich 1935 auf das Deutsche Rote Kreuz aufmerksam“, weiß Anna Strüver noch, als wäre es erst gestern gewesen. Gesellige Zusammenkünfte und gemeinschaftliche Aktivitäten prägten bereits damals das Bild des DRK, doch die soziale Arbeit bildete wie heute noch den Schwerpunkt. „Doch in den Kriegsjahren war das Deutsche Rote Kreuz nicht gern gesehen“, bestätigt die Ehrenamtskoordinatorin des DRK-Kreisverbandes, Edeltraud Honka. Deshalb konnte die Versorgung von Bedürftigen des ursprünglich „Vaterländischen Frauenvereins“ lediglich im häuslichen Bereich gewährleistet werden. Der Zweite Weltkrieg traf die Familie hart. „Mein Mann wurde in den Kriegsdienst einberufen, und die Arbeit auf dem Hof wollte ja auch erledigt werden.“ So blieb der jungen Frau nichts anderes übrig, als die Arbeit mithilfe der Familie und der Kinder allein zu bewerkstelligen.

Der Rückhalt in der Familie verhalf der lebensfrohen Frau, die Kriegsjahre zu überstehen – als sie ihren Mann nach dem Kriegsdienst wieder in die Arme schließen konnte, kam das Glück zurück. Der landwirtschaftliche Hof an der Dorfstraße in Oldendorf ging im Laufe der Jahre an die nächsten Generationen über und wird heute von ihrem Enkel Frieder geführt. „Das Interesse am landwirtschaftlichen Betrieb und den Tieren ist bei meiner Oma nach wie vor gegeben“, sagt Frieder Strüver.

Das kommt nicht von ungefähr. Schließlich lebten mit Anna Strüver nahezu 37 Jahre lang drei Generationen auf dem Hof. Mittlerweile ist sie in die Parkresidenz an der Alleestraße umgezogen. Auch wenn sie noch gerne an das Leben und das Arbeiten auf dem Hof denkt, beschäftigt sich die heute 100-Jährige, deren Schwester Frieda auch das 100. Lebensjahr vollendete, nun oft mit Handarbeiten und strickt fleißig Socken für die zwei Enkel und fünf Urenkel.

Neben der Familie wird auch das DRK heute gratulieren – nicht nur zum 100. Geburtstag, sondern auch für die Treue in den vergangenen 75 Jahren. Dass diese lange Zugehörigkeit zum Verein keine Selbstverständlichkeit ist, weiß auch Erika Rasch. Die langjährige erste Vorsitzende des Vereins für Grenzbeziehung und Heimatpflege in Oldendorf sieht in dieser langen Zeit einen besonderen Beitrag zum Erhalt der Gemeinschaft. Und auch der erste Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Oldendorf, Hartmut Schwarze, weiß um die Besonderheit einer solch langen Vereinszugehörigkeit. „Hier wäre es nur naheliegend, die Ehrenmitgliedschaft auszusprechen“, sagt der Oldendorfer. Und auch Gerda Schmalkuche vom DRK-Kreisverband verdeutlicht, wie wunderbar es sei, eine Anerkennung für 75 Jahre Mitgliedschaft auszusprechen. „Anna Strüver hat als junge Frau die Anfänge des DRK miterlebt.“ Nach wie vor sei es wichtig, gerade junge Leute für die soziale Arbeit des Deutschen Roten Kreuz zu begeistern – sie könnten sich die Hundertjährige zum Vorbild nehmen. „Wie man sieht, hat es mir auch nicht geschadet“, fügt Anna Strüver mit einem Lächeln im Gesicht hinzu.

Schon als junge Frau hat sich die Oldendorferin, die heute ihren 100. Geburtstag feiert, im DRK engagiert.

Fotos: pr/top



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