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Ottensteiner Bergdörfer am Scheideweg

Zukunftsplan für die Hochebene?

VAHLBRUCH. Für viele der überaus zahlreichen Besucher dürfte die Vorstellung des Dorfentwicklungsplans für die Dorfregion Ottensteiner Bergdörfer im Vahlbrucher Dorfgemeinschaftshaus ein Déjà-vu-Erlebnis gewesen sein. Denn wie bereits im Jahr 2004 – als die gleiche Art Versammlung im voll besetzten Saal des Gasthauses Hahn in Ottenstein stattfand und sich agrarstrukturelle Entwicklungsplanung (AEP) Ottensteiner Hochebene nannte – wurden wieder „Visionen“ via Powerpoint von einer Gruppe Planer auf weiße Leinwände projiziert. Damals war es das Büro „KoRiS“ aus Hannover.

veröffentlicht am 22.06.2016 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:33 Uhr

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Autor:

Ralph Arndt-Stricker
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Die aktuelle Planung ruht in den Händen der ebenfalls in der Landeshauptstadt ansässigen „Planerwerkstatt 3“. Ein kurzer Rückblick zeigt, was aus der AEP und den „Visionen“ von einst geblieben ist: Ausgetüftelt wurde damals zum Beispiel die dauerhafte Installation des Rapsblütenfestes mit der Wahl der Rapsblütenkönigin als Repräsentantin der Region. Im Mittelpunkt des Rapsblütenfestes sollten die regenerativen Energien stehen. Der Charakter eines weiteren x-beliebigen Dorffestes sollte vermieden werden. Konzipiert wurde damals auch eine Ölmühle in Ottenstein, in der Kraftstoff aus Raps gewonnen werden sollte. Wanderwege sollten geschaffen und ausgeschildert werden, der „Quellenweg“ über die Hochebene galt diesbezüglich als herausragendes Projekt. Geblieben ist davon wenig bis nichts.

Immerhin wird in der Ottensteiner Ölmühle Speiseöl produziert und das Rapsblütenfest erlebte in diesem Jahr eine kurze Renaissance: als (durchaus schönes) Dorffest. Doch waren bei der AEP immerhin noch alle Dörfer der Hochebene (plus Lüntorf) von Anfang an dabei, wurde der aktuelle Dorfentwicklungsplan vor eineinhalb Jahren nur mit den Ottensteiner Bergdörfern, plus den Ortsteilen der Gemeinde Vahlbruch begonnen. Erst seit Mai diesen Jahres sind nun auch die Pyrmonter Bergdörfer in das Dorfentwicklungsprogramm integriert.

Doch von einer dringend erforderlichen gemeinsamen Planung war von Planerseite auf der Versammlung in Vahlbruch eher wenig hören. Dabei hatte Vahlbruchs Bürgermeister Heinrich Ostermann zu Beginn der Veranstaltung auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Dörfer und die veränderten Bedingungen in der Dorfentwicklung (seit der AEP) hingewiesen. Die Veränderungen wurden im von Ingrid Heineking und Klaus Scheuer vorgestellten Planungskonzept verdeutlicht, das die folgenden drei Schwerpunkte benennt: Dorfumbau, Grundversorgung und Freiraumentwicklung. Dieses sind nun die tragenden Säulen, auf denen die Dorfentwicklung der Ottensteiner Hochebene ruhen soll.

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  • Das Interesse ist groß: Zahlreiche Besucher verfolgen die Vorstellung des Dorfentwicklungsplanes.

Im Rahmen dieser Schwerpunkte wurden wieder „Visionen“ von den Planern entwickelt, die Probleme ausklammerten. Beispielhaft sei hier nur der Hinweis aus der Zuhörerschaft genannt, dass viele Windräder und der Ausblick auf das Atomkraftwerk Grohnde nicht zwingend für Aussichtstürme sprächen, die Planer Scheuer als eine Idee präsentierte: „Die Windräder lassen wir mal außen vor“, lautete seine Entgegnung.

Völlig außen vor war auch die Landwirtschaft. Da die Entwicklung des Tourismus auch in dem neuen Plan eine große Rolle spielen soll, müssten die Landwirte mit ins Boot genommen werden. Denn einerseits sind immer mehr neue Schweine- und Kuhställe mit dem entsprechenden Gülleausschuss für die touristische Entwicklung der Region sicher kontraproduktiv. Andererseits ist die Anlage und Pflege von Wanderwegen ohne die Hilfe der Agronomen nur schwer vorstellbar. Wenig Licht wurde in Vahlbruch auch auf die Finanzierung und mögliche Förderung einzelner Projekte geworfen. Deutlich wurde nur, dass viel Geld benötigt wird. Und es gerade für Privatpersonen nicht eben einfach ist, dieses auch zu erhalten. Hier kündigte Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner jedoch Hilfe durch die Gemeindebüros in Ottenstein und Vahlbruch an. Eine Vision kann sowohl ein Bild der Fantasie als auch einen Zukunftsentwurf bezeichnen. Die AEP zählte sicher eher zur ersten Definitionskategorie. Im Sinne des großen Engagements aller Beteiligter, bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung der Dorfregion Ottensteiner und Pyrmonter Bergdörfer ein Zukunftsentwurf wird. Und das den Visionen bald exakte Pläne folgen. Gelingen können diese jedoch nur dann, wenn die real existierenden Probleme nicht weiter ausgeklammert werden und die Beteiligten gemeinsam und im Interesse aller handeln.



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